Trotz Erfolg bescheiden geblieben

Viele Leute wollten ein letztes Mal die Stimme von Christian Metzler im Jodlerklub Männertreu hören. Sie haben ihm in der reformierten Kirche in Nesslau am Samstagabend mit ihrem Kommen die Ehre erwiesen.

Lisa Leisi
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Willis Wyberkapelle: Andrea Ulrich, Willi Valotti und Martina Rohrer (von links).

Willis Wyberkapelle: Andrea Ulrich, Willi Valotti und Martina Rohrer (von links).

NESSLAU. Die Sitzplätze in der reformierten Kirche in Nesslau waren bereits eine halbe Stunde vor dem Konzertbeginn belegt an diesem Samstagabend. Mit frenetischem Applaus begrüsste das Publikum dann den Jodlerklub Männertreu und Willis Wyberkapelle. Mit Standing Ovation verabschiedete das mit drei Zugaben reich beschenkte Heimpublikum schliesslich den langjährigen Vorjodler.

Eindrückliches Heimspiel

Gleich beim ersten Naturjodel zeigte der abtretende Vorjodler Christian Metzler mit seiner kräftigen, reinen Stimme, weshalb er und seine Kameraden so viele Anhänger und keine Nachwuchssorgen haben: Die Männer brillierten mit ihrer exakten Abstimmung und Harmonie und wurden ihrem Ruf als ausserordentlich hochstehender Jodlerklub einmal mehr gerecht. Eine weitere Stärke dürfte ihre sie verbindende Leidenschaft für den Naturjodel und das ihre Heimat, Natur, Brauchtum und den Schöpfergott besingende Liedgut sein. Diese Lieder stehen für ihre Überzeugungen, für ihr Lebensgefühl im Toggenburg und wirkten überhaupt nicht aufgesetzt. So ertönte unter anderem «Im Schärme staht en Buurebueb», «Wie schön isch doch mis Toggenburg», «Am Berg, wo mis Hüttli staht» und «I bi i Gottes Hand, er füehrt mi Tag und Nacht». Auch der berühmte Naturjodel «de Wildhuser» durfte natürlich nicht fehlen. Dieser hatte den Jodlerklub Männertreu und Christian Metzlers Vater Jakob Metzler schweizweit bekannt gemacht.

Kreatives Können

Für instrumentale Begleitung und weitere abwechslungsreiche Leckerbissen sorgte der langjährige frühere Dirigent des Jodlerklubs, Willi Valotti, mit seiner Wyberkapelle.

Der schweizweit bekannte Musiker gab mit «seinen» begabten Frauen Einblick in ihr virtuoses künstlerisches Schaffen mit verschiedenen Musikstilen, welche sie mit kreativen Übergängen wunderbar verbinden. Grandios führten sie dies mit ihrer anspruchsvollen Wandlung, neu «Theäterli» genannt, vor Augen. Die vier wechselten und tauschten beim pausenlosen Spiel ihre Instrumente, was einiges an Geschick und Übung erforderte. So spielten Gaby-Isabelle Näf, Andrea Ulrich, Martina Rohrer und Willi Valotti in wechselnder Besetzung Klavier, Klarinette, Saxophon, Kontrabass und Akkordeon.

Lob und Anekdoten

Willi Valotti unterhielt an diesem Abend auch mit seinem Erzähltalent. Er hatte den Auftrag übernommen, zum nach 35 Jahren letzten Auftritt von Christian Metzler ein paar Worte über dessen musikalischen Werdegang zu sagen. «Ich kann nur in den allerhöchsten Tönen loben, was ich mit ihm zu schaffen gehabt habe. Weiteres muss man vielleicht seine Frau fragen», begann er seine mit Humor gewürzte Rede. Dabei war zu erfahren, dass Christian Metzler in Atemtechnik und Stimmbildung bei Alex Eugster (Trio Eugster) ausgebildet wurde. Allerdings wurde die erste Stunde ziemlich teuer, weil er vor lauter Aufregung zu schnell fuhr und geblitzt wurde. Oder Willi Valotti behauptete, bei ihrer langjährigen Zusammenarbeit sei Christian immer der Chef gewesen. Wenn er zu viel wollte, habe Christian jeweils entgegnet: «Dann kannst du selber johlen.» Hingegen pflichteten die vielen Bekannten dem langjährigen Dirigenten des Jodlerklubs Männertreu sicher bei, dass Christian Metzler in seiner Bescheidenheit nie ein Star sein wollte, aber dennoch einer wurde.

Christian Metzler (mit Schnauz), ganz links sein Nachfolger und Sohn Roman Metzler. (Bilder: Lisa Leisi)

Christian Metzler (mit Schnauz), ganz links sein Nachfolger und Sohn Roman Metzler. (Bilder: Lisa Leisi)