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Von der politischen Situation in Afghanistan bis zu 1200 Jahre Schwänberg: Diese Sonderausstellungen sind in den Appenzeller Museen geplant

Auf dem Programm der Museen in Ausserrhoden und Innerrhoden stehen dieses Jahr verschiedene politische Ausstellungen.

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Das Bild «Ich sehe was, was Du nicht siehst, 2010» stammt vom Künstler Hansjörg Rekade.

Das Bild «Ich sehe was, was Du nicht siehst, 2010» stammt vom Künstler Hansjörg Rekade.

Bild: Hanspeter Schiess

Im 2022 greifen einige Museen im Appenzellerland politische Themen auf, sei es die aktuelle Situation in Afghanistan, die Bedeutung des Schweizerkreuzes oder die koloniale Vergangenheit. Mit einer Privatsammlung geschnitzter Senntumsfiguren wird Tradition in Szene gesetzt, ein farbenfroher Cartoonist wird gewürdigt und zeitgenössische Künstlerinnen hinterfragen die Objektwelt oder entwickeln eigene Wirklichkeitsbilder. Damit versuchten sich die Museen einerseits von der grassierenden Pandemie nicht zu sehr beirren zu lassen und konsequent ihre eigenen Fragestellungen und Themen weiterzuverfolgen, wie es in einer Medienmitteilung des Kantons heisst. Andererseits loten sie in ihren Ausstellungen und Veranstaltungen auch genau die Phänomene aus, welche Krisen- und Veränderungsprozesse in der Welt auslösen.

Henry-Dunant-Museum Heiden

Unter dem Titel «Flagge zeigen. Rotes Kreuz auf weissem Grund» beleuchtet eine Ausstellung ab dem 9. April die Entstehung und die Verbreitung des wohl wirkungsmächtigsten Emblems der Welt. Das von Henry Dunant initiierte Zeichen übernimmt in bewaffneten Konflikten seit 1863 eine lebensrettende Schutzfunktion. In Friedenszeiten repräsentiert sie die grösste humanitäre Organisation. Die seit Mitte November 2021 laufende Ausstellung «Unternehmen Algerien» zu Henry Dunants wenig bekannten kolonialer Karriere wird bis 30. Oktober verlängert.

Appenzeller Volkskunde-Museum Stein

Die kürzlich aus aktuellem Anlass eröffnete Ausstellung «Appenzell in Afghanistan – Unterwegs mit dem Fotografen Herbert Maeder 1967–70» dauert noch bis am 30. April. Darin tauchen überraschende Bezüge zwischen dem Land am Hindukusch und dem Appenzellerland auf, die im 2022 in Begleitveranstaltungen weiter vertieft werden. Kinder sind im speziellen Nomadenzelt willkommen. Ab dem 21. Mai zeigt das Museum unter dem Titel «Geschnitztes Brauchtum» Alpaufzüge sowie Art-Brut-Objekte aus einer privaten Sammlung. Die Sennten stammen von Senntumsschnitzern verschiedener Generationen, die alle selber zur Alp fuhren oder fahren.

Zeughaus Teufen

Das Zeughaus Teufen zeigt vom 16. Januar bis 27. Februar zwei Wanderausstellungen: «Constructive Alps» zum Bauen in den Alpen und «Prix Lignum 2021» über die Ausgezeichneten für innovativen, hochwertigen und zukunftsweisenden Einsatz von Holz in Bauwerken. Ebenfalls am 16. Januar wird die Teufner Künstlerin Annina Frehner ihr Projekt «Zwischenlager» lancieren. Das Jahr 2022 steht zudem im Zeichen des 10-jährigen Bestehens des Zeughauses in der jetzigen Form; zum Jubiläum lässt sich das Haus einiges einfallen. Es wird beizeiten kommuniziert.

Appenzeller Brauchtumsmuseum Urnäsch

Da sämtliche Begleitveranstaltungen in der aktuellen Ausstellung «Urnäscher Striichmusig» aufgrund von Covid nicht stattfinden konnten, wird die Ausstellung bis am 31. Oktober verlängert. Bis am 30. April läuft die kleine Sonderausstellung «Marie-Luise Rusch. Nicht ohne Fotoapparat»; die Museumsmitarbeiterin zeigt ihre Aufnahmen des Appenzellerlandes.

Museum Herisau

Die Ausstellung «Ääs go züche» über die Wirtshäuser im Appenzellerland wird bis Ende September verlängert. Auch die Veranstaltungen zum Jubiläum «1200 Jahre Schwänberg» werden im 2022 fortgesetzt. An Robert Walsers Geburtstag am 15. April bietet das Museum zusammen mit den Ausserrhoder Wanderwegen eine geführte Wanderung an, ebenso am Wanderfestival Anfang Juni. Mit einem Museumsfest feiert das Museum am 24. September schliesslich seinen 75. Geburtstag; an diesem Anlass werden auch die neu entwickelten, interaktiven Vermittlungsangebote für den Innen- und Aussenraum vorgestellt.

Museum für Lebensgeschichten Speicher

Noch bis zum 5. März sind die Lebensgeschichte und die kaligrafischen Arbeiten des 100-jährigen Bewohners des Hofs Speicher Jakob Eugster zu sehen. Ab 19. März wird eine vielseitig engagierte Persönlichkeit, der 2015 verstorbene Speicherer Cartoonist, Grafiker, Zeichenlehrer und Gemeinderat Hansjörg Rekade, mit einer Ausstellung geehrt. Unter dem Titel «Der Kunst verpflichtet» sind unter anderem seine eigenwilligen, schwer zuzuordnenden künstlerischen Arbeiten zu sehen, die sich durch farbenfrohe und schalkhafte Elemente auszeichnen.

Museum Heiden

Im März 2022 erscheint nach mehrjährigen Vorarbeiten eine neue Geschichte des Dorfes Heiden. Aus diesem Anlass wird im Museum eine Sonderausstellung eingerichtet: «Dorfgeschichte/n von Heiden», mit einer historischen Überblicksdarstellung sowie aktuellen Porträts von Persönlichkeiten. Am 20. März 2022 findet unter dem Titel «Heiden kolonial» ein Kooperationsprojekt mit dem Henry-Dunant-Museum Heiden statt: Im Museum Heiden geht es um das kürzlich in einer Publikation und im Museum aufgearbeitete Thema der Appenzeller Kolonialherren, im Dunant Plaza um die koloniale Vergangenheit Henry Dunants.

Figurentheater-Museum Herisau

Am 1. Juni eröffnet unter dem Titel «König, Sturm und Zauberpferd» eine kleine Sonderausstellung mit den Figuren der Schaffhauser Marionettenbühne. Zwischen 1977 und 2006 haben Monique und Hermann Ammann vier Marionettenspiele geschaffen, mit welchen sie über 100 Aufführungen vor das Publikum brachten. Zu sehen sind klassischen Figuren wie Könige, Prinzessinnen, Hirten und Hexen, aber auch Störche, Pinguine oder Drachen. Ein Augenschmaus für Gross und Klein.

Museum Appenzell

Mit der Ausstellung «Geflickt. Vom Wiederherstellen und Reparieren» erforscht das Museum Appenzell ab dem 12. März ein ebenso altes wie zeitgemässes Thema: Vom provisorischen Notbehelf bis zur professionellen Reparatur, die Bandbreite der Wiederherstellungsarbeiten ist gross. Der Modedesign-Student Morris Manser hat 2021 für seine Bachelorarbeit Recherchen im Museum Appenzell betrieben. Ab dem Frühsommer wird seine daraus entstandene Kollektion in einer kleinen Sonderschau im Textilsaal gezeigt. Kürzlich durfte das Museum Appenzell eine Krippensammlung entgegennehmen. Diese Sammlung, ergänzt mit Weihnachtsobjekten aus der eigenen Sammlung, wird ab Mitte November 2022 in einer weihnächtlichen Sonderschau präsentiert.

Kunstmuseum Appenzell/Kunsthalle Ziegelhütte Appenzell

Ab dem 3. April zeigen das Kunstmuseum Appenzell und die Kunsthalle Ziegelhütte Appenzell die Ausstellung «R.A.W. or the sirens of Titan». Inspiriert vom gleichnamigen humanistischen Science-Fiction-Roman des Autors Kurt Vonnegut entwickeln zehn zeitgenössische Künstlerinnen in je einem Ausstellungsraum poetische, kritische, surreale, interaktive, multimediale Wirklichkeitsbilder, in denen die Zeitgeschichte, die Geschichten des Denkens und der Sinne, aufleuchtet. Parallel dazu wird in der Kunsthalle das partizipative Projekt zur Kunstbibliothek «Our library goes public» weitergeführt.

Alle Angaben sind ohne Gewähr und vorbehältlich Änderungen der Coronamassnahmen, wie der Kanton schreibt.

Aktuelle Informationen zu Öffnungszeiten sind unter:
www.museen-im-appenzellerland.ch abrufbar. (kk)

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