Trottinett fahren im Schnee

Draussen herrschte klirrende Kälte, drinnen wurde es dem Publikum warm ums Herz: Im Chössi-Theater spielte am Wochenende «Romobil». Ein Auftritt allein hat für den grossen Andrang nicht gereicht, es brauchte zwei Auftritte – beide waren schliesslich ausverkauft.

Michael Hug
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«Romobil» liessen das «Chössi» an zwei Abenden schier aus allen Nähten platzen. (Bild: Michael Hug)

«Romobil» liessen das «Chössi» an zwei Abenden schier aus allen Nähten platzen. (Bild: Michael Hug)

LICHTENSTEIG. Dramatik spielt alleweil eine Rolle in der Zigeunermusik. Auch fröhlich kann sie sein, himmelhochtraurig und witzig. Nein gewiss ist die Musik der Roma nicht nur zum Feste feiern da. Auch wenn gestorben wird, entliebt oder fortgegangen, ist immer ein Stück aus dem grossen Fundus der Traditionsmusik zur Hand. Ähnlich verhält es sich bei der Musik der Appenzeller. Zwar nicht gerade traurig muss sie tönen, aber doch besinnlich manchmal, berührend und dann wieder fröhlich tanzend. So sind also diese beiden Stile wie geeignet, sich zu vermischen, zu verbinden, oder sich entgegenzutreten.

Immer wieder, aber viel zu selten

«Romobil», die Band die sich immer wieder, aber viel zu selten, trifft, um kleine Konzerttourneen zu unternehmen und dabei Scharen von Fans zu begeistern, hat sich dieser Vermischung verschrieben. Das war vor ein paar Jahren so, als das Septett zum ersten Mal im «Chössi» auftrat, auch in Mogelsberg 2010, als der dortige Kulturverein ein Jubiläum feierte, und das war auch diesmal so, als sich die Programmgestalter des «Chössi» wieder in die kleine Tournée der sieben Mannen einklinkten. Doch man hatte es geahnt: Ein Abend würde für das Toggenburger Publikum nicht reichen, darum wurden hurtig zwei Termine angesetzt. Und siehe da, die «Chössi»-Leute hatten recht, es reichte für zwei ausverkaufte Konzerte.

Nun, da denn der allerletzte Stuhl am Freitag- und am Samstagabend besetzt war, wollte man «Romobil» (Trottinett) zwar nicht im Schneegestöber fahren lassen, aber doch hören und erleben. Die Band, die einst als amtliches Projekt, als vom Kantonalen Amt für Kultur im Rahmen der Internationalen Bodenseekonferenz angestossenes musikalisches Innovations- und Fusionsprojekt, entstand, enttäuschte nicht. Ideenreich und improvisationsfreudig spielte «Romobil» sein nicht reiches, aber ausreichendes Repertoire durch und begeisterte mit jedem Stück. «Im Zigeunerlager», «S'Neuerli», «Erdelezi», «Geigensolo» heissen die Lieder, ein jedes sauber und gescheit entweder von Goran Kovacevic (Akkordeon), Patrick Kessler (Kontrabass) oder Töbi Tobler (Hackbrett) arrangiert. Neues und Altes hatte Platz sich zu zeigen, Selbstkomponiertes und Geborgtes, sich auszudehnen in oft über zehnminütigen Improvisationen.

Zur Freude des Publikums

Am Schluss jedes Stücks stand immer der Applaus. Davor aber war Melancholie oder Freude, wenn aus einem Zäuerli ein Zigeunerlied sozusagen wie aus einer Wolke steigt, ein Spiel der Gefühle, wenn der Groove von nächtelangen Festen im Roma-Lager erzählt und plötzlich ein Walzer sich in die Feieratmosphäre schmuggelt und der Melancholie etwas gehörig Schwung einhaucht. Jedem der Musiker, die so schwer zu einem gemeinsamen Konzert, geschweige denn zu einer Konzertreihe zusammenzubringen sind, weil ein jeder noch etliche weitere Projekte verfolgt, war Platz für seine Soli zugedacht, und ein jeder nutzte diesen Platz und mischte mit im Stilmix, sehr zur Freude des Publikums, das auch nach zweieinhalb Stunden noch nicht genug davon zu haben schien.