Übernahme der etwag geglückt

Die Erdgas Zürich AG sicherte sich die Aktienmehrheit an der Erdgas Toggenburg Werdenberg AG. Zu spät meldete die die rwt Regionalwerk Toggenburg AG ihr Interesse an der etwag an. Nun wird eine vertiefte Zusammenarbeit geprüft.

Jesko Calderara
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TOGGENBURG. Obschon die Angebotsfrist der Erdgas Zürich AG für sämtliche Aktien der Erdgas Toggenburg Werdenberg AG (etwag) noch bis zum 14. September läuft, ist die Übernahme bereits zu Stande gekommen. Vorausgesetzt, es werden keine rechtlichen Beschwerden erhoben. Dies erklärten etwag-Verwaltungsratspräsident Urs Früh und Kurt Lüscher, CEO von Erdgas Zürich, am Dienstag an einer gemeinsamen Informationsveranstaltung für Aktionäre in Ebnat-Kappel. Ihre Bedingung für die Transaktion war, dass sie die Mehrheit am Toggenburger Unternehmen übernehmen können, sagte Kurt Lüscher. «Wir haben uns bereits jetzt 50 Prozent plus eine Aktie rechtlich gesichert, daher ist diese Voraussetzung erfüllt.» Noch haben die etwag-Aktionäre gemäss dem Kaufangebot bis Mitte September Zeit, ihre Titel zu veräussern. «Wir streben nach wie vor eine Vollübernahme an», so der CEO von Erdgas Zürich. Der gebotene Preis für die 1400 Aktien beträgt je 10 500 Franken, was einen Unternehmenswert von rund 14,7 Millionen Franken ergibt. Die beiden Verwaltungsräte verständigten sich auf diesen, von einer Revisionsgesellschaft ermittelten Wert.

Wie hoch ist der faire Preis?

Die Expansionsgelüste der Erdgas Zürich im Toggenburg haben offenbar noch einen anderen Interessent an der etwag auf den Plan gerufen. «Wir hätten ihnen gerne ein alternative Offerte unterbreitet», erklärte Rudenz Egli, Verwaltungsratspräsident der rwt Regionalwerk Toggenburg AG. Er bemängelte jedoch, dass die Aktionäre erst spät über das Kaufangebot aus Zürich informiert worden seien. Zur Diskussion steht nun eine vertiefte operative Zusammenarbeit zwischen der etwag und dem Versorgungsunternehmen mit Sitz in Kirchberg. Entsprechende Gespräche fänden in nächster Zeit statt, erläuterte Rudenz Egli (siehe Interview). Mehrere Kleinaktionäre stellten den angebotenen Preis der Erdgas Zürich in Frage. Zudem sei intransparent, wie die involvierten Parteien zu diesem Ergebnis gekommen seien, hiess es in der Versammlung. Kurt Lüscher verteidigte den Kaufpreis, dieser sei fair und in einem transparenten Verfahren festgelegt worden. «Wir sind den Aktionären gegenüber nicht verpflichtet, sämtliche Zahlen offenzulegen», sagte er. Einige Kennzahlen sowie allgemeine Erläuterungen zur Methode der Preisfindung müssten als Informationsgrundlage für die bisherigen Eigentümer genügen.

Potenzial in der Ostschweiz

Erdgas Zürich habe, obschon es rechtlich bis zu einem gewissen Grad erlaubt sei, keinem Grossaktionär einen Paketzuschlag bezahlt, sagt deren CEO. «Das zeigt, dass die Konditionen unseres Angebots attraktiv sind.» Ob die angenommene zukünftige Entwicklung des Geschäftsgangs eintreffe, sei offen. Dieses Risiko, führt Kurt Lüscher aus, trage sein Unternehmen als Käufer. Das Zürcher Energieunternehmen möchte mit dem Kauf der etwag ihre Geschäftstätigkeiten in der Ostschweiz erweitern. «Wir sehen hier grosses Potenzial und werden das Unternehmen weiterentwickeln», erläuterte Kurt Lüscher. Beispielsweise, indem den Kunden zusätzliche Produkte offeriert werden. Sie beabsichtigen, in Zukunft neben Erdgas auch Holzpellets, Biogas und Energiedienstleistungen anzubieten, sagte Kurt Lüscher. Die Frage, wie und warum die Erdgas Toggenburg Werdenberg überhaupt einen Zusammenschluss gesucht hat, erläuterte Urs Früh. Im Herbst werde der Erdgasmarkt für Grosskunden liberalisiert. Welche konkreten Auswirkungen dies auf den Umsatz habe, sei völlig unklar, zumal Erdgas als Energieträger trotz Vorteilen nicht mehr so hoch im Kurs sei, sagte der Verwaltungsratspräsident. «Wir haben daher verschiedene Optionen geprüft.» Zwar sei die etwag ein gesundes Unternehmen, benötige jedoch einen starker Partner, um die Herausforderungen in Zukunft meistern zu können. «In der Region ist jedoch kein Versorger für diese Aufgabe in Frage gekommen», erklärte Urs Früh.