Trügerische Hoffnung

Für Menschen wie meinesgleichen müsste eigentlich ein Dank, verbunden mit einem Ausdruck der Erleichterung, hinauf nach Dänemark gehen, genauer zu einem Forscherteam der Universität Kopenhagen.

Martin Hüsler
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Bild: Martin Hüsler

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Für Menschen wie meinesgleichen müsste eigentlich ein Dank, verbunden mit einem Ausdruck der Erleichterung, hinauf nach Dänemark gehen, genauer zu einem Forscherteam der Universität Kopenhagen. Dieses will herausgefunden haben, dass der Body-Mass-Index derzeit im Übergewicht-Bereich liegt. Für all jene, die noch nie vom Body-Mass-Index, abgekürzt BMI, gehört haben, hier eine Kürzesterklärung. Der BMI stellt eine Masszahl dar, die das Körpergewicht eines Menschen ins Verhältnis zu seiner Körpergrösse setzt. Bisher galt: Je tiefer diese Zahl ist, umso gesünder lebt es sich.

Bevor ich von der bahnbrechenden Studie aus Dänemark Kenntnis erhielt, musste ich mich jenen Menschen zurechnen, die gesünder leben könnten – wenn sie denn nur nicht so gerne ässen. Jetzt aber keimt Hoffnung. Wenn ich voraussetze, dass dänische Forscher kluge Leute sind – woran zu zweifeln ich keinen Anlass habe –, kann ich mich meines Daseins plötzlich und buchstäblich unbeschwerter erfreuen. Beim Einkaufen im Lebensmittelgeschäft darf ich nach dem Lustprinzip verfahren, ohne dass sich das schlechte Gewissen regt. Und der Gang auf die Waage hat viel von seinem Schrecken verloren; er ist auf einmal nicht mehr mit der niederschmetternden Feststellung verbunden, willensschwach zu sein.

Aber so ganz mag ich der Sache halt doch nicht trauen. Sind Erkenntnisse von Dänen wirklich über alle Zweifel erhaben? Kommt demnächst eine Studie heraus, die alles widerlegt, was ich als Lichtblick aus Kopenhagen einzustufen beliebte? Wäre es vielleicht nicht doch gescheiter, am Kochherd vermehrt Vernunft walten zu lassen und alles zu meiden, was den BMI hochschraubt? Ich sehe schon: Der Unsicherheitsfaktoren sind einstweilen noch zu viele, als dass letzte Gewissheit über dänische Frohbotschaften bestehen könnte.