Überraschung im Kulturgüterschutzraum

«Wenn's Krieg gibt, kommt alles Unwichtige raus», sagt Ernst Züst, der Kurator des Museums Wolfhalden schon beim Betreten des Kulturgüterschutzraums. Wenn's Krieg gibt, braucht man den Platz hier für die wertvollsten Kulturgüter des Vorderlands.

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Appenzeller Zeitung (Bild: Martina Basista)

Appenzeller Zeitung (Bild: Martina Basista)

«Wenn's Krieg gibt, kommt alles Unwichtige raus», sagt Ernst Züst, der Kurator des Museums Wolfhalden schon beim Betreten des Kulturgüterschutzraums. Wenn's Krieg gibt, braucht man den Platz hier für die wertvollsten Kulturgüter des Vorderlands. Der Schutzraum liegt hinter der Garage und der Werkstätte des Bauamts der Gemeinde Wolfhalden und unter dem Feuerwehrdepot. Ernst Züst schliesst die Türe auf und es öffnet sich das Universum der Geschichte. Handwerk und Kunsthandwerk, Bauernmöbel und -werkzeuge: Die Geschichte eines kleinen Fleckens Erde, auf dem einst Land- und Forstwirtschaft die Hauptrolle spielte. Alles, ist man versucht zu sagen, alles hier drin hat seinen Wert.

Aber dann inmitten all der Gerätschaften aus Urgrossvaters Zeit ein Schrank, kahl und unscheinbar. Ernst Züst öffnet auch ihn und gibt dessen Schatz preis: eine Anderswelt sondergleichen. Ein Schrumpfkopf, die konservierte Missgeburt einer Sau, ausgestopfte oder eingelegte Schlangen und Schildkröten, ein Flachmann aus sowjetischer Ära, eine Mao-Bibel samt Marmor-Statuette, Schamanenzeug, indianischer Federschmuck und ein Kriegsbeil, Kleinode und dergleichen mehr. Vor rund acht Jahren sei der Schiffskoch und der Sammler Ernst Keller verstorben, 50jährig erst, erzählt Ernst Züst. Über alle Weltmeere hat er sich ein Sammelsurium zusammengetragen, das derzeit im Kulturgüterschutzraum in Wolfhalden – ja, was nun: wartet? Worauf? Zu wirr, um dazu eine erhellende Aussage zu machen? Zu schräg, um lokalhistorisch von Wert zu sein? Überrascht, aber auch überwältigt bleiben wir zurück.

Guido Berlinger-Bolt