Turnverband

«Ich bin Fan des Turnvereins»: So tickt der neue ATV-Präsident Christian Giger

Christian Giger hat Ende November das Präsidium des Appenzellischen Turnverbandes übernommen. Der 30-jährige Mittelländer will wie sein Vorgänger den Kontakt zur Basis pflegen. Wegen Corona rechnet er mit Austritten.

Lukas Pfiffner
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Der Präsident ist der Grösste: Christian Giger (Mitte) umgeben von den Vorstandsmitgliedern des ATV.

Der Präsident ist der Grösste: Christian Giger (Mitte) umgeben von den Vorstandsmitgliedern des ATV.

Bild: Lorenz Reifler

Sein jüngerer Bruder Samuel ist ein bekannter Schwinger. «Ich habe es als Knabe auch als Schwinger versucht», erzählt Christian Giger, der neue Präsident des Appenzellischen Turnverbandes ATV. Sägemehl sei aber nicht seine Welt gewesen.

«Ich bin Fan des Turnvereins, war immer gerne als polysportiver Mensch unterwegs, an Geräten, in der Leichtathletik, in spielerischen Bereichen.»

Giger ist 30 Jahre alt, wohnt in Gais und hat Koch gelernt. Er wählte einen zweiten Berufsweg und ist nun bei der Eidgenössischen Zollverwaltung im nördlichen Rheintal tätig. Seit zehn Jahren präsidiert er den TV Bühler. Bis im März, wenn er dieses Amt abgeben wird, hat er eine Doppelfunktion inne.

Pflichtteile und Supplements

Die Anfrage, als Nachfolger Bruno Eisenhuts die Führung des ATV zu übernehmen, sei Ende April an ihn ergangen. «Ich überlegte sechs oder sieben Wochen lang, ob ich zusagen soll. Ich hatte und habe immer noch Respekt vor der Aufgabe.» Er wisse aber, dass man in der Turnfamilie etwas zurückbekomme: «Die Leute machen mit.» Man habe transparent aufgezeigt, wie seine Aufgaben seien. «Es gibt eine Art Pflicht, dazu einiges an Supplement. Ich bin mich noch am Einarbeiten. Der zeitliche Aufwand macht wohl bis ein Zehn-Prozent-Pensum aus.»

Nebst der Leitung von Sitzungen und der Teilnahme an Konferenzen vertrete er den Turnverband gegen aussen, etwa in der Kontaktpflege mit Behörden, Amtsstellen, Partnern und Verbänden. «Zudem bin ich hauptverantwortlich für das Sponsoring und Vorgesetzter der Geschäftsstellenleiterin.» Ein weiterer wichtiger Punkt im Amt sei die Personalplanung. «Wir sollten nicht von Rücktritten überrascht werden.»

Überall eine Stufe höher

Ende November wurde er ins Amt gewählt. Im Vergleich zum Präsidium des TV Bühler würden die Aufgaben nun eine Stufe höher liegen: Statt mit der Gemeinde habe er mit dem Kanton zu tun; als Vereinspräsident war er in Kontakt mit dem Kantonalverband, jetzt mit dem Schweizerischen Turnverband. Das eigene, wöchentliche Training möchte er (wenn die Coronapandemie überstanden ist) nur im Ausnahmefall «sausen» lassen. Sein Vorgänger besuchte als «Präsident on tour» Vereine und Riegen. Etwas Ähnliches schwebt ihm vor, um den direkten Kontakt zu pflegen. «In welcher Form dies geschehen wird, bin ich mir am Überlegen.»

Vorbilder als Werbeträger

«Wir stehen auf gesunden Füssen, können auf einen sehr guten Kantonalvorstand zählen.» Der Turnsport boomt, der ATV weist knapp 7000 Mitglieder auf. Die Vereine hätten investiert – ins Personal, die Trainerausbildung, die Infrastruktur. «Sie sind sehr aktiv.» Als weiteren Grund nennt Giger die Vorbildwirkung nationaler Grössen – auch aus der Region. «Leute wie Giulia Steingruber, Miryam Mazenauer oder Simon Ehammer sind grossartige Werbeträger für den Turnsport. Wir brauchen sie.» Man sei sich bewusst: Es werde wegen Corona Austritte geben.

«Die Leute haben sich zum Teil neu orientiert, die Einschränkung der Kontakte fördert die Individualisierung. Ich hoffe, dass wir in einem Jahr so gut dastehen wie jetzt, dann bin ich glücklich.»

Turnfest in Stufen angedacht

Was das Appenzellische Turnfest (19./20. sowie 25. bis 27. Juni) betrifft: «Im Grundsatz findet es statt. Aber wir müssen die Durchführung von der Situation abhängig machen: Die normale Variante wäre die schönste, dann sind Light-Varianten in verschiedenen Stufen angedacht, zum Beispiel mit Eingrenzungen im Festbetrieb bis hin zu den reinen Sportbewerben.» Welches sind die grössten Herausforderungen nebst Corona? «Wir müssen flexibel sein, auf Trends reagieren und nicht in den klassischen Sparten der Turnvereine verharren. So bleiben wir konkurrenzfähig.» Er spricht das Beispiel einer Langlauf- oder Bikegruppe an, die je nach Region auf Interesse stossen und Bestehendes ergänzen könnte. «Für mich ist zudem wichtig, dass wir uns bewusst sind und intensiv der Tatsache nachleben: Wir sind ein Verband für Innerrhoden und Ausserrhoden. Und wir wirken integrativ – auch die Behindertensport-Organisation Plusport gehört ja zu uns.»