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ÜBERGABE: Metzger finden keine Nachfolger

Zehntausende Betriebe stehen schweizweit in den nächsten Jahren vor einem Generationenwechsel. Nicht immer ist dieser problemlos. Auch im Toggenburg nicht.
Ruben Schönenberger
Wer stellt in Zukunft Fleischprodukte – hier Landjäger – her? (Bild: Ralph Ribi)

Wer stellt in Zukunft Fleischprodukte – hier Landjäger – her? (Bild: Ralph Ribi)

Ruben Schönenberger

ruben.schoenenberger

@ toggenburgmedien.ch

Per Ende Juni verschwindet im Toggenburg eine weitere Metzgerei. Die Gebrüder Preisig haben sich entschieden, das Ladenlokal in Lichtensteig auf dieses Datum hin zu schliessen (das «Toggenburger Tagblatt» berichtete). Im Städtchen Lichtensteig können die Kundinnen und Kunden dank der Metzgerei Widmer weiterhin in einem Fachgeschäft ihr Fleisch einkaufen.

In anderen Orten im Toggenburg ist das längst nicht mehr möglich. In Kirchberg beispielsweise schloss die Metzgerei Metzger vor Jahren ihre Türen. Die Obertoggenburger Metzgerei Metzger wandelte im vergangenen Jahr die Filiale in Stein in ­einen Laden um, ist aber in Ebnat-Kappel und Nesslau noch mit einem Metzgerladen vertreten. Auch die Zentrumsgemeinde Wattwil verfügt seit geraumer Zeit über eine keine einzige Metzgerei mehr.

«Administrative Belastung wird immer grösser»

Die abnehmende Dichte an Metzgereien lässt sich nicht an einem einzigen Problem festmachen. Elias Welti, Leiter Kommunikation beim Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF), führt unter anderem an, dass die administrative Belastung immer grösser werde. «Bei der Deklaration der Produkte, im Arbeitsrecht oder auch bezüglich Tierschutz braucht es immer mehr, um alle Anforderungen zu erfüllen.» Bei einem Grossbetrieb werde dafür eine Stelle geschaffen. Bei einem Kleinbetrieb bleibe alles am Pa­tron hängen. «Das führt manchmal auch dazu, dass junge Leute lieber in einen Grossbetrieb gehen, obwohl sie fähig wären, ein eigenes Geschäft zu führen», sagt Welti weiter. Der SFF versuche konstant, die Regulierungsdichte abzubauen. Die Entwicklung zeige aber in die andere Richtung.

Dazu komme ein Nachwuchsproblem. «Wir finden zu wenig Lernende, daraus ergibt sich natürlich ein Fachkräftemangel», sagt Welti. Auch bei der Metzgerei Preisig sieht man das Problem in der fehlenden Nachfolge. «Trotz der Bemühungen, einen geeigneten Nachfolger zu finden, zeichnete sich leider keine Lösung ab», schreibt die Firma in einer Medienmitteilung. Max Preisig sagte gegenüber FM1 Today, in der Branche sei es schwierig, gute Leute zu finden.

Beim SFF versucht man dem ­entgegenzuwirken, wie Welti ausführt: «Wir versuchen, die ­angehenden Auszubildenden zu überzeugen, sich den Beruf mindestens einmal anzuschauen. Denn: Wer einmal reinschaut, bleibt oft auch dabei.»

Verschiedene Branchen, gleiches Problem

Schwierigkeiten bei der Nachfolgeregelung sind jedoch kein exklusives Problem der Fleischbranche. In einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie zeigte die Grossbank Credit Suisse auf, dass bis 2021 rund 70000 bis 80000 Klein- und Mittelunternehmen (KMU) vor einer Nachfolgeregelung stünden. Das Problem dürfte sich gemäss der Studie noch verschärfen, aus demografischen Gründen. Mehr als die Hälfte der KMU-Unternehmer sei zwischen 50 und 65 Jahren alt. Der Altersrücktritt dieser geburtenstarken Jahrgänge führe in den nächsten 15 Jahren mit grosser Wahrscheinlichkeit zu deutlich mehr Nachfolgefällen. Gleichzeitig wachse die Altersklasse der Nachfolgegeneration deutlich langsamer. Es könnte daher, so die Autoren der Studie, zu einem zunehmenden Mangel an potenziellen Nachfolgern kommen.

Warum der Generationenwechsel scheitert, kann verschiedene Gründe haben, wie Marco Gehrig ausführt. Gehrig ist Dozent am Institut für Unternehmensführung der Fachhochschule St. Gallen und Verwaltungsrat bei der Beratungsfirma Provida. «Die sogenannte Generation Y ist weniger bereit, eine Firma zu übernehmen. Sie hat andere Wertvorstellungen und andere Perspektiven», sagt er. Ganz grundsätzlich müssten KMU ihre Nische finden und innovative Produkte anbieten, um erfolgreich zu sein. «Die Probleme beim Generationenwechsel sind eine gesellschaftliche Herausforderung, die wir angehen müssen», sagt Gehrig weiter. «Der volkswirtschaftliche Schaden kann enorm werden, weil Arbeitsplätze fehlen werden und Steuersubstrat wegbricht.»

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