«Über 75 Prozent sind betroffen»

Gut sieben Jahre sind vergangen, seitdem die Eschenwelke zum ersten Mal in der Schweiz nachgewiesen wurde. Seit mehreren Jahren wütet der aggressive Pilz auch im Toggenburg und hat drei Viertel des Eschenbestandes befallen. Bekämpfungsmethoden sind noch in weiter Ferne.

Urs M. Hemm
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Vor allem junge Eschen sind von der Eschenwelke befallen. Zuerst sterben die Blätter, dann ganze Äste ab. (Bilder: Urs M. Hemm)

Vor allem junge Eschen sind von der Eschenwelke befallen. Zuerst sterben die Blätter, dann ganze Äste ab. (Bilder: Urs M. Hemm)

TOGGENBURG. Sie trifft alle: junge oder alte, gesunde und natürlich durch andere Krankheiten bereits geschwächte Bäume – die Eschenwelke (siehe Kasten). «Wir nehmen an, dass im Toggenburg mittlerweile rund 75 Prozent aller Eschen von diesem Pilz befallen sind», sagt Christof Gantner, Regionalförster der Waldregion 5 Toggenburg, etwas entmutigt. Denn insbesondere der Anteil an erkrankten jungen Eschen sei mit über 80 Prozent sehr hoch, weshalb der ganze Eschenbestand in der Region gefährdet sei. Eine Besserung der Situation sei in naher Zukunft nicht in Sicht – eher das Gegenteil, denn geeignete Gegenmassnahmen sind zurzeit keine vorhanden. Wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) und die Konferenz der Kantonsförster (KoK) in einer gemeinsamen Medienmitteilung schreiben, sind sie dennoch bestrebt, die Esche zu erhalten. Dies, weil es sich bei der Esche mit rund vier Prozent um die zweitwichtigste Laubbaumart nach der Buche in der Schweiz handle.

30 Kilometer pro Jahr

Die Eschenwelke trat in der Schweiz erstmals im Jahr 2008 in der Region Basel auf. Seither hat sich der Erreger mit rund 30 Kilometern pro Jahr mit vergleichbar rasend schneller Geschwindigkeit über die ganze Schweiz verbreitet, erläutert Christof Gantner. Das Problem sei vor allem die Art, wie sich der Erreger verbreite. «Der Erreger der Eschenwelke ist ein Pilz, dessen Sporen mit dem Wind in alle Richtungen verstreut werden. Dagegen sind wir machtlos», sagt er. Ein Befall mit der Eschenwelke bedeute jedoch nicht automatisch, dass der Baum abstirbt. «Rund zehn Prozent der Eschen haben sich als resistent oder zumindest als tolerant gegenüber der Eschenwelke erwiesen.» Die Wissenschaft habe zwar noch nicht herausgefunden, warum der Pilz einzelnen Bäumen nichts anhaben könne. Mit Stecklingen von resistenten Exemplaren würden jedoch gezielte Aufzuchtprogramme durchgeführt, um die Verluste, welche die Krankheit verursacht, auffangen zu können. Zudem haben Forschende aus Polen und der Schweiz in Pilzproben ein Virus nachweisen können, welches das Potenzial haben könnte, den Erregerpilz der Eschenwelke einzudämmen. Ziel von laufenden Versuchen sei es nun, mittelfristig eine biologische Methode zur Bekämpfung der Eschenwelke zu entwickeln, heisst es dazu in einem Bericht der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL).

Wertminderung vermeiden

Christof Gantner unterstützt die Ratschläge des Bafu und der KoK und empfiehlt Waldbesitzern, welche die Eschenwelke in ihren Beständen feststellen, möglichst wenig Pflegeaufwand in diese zu investieren. Zudem sollten keine neuen Eschen mehr angepflanzt werden. Weisen Bäume einen Blattverlust von über 70 Prozent aus, sollten diese, insbesondere an exponierten Stellen, entfernt werden. «Denn, sterben die Blätter ab, werden auch deren Äste nicht mehr mit Wasser versorgt, trocknen aus und stellen vor allem bei windigem Wetter eine Gefahr für Fussgänger und den Verkehr dar.» Potenziell resistente Bäume hingegen sollten gefördert und möglichst erhalten werden.

Da sich Eschenholz gut als Baumaterial, beispielsweise für Möbel, eignet, rät Gantner zudem, das Holz rechtzeitig zu nutzen, um eine Wertminderung zu vermeiden. Denn mit fortschreitendem Befall bilde die Rinde Nekrosen, wodurch sich das Holz verfärbe.

Christof Gantner Regionalförster Waldregion 5 Toggenburg

Christof Gantner Regionalförster Waldregion 5 Toggenburg