Über Stock und Stein: Herisauerin Lena Steuri auf Erfolgskurs

Vom «Schnellsten Herisauer» zur einer der stärksten Trailläuferinnen der Schweiz: Lena Steuri aus Herisau ist seit jeher sportbegeistert. Unterwegs ist sie oft mit Hund Jana, bislang aber noch ohne Trainer.

Lukas Pfiffner
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Die Hündin Jana ist oft Lena Steuris Begleiterin – hier bei einer Ruhepause am Seealpsee.

Die Hündin Jana ist oft Lena Steuris Begleiterin – hier bei einer Ruhepause am Seealpsee.

Mathias Praegant

2020 war für die Trailläuferin Lena Steuri ein spezielles Jahr. Zum Umstand, dass man wegen Corona kurzfristig habe schauen müssen, was wann durchgeführt wird, kamen gesundheitliche Probleme: Im April erlitt sie Verletzungen am Sprunggelenk, innert zehn Wochen passierte ihr das noch zweimal, zum Teil bei den gleichen Bändern. «Der Fuss war noch zu wenig stabil.»

Beim Swiss Alpine Marathon Davos kam die 34-jährige Herisauerin Ende Juli auf Platz fünf. «Da war ich froh, dass ich überhaupt laufen konnte.» Den Weissen Ring in Lech beendete sie auf Rang zwei, ebenso die Zubi Trophy, die regionale Laufserie. Als wertvollstes Saisonresultat wertet sie den zweiten Platz am Innsbruck k42 Alpine Trail von Mitte September. Vor einem Jahr hatte sie diesen Wettkampf gewonnen. Diesmal führte sie bis Kilometer 30, ehe ihr ein falsches Abbiegen zum Verhängnis wurde. «Ich bin rund 200 Höhenmeter für nichts hinunter und wieder hinauf gelaufen, was mich etwa fünf Minuten gekostet hat.»

Trail erfordert hohe Konzentration

Lena Steuri als Vierjährige am «Schnellsten Herisauer».

Lena Steuri als Vierjährige am «Schnellsten Herisauer».

PD

Steuri lief als Vierjährige beim «Schnellsten Herisauer» mit den Erstklässlern. Sie war in der Jugi des Turnvereins, lief Mittelstrecken. Sie war seit jeher sportbegeistert, schwimmt und surft, fährt Ski und macht Skitouren. Und sie gehört zu den stärksten Trailläuferinnen der Schweiz.

«Trail» bedeutet «Weg, Spur» und fasst das Laufen abseits von Asphalt und Bahn zusammen. Da sei man der Natur und dem Boden ausgesetzt. «Dies erfordert eine hohe Konzentration.» Sie laufe besonders gerne bergauf und liebe viele Höhenmeter. Erst vor drei Jahren fing sie nach einem Skiunfall an, ernsthaft Wettkämpfe zu absolvieren, schuf sich einen Namen.
Für den Swiss Alpine Marathon und die Schuhmarke On ist sie als Ambassadorin unterwegs, macht Werbung auf Plakaten sowie in sozialen Netzwerken und profitiert von materieller Unterstützung. Das Schuh- und Outdoorgeschäft Zubischuhe ist ein Sponsor.

Trainings finden oft über Mittag statt

Während bei anderen in den Ranglisten der Name eines Vereins, einer Firma oder einer Laufgruppe aufgeführt ist, steht bei ihr «Kantonales Spital Appenzell». Dies sei eine kleine Geste ihrem Arbeitgeber gegenüber. Sie ist in vollem Pensum als Medizinische Praxisassistentin angestellt. Das Spital zahlt die Startgelder; die Verantwortlichen helfen ihr, die Arbeitszeiten so anzusetzen, dass ein Training über Mittag stattfinden kann – im Fitnesszentrum Update oder mit einem Lauf auf den Hohen Kasten oder den Schäfler.

Manchmal ist Jana, die Hündin ihrer Eltern, dabei: Der English Pointer habe Kraft und Energie, zeige sich als treue Tempomacherin – auch in der Umgebung von Davos.

Die Gitarre wieder hervorgeholt

Kürzlich holte sie nach einem Unterbruch von 18 Jahren ihre Gitarre hervor und fing wieder an, zu spielen. «Das tut mir gut.»
Bei allem Ehrgeiz, den sie hat, lebt sie nicht nur für den Sport.

«Die Zeit mit Freunden oder Familie und das Leben zu geniessen, ist mir genauso wichtig.»

Das könne ein feines Essen beinhalten, einen Spiel- oder Tanzabend. Sie lege Wert darauf, sich ausgewogen zu ernähren, besonders vor einem Wettkampf. Einen eigentlichen Ernährungsplan hat sie aber nicht. «Solange ich nicht auf einen Plan achten muss, macht mir das Laufen Spass, und solange es mir Spass macht, denke ich, dass ich weiter Erfolg habe.»

Auch arbeitet sie bisher nicht mit einem Trainer zusammen. Das wird sich wohl im Hinblick auf das nächste Jahr ändern. Sie hat Kontakte geknüpft mit einem Fachmann, der sie in der Trainings- und Wettkampfgestaltung beraten könnte. «Ich war zeitweise übertrainiert und habe den Ruhephasen nach einem Lauf manchmal zu wenig Beachtung geschenkt, was vielleicht auch zu Verletzungen führte. Es kann sich lohnen, die Planung in externe Hände zu geben.»