Über das Liegenlassen

Am kommenden Wochenende lässt das St. Galler Open Air wieder Tausende ins Sittertobel strömen. Ich gönne allen die Unbeschwertheit dieser drei Tage und Nächte, wie auch immer sie sich manifestiert.

Martin Hüsler
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Bild: Martin Hüsler

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Am kommenden Wochenende lässt das St. Galler Open Air wieder Tausende ins Sittertobel strömen. Ich gönne allen die Unbeschwertheit dieser drei Tage und Nächte, wie auch immer sie sich manifestiert. Dass das Gelände hinterher trotz aller Anstrengungen und gutgemeinten Aufrufe der Veranstalter zu mehr Disziplin jeweils einer Mülldeponie gleicht, trübt den Gesamteindruck und ärgert alle jene, die im Zuge ihrer Erziehung den Grundsatz «Selber aufräumen, was man an Unordnung verursacht hat» vermittelt bekommen haben. Doch der Ärger könnte möglicherweise bald einmal umschlagen in Genugtuung über erkleckliche Einnahmen für die öffentliche Hand. Das hat zu tun mit der unlängst abgelaufenen Vernehmlassungsfrist für einen Gesetzesentwurf, der national einheitliche Litteringbussen vorsieht. Ob aus dem Entwurf dereinst ein Gesetz wird, ist offen. Die Chancen scheinen aber aufgrund der Tatsache, dass sich bereits 15 Kantone dafür ausgesprochen haben, nicht schlecht zu stehen. Es würde dann beispielsweise eine Bestimmung folgenden Inhalts in Rechtskraft erwachsen: «Mit Busse bis zu 300 Franken wird bestraft, wer widerrechtlich vorsätzlich oder fahrlässig kleine Mengen von Abfällen wegwirft oder liegenlässt.» Man stelle sich vor, was im Sittertobel an Bussgeld anfallen würde, wenn nur schon kleine Mengen von Abfällen derart massiv belastet würden. Wie viel käme da erst bei grossen Mengen zusammen? Es sei denn, die Besucherinnen und Besucher des Open Air besännen sich ganz allmählich doch eines Besseren. Dann würde die Gleichung «Wer viel liegen lässt, lässt etwas liegen» gegenstandslos.