Überraschender Trainerwechsel

Beim TV Appenzell wurde diese Woche einiges umgekrempelt: Enver Koso steht neu an der Seitenlinie des Erstligisten. Die Meisterschaft startet mit einem Heimspiel.

Martin Hüsler
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Enver Koso führte als Trainer einst den HC Arbon von der 1. Liga in die NLA. Bild: Ralph Ribi (Arbon, 5. September 2010) (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Enver Koso führte als Trainer einst den HC Arbon von der 1. Liga in die NLA. Bild: Ralph Ribi (Arbon, 5. September 2010) (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Der TV Appenzell hat eine unruhige Woche hinter sich: Am Montag stand Markus Klemencic letztmals als Trainer in der Wührehalle. Erst letztes Jahr hatte er von Reto Valaulta die Mannschaft übernommen. Seit Mittwoch gibt Enver Koso den Kurs vor. Heute um 19.30 Uhr ist die SG Kadetten/Pfadi Youngsters zum Auftakt der 1.-Liga-Saison in der Sporthalle Wühre in Appenzell zu Gast.

Der Wechsel so kurz vor dem Saisonstart kommt unerwartet, lässt sich aber plausibel begründen. Markus Klemencic absolvierte im Frühjahr erfolgreich den vom Europäischen Handballverband ausgeschriebenen Lehrgang zum EHF-Master-Coach. Ausgestattet mit diesem Fachausweis richtete er den Blick auf ein Engagement auf höherer Stufe. Kurzfristig ergab sich nun diese Möglichkeit bei den Kadetten Schaffhausen, wo Klemencic als Co-Trainer agieren wird. Der TV Appenzell wollte ihm diesen Schritt nicht verbauen.

Mit Enver Koso erhalten die Innerrhoder höchst valablen Ersatz. Der 60-Jährige absolvierte zahlreiche Länderspiele für Jugoslawien und nahm 1980 an den Olympischen Spielen von Moskau teil. Bei St. Otmar bildete er mit Peter Jehle eine gefürchtete Flügelzange. Als Trainer schaffte er unter anderem mit dem HC Arbon den Durchmarsch von der 1. Liga in die NLA.

Vor schwieriger Saison

Ob nun mit Markus Klemencic oder mit Enver Koso – die Saison wird so oder so schwierig. Da macht sich Martin Geisser, sportlicher Leiter der Handballriege, nichts vor: «In der von zwölf auf acht Mannschaften reduzierten Gruppe 1 gehören wir gewiss nicht zu den Anwärtern auf einen Spitzenplatz. Im Stärkevergleich rangieren wir, realistisch betrachtet, klar hinter den Seen Tigers und wohl auch hinter dem HSC Kreuzlingen, dem SC Frauenfeld und dem SV Fides St. Gallen.»

Was die Aufgabe zusätzlich erschwert, ist der neue Modus. Bis Weihnachten wird in den vier 1.-Liga-Gruppen à acht Mannschaften die Hauptrunde mit je 14 Spielen ausgetragen. Aus den vier ersten Teams der vier Gruppen werden zwei Achtergruppen für die Finalrunde gebildet. In gleicher Weise wird mit den je vier letzten Teams verfahren, die in zwei Achtergruppen die Abstiegsrunde bestreiten müssen. Nach Kreuzfinals gibt es zwei Aufsteiger in die NLB. Was die Relegation in die 2. Liga betrifft, tauchen die zwei letzten Teams der beiden Abstiegsrundengruppen direkt, derweil die Mannschaften auf den Rängen 5 und 6 in Kreuzfinals zwei weitere Absteiger ermitteln. «Unser Minimalziel muss es demnach sein, mindestens Vierter in der Abstiegsrunde zu werden. Dann sind wir aller Sorgen ledig», bringt es Geisser auf den Punkt.

Erfahrung mit heiklen Situationen

Zur Erinnerung: In den beiden vergangenen Saisons verschlug es den TV Appenzell jeweils in die Abstiegsrunde, in der er aber beide Male ungeschoren davonkam. Praktisch das gesamte aktuelle Kader hat also Erfahrung im Umgang mit heiklen Situationen.

Sportchef Geisser ist überzeugt, dass auch ein neuerlicher Fall in die Abstiegsrunde heil überstanden werden könnte: «Die Gruppe 1 ist unzweifelhaft die ausgeglichenste der vier 1.-Liga-Gruppen. Wir träfen gegebenenfalls also auf Teams, die auf dem Papier wohl schwächer einzustufen sind.»

Ob solche Gedankenspiele auch in der Realität zum Tragen kämen, ist natürlich ungewiss. Darum setzt man beim TV Appenzell alles daran, es gar nicht so weit kommen zu lassen und sich wenn möglich einen Platz in der Finalrunde zu ergattern. Einfach wird das nicht, denn mit den Rücktritten von Fabian Neff, Michael Goldener und Stefan Bischofberger ist einiges an Substanz verlorengegangen. Zu kompensieren hofft man das mit Lukas Gamrat, der nach einer NLA-Saison bei den Stäfa Lakers nach Appenzell zurückkehrt. Weiter gehören mit Mario Broger, Silvan Neff, Fabian Wüthrich und Thomas Brülisauer neue, zu Hoffnungen berechtigende Kräfte dem Kader an. Und auch der letzte Saison lange Zeit verletzt gewesene René Rigas soll wieder zu einer Stütze der Mannschaft werden.

«Es wird ganz wichtig sein, die spielerischen und konditionellen Komponenten auf der mentalen Ebene zu ergänzen, die Moral zu stärken. Das Team muss auch nach Niederlagen bei Laune gehalten werden», hält Martin Geisser fest.

Kader TV Appenzell

Tor: Christian Geisser, Raphael Graf, Thomas Brülisauer. Feld: Yannick Inauen, Thomas Loser, Silvan Neff, Mario Broger, Dano Waldburger, Lukas Gamrat, Elias Valaulta, René Riga, Fabian Wüthrich, Lukas Manser, Sven Sutter, Tobias Sutter, Fabian Geiger. Trainer: Enver Koso.