Tunnel: Nein – Doppelspur: Ungern

Mit der IG Dorf bezieht eine gewichtige Stimme Teufens Stellung zur Frage «Tunnel oder Doppelspur?». Die Tunnelvorlage wird abgelehnt. Da die Doppelspur nicht überzeuge, wirft die IG Fragen auf.

Bruno Eisenhut
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Die IG Dorf Teufen hat die beiden Varianten geprüft und Stellung bezogen. (Bild: apz)

Die IG Dorf Teufen hat die beiden Varianten geprüft und Stellung bezogen. (Bild: apz)

TEUFEN. Am 18. Januar entscheiden Teufens Stimmberechtigte, ob die Appenzeller Bahn künftig statt durch das Dorf in einem Tunnel verschwindet. Die Abstimmungsfrage lautet: Wollen sie den Kredit über 30 Mio. Franken zur Erstellung eines Tunnels genehmigen? Ja oder Nein. Der Gemeinderat empfiehlt die Vorlage abzulehnen und beabsichtigt, die Variante «Doppelspur» weiter voranzutreiben. Am 6. November wurde die Bevölkerung öffentlich durch den Gemeinderat über das Projekt informiert.

IG Dorf bezieht Stellung

Viele Teufnerinnen und Teufner gehören der IG Dorf Teufen an. Deren Ausschuss hat sich zwischenzeitlich mit den Detailfragen zur bevorstehenden Abstimmung auseinandergesetzt. «Bewusst haben wir die öffentliche Veranstaltung des Gemeinderates abgewartet, um danach Stellung zu beziehen», sagt mit Urs Alder ein Mitglied des Ausschusses gegenüber der Appenzeller Zeitung.

Die IG stellt nach ausführlichen Abklärungen fest, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis für das Dorf und das örtliche Gewerbe nicht die erwünschten Vorteile bringe. Ausserdem könnten die Zusatzbelastung von 30 Mio. für ein Tunnel selbst für eine Gemeinde wie Teufen längerfristig zu einem echten Problem werden. Die gegenwärtige Verschuldung der Gemeinde müsse in den nächsten Jahren eher abgebaut als weiter ausgebaut werden. Die finanzielle Ausgangslage der Gemeinde sei klar und ausgewiesen, dabei einfach auf Optimismus zu bauen, wäre wohl eher fahrlässig als verantwortungsvoll. Dass bei einem Tunnelbau weitere finanzielle Mittel zur Gestaltung des Dorfs fehlten, bezeichnet Urs Alder als weiteren Nachteil. Zudem befürchtet die IG, dass sich das Dorfzentrum von Teufen nach der Erstellung eines Tunnels mehr als gewünscht entleeren könnte. Als grösste Ungewissheit bezeichnet Urs Alder aber die zusätzlichen unbekannten Kosten, welche beim Tunnelbau anfallen könnten. «Diese hätte Teufen voll und ganz alleine zu tragen.»

Basierend auf diesen Erkenntnissen empfiehlt die IG Dorf den Kredit für ein Tunnelprojekt zur Ablehnung.

Angst um das örtliche Gewerbe

Anders als der Gemeinderat zweifelt der Ausschuss der IG daran, ob die Alternative «Doppelspur» die beste Lösung für Teufen sei. Der Bau einer Doppelspur würde mindestens drei Jahre in Anspruch nehmen. «Erfahrungen aus ähnlichen Bautätigkeiten in vergleichbaren Gemeinden haben gezeigt, dass das Gewerbe während so einer langen Bauzeit mit mehr als 50 Prozent Umsatzeinbusse rechnen muss», so Barbara Ehrbar, Mitglied des IG-Ausschusses. «Bei der Dauer eines Jahres mag dies vielleicht noch zu verkraften sein», so die Unternehmerin. Bei einer Bautätigkeit über zwei bis drei Jahre mache sie sich aber ernsthafte Sorgen um das Wohl des örtlichen Gewerbes.

Am 16. Dezember lädt der Gemeinderat die Bevölkerung abermals zu einer öffentlichen Versammlung ein. Dort will er vorgängig eingereichte Fragen der Bevölkerung beantworten.

IG bringt dritte Variante ins Spiel

Davon macht auch die IG Dorf gebrauch. «Viele Leute sind nach wie vor stark verunsichert im Zusammenhang mit einer Doppelspur. Die Nachteile des Status quo – also alles beim alten belassen – müssen der Bevölkerung nochmals erklärt und der Doppelspur Variante gegenüber gestellt werden», so Barbara Ehrbar. Der Ausschuss der IG sehe im Projekt Doppelspur einfach noch zu viele offene Fragen, so ihre Begründung.

Auch die Tatsache, dass die Variante Doppelspur die Gemeinde lediglich 200 000 Franken kosten würde, lässt Urs Alder nicht im Raum stehen. Die restlichen 26 Millionen Franken bezahlt zwar der Bund. «Aber wer ist der Bund? Wir alle», so Alder.

Barbara Ehrbar (Bild: apz)

Barbara Ehrbar (Bild: apz)

Urs Alder (Bild: bei)

Urs Alder (Bild: bei)