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Trump unter der Lupe

Vor voll besetzter Aula in der Kantonsschule referiert TV-Moderator und Autor Arthur Honegger zum Thema «Donald Trumps Feldzug gegen die Institutionen».
Martin Hüsler
Arthur Honegger mit Fabienne Carniello, die den Anlass in Trogen organisiert hat.

Arthur Honegger mit Fabienne Carniello, die den Anlass in Trogen organisiert hat.

Wenn US-Präsident Donald Trump erfahren würde, was für einen Aufmarsch er im Appenzeller Mittelland bewirkt, wenn er zum Thema eines Vortrags gemacht wird. Die in der Kanti-Aula zunächst bereitgestellten Stühle reichten längst nicht aus, um allen Interessierten eine Sitzgelegenheit zu bieten. Sie waren auf Einladung der Weiterbildung Mittelland AR gekommen, die zu ihrem 25-jährigen Bestehen Arthur Honegger, «10vor10»-Moderator und ausgewiesener Kenner der USA, für ein Referat verpflichtet hatte.

Eingeführt von Fabienne Carniello, die den Anlass organisiert hatte, legte Honegger gleich zu Beginn offen, dass er kein Blatt vor den Mund nehme. Sein Wissen um den Gang der Dinge in den USA schöpft er einerseits aus profunden Kenntnissen der Abläufe, wie er sie in seiner Zeit als SRF-Korrespondent in Washington aus nächster Nähe erlebt hat. Andererseits verfolge er mit Akribie, was sich im Weissen Haus alles abspielt. Das Tun und Lassen Trumps lasse ihn mit Sorge nach drüben blicken, bekannte Honegger. Der Präsident trete die Institutionen – Basis jedes Staatswesens – mit Füssen und foutiere sich um Rechtsstaatlichkeit. In inflationärer Weise erlasse er Dekrete und mache sich durch akute Twitteranfälle negativ bemerkbar. «Er attackiert alles, was vor ihm da war.»

Die Normalität brechen

Die Wahl Trumps sei erfolgt, weil sich seine Anhängerschaft von ihm den aus ihrer Sicht nötigen Wandel versprochen hatten. Seine Popularität sei mittlerweile stark gesunken, aber noch immer könnten sich bis zu dreissig Prozent der Bevölkerung mit ihm identifizieren, legte Honegger dar. «Er wurde gewählt, um mit der Normalität zu brechen. Die Leute dachten, er verwandle das Land dank neuer Ideen.» Wer Trumps Äusserungen genau unter die Lupe nehme, müsse zur Erkenntnis gelangen, dass das, was er sagt, keinen Sinn ergibt. «Wenn er frei spricht, sagt er alles – auch Widersprüchliches.» Honegger veranschaulichte dies an den Schwierigkeiten, die der Präsident Simultanübersetzern bereitet. Diese sprächen ganz unverblümt von einem zusammenhanglosen Wortsalat. Aber Trump verstehe es auch, sein Unvermögen gut zu kaschieren. Es sei nicht abwegig, Parallelen zum Andersen-Märchen «Des Kaisers neue Kleider» herzustellen.

Am Beispiel des zu Trumps Amtsbeginn dekretierten und unterdessen in einem erbitterten Rechtsstreit gelandeten Einreiseverbots für Bürgerinnen und Bürger aus islamistischen Staaten belegte Honegger dessen respektlosen Umgang mit der Rechtsstaatlichkeit und mit der Justiz. Würde das Verbot nach Trumps Vorstellungen umgesetzt – das Oberste Gericht hat unlängst eine überarbeitete Version vorübergehend in Kraft gesetzt, bis über die noch laufenden Berufungen entschieden ist – nähme er damit ganze Nationen in Sippenhaft. «Respekt vor unabhängiger Justiz sieht anders aus.»

Honegger erinnerte an das Diktum, wonach das Amt des US-Präsidenten nicht immer von aufgeklärten Männern besetzt werde. Er zählte einige frühere Amtsinhaber mit gewissen Mängeln auf. Auf Trump bezogen müsse man fast sagen, er vereinige alle negativen Eigenschaften auf sich. Immer wieder äussert sich Trump negativ über die Medien, die in seinen Augen die Feinde des amerikanischen Volkes sind und ständig Fake News verbreiten. Honegger ist überzeugt, dass sich guter Journalismus von solchen Vorwürfen nicht beirren lasse und derlei Attacken aushalten könne. Als unheilvoll erachtet er aber, dass die Wut vieler Amerikanerinnen und Amerikaner über Trumps Amtsführung in eine Art Gleichgültigkeit übergegangen ist. «Es besteht die Gefahr, dass sich viele nicht mehr schlüssig sind, in was für einem Staat sie eigentlich leben wollen. Dabei wäre es eine permanente Aufgabe, die Institutionen zu verteidigen und zu stärken.» Das gelte im Übrigen auch für die Schweiz, spannte Honegger den Bogen in unser Land.

Auf Fragen aus dem Publikum erklärte Honegger, dass die Terroranschläge vom 11. September 2001 das Sicherheitsempfinden nachhaltig verändert hätten, was sich unter anderem in strengeren Sicherheitsmassnahmen niederschlage. Die Möglichkeit einer Wiederwahl Trumps im Jahr 2020 hält er durchaus für gegeben, auch wenn jener es nicht leicht haben werde, nachvollziehbar zu belegen, was er in den vier Jahren geleistet habe. Nach der Rolle von Trumps Beratern gefragt, meinte Honegger, der Präsident sei ziemlich beratungsresistent. Nicht umsonst hätten bisher fünfzig Führungskräfte ihren Dienst quittiert. Die Chance einer Amtsenthebung des Präsidenten sei insofern klein, als sich das entsprechende Prozedere äusserst kompliziert gestalte.

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