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Tücken der Sprachgrenze

Reisenotiz
Martin Knoepfel

«Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen», lautet ein Sprichwort aus der Zeit, als Reisen noch nicht alltäglich war. Heute ist es das zwar, doch das Sprichwort gilt immer noch, besonders, wenn die Reise nicht nur über Kantonsgrenzen und Wasserscheiden führt, sondern auch über Sprachgrenzen. Doch gemach, ich erzähle alles Schritt für Schritt, wie beim Wandern, denn es geht ja um eine Wanderreise vom Berner Oberland ins Unterwallis und zurück beziehungsweise retour ins Berner Oberland (Bericht in der «Ostschweiz am Sonntag» vom 20. August).

Auf dem Rawilpass kreuzt die Wandergruppe in aufgelockerter Formation – die Fittesten vorneweg, ich natürlich unauffällig in der Mitte – die Wasserscheide zwischen der Nordsee und dem Mittelmeer und zugleich die Kantonsgrenze zwischen Bern und dem Wallis. Schon auf Walliser Boden kommt unserer Gruppe ein Paar entgegen. Ich sage natürlich «Grüezi», und mir schallt ein freundliches «Bonjour» entgegen. Merde alors, ich habe total vergessen, dass ich mit dem Kanton Bern auch den deutschen Sprachraum hinter mir gelassen habe.

Beim nächsten Mal nehme ich mir vor, es besser zu machen. Viele Gelegenheiten wird es zwar nicht mehr geben, aber einige doch. Immerhin kommen mir zwei junge Frauen entgegen. Im Wallis grüsse ich mit «bonjour», und die Antwort ist ein urchig-bernisches «Grüessech». Das nennt man wohl Künstlerpech.

Bei der dritten Zweiergruppe geht es endlich pannenfrei. Die beiden Damen sind flotten Schrittes bergauf unterwegs und haben trotz des steilen Weges noch genug Luft für ein animiertes Gespräch über günstige Handy-Tarife, sodass sie mich überhaupt nicht beachten. Das nennt man Glück, denn wer nichts sagt, kann auch nichts Falsches sagen.

Im Restaurant beim Stausee von Tseuzier ist alles klar – oder doch nicht? Hier wird Französisch gesprochen. Doch wie ruft man die Kellnerin in der Sprache Voltaires und Molières? «Garçon» – das habe ich in der Schule gelernt – wäre für den Kellner richtig, auch wenn er ein erwachsener Mann ist. Das ist ähnlich wie beim «Ober», der nicht Oberkellner sein muss. «Garçonne» für die Kellnerin wäre allerdings eher schräg, obwohl das Wort im Französischen existiert. Doch zum Glück kommt die Dame von selber an den Tisch, an dem ich sitze, und fragt, was ich trinken will. «Une bière, s’il vous plaît». Kurz darauf stellt sie ein Glas mit dem Gerstensaft vor mir auf den Tisch. Jetzt ist alles in Butter. Wörtlich übersetzen sollte man das aber nicht, es sei denn, man strebt einen Lacherfolg bei den Zuhörern an.

Martin Knoepfel

martin.knoepfel@toggenburgmedien.ch

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