Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

TROGEN: Universitäres Vorgehen üben

An der Kantonsschule sind am Wochenende die Maturarbeiten präsentiert worden. Einer der Kurzvorträge thematisiert das politische Interesse der Jungen, ein anderer verbindet zwei Musikstile.
Lukas Pfiffner
«Wollen wir das?» Maturand Raphael Wüthrich zeigt ein Bild des leeren Nationalratssaales. (Bild: PF)

«Wollen wir das?» Maturand Raphael Wüthrich zeigt ein Bild des leeren Nationalratssaales. (Bild: PF)

Lukas Pfiffner

lukas.pfiffner@appenzellerzeitung.ch

Schulfach Politik? «Ja, früh, aber nicht auf freiwilliger Basis. Da gehen nur jene hin, die sich dafür interessieren.» Raphael Wüthrich aus Wolfhalden steht im Zimmer 403 der Kantonsschule Trogen. Er hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit Ansätzen beschäftigt, wie das Interesse Jugendlicher an der Politik gesteigert werden kann. Der Maturand hat eine Klasse nach Bern begleitet, Interviews geführt, sich in Literatur vertieft.

Im Dezember mussten die Dokumentationen abgegeben werden, nun stehen die Präsentationen der Maturaarbeiten (Gymnasium) respektive der Fachmaturaarbeiten (Berufsfeld Pädagogik) auf dem Programm.

Die Bedeutung der Sprache und des Auftretens

«Wollen wir das?», fragt Raphael Wüthrich und weist auf ein Bild mit einem leeren Nationalratssaal. Er zeigt Statistiken und Vorschläge. «Auch eine Technoparty organisiert durch eine Partei könnte helfen.» Er trägt kritische Einschätzungen vor. «Manche Politiker ziehen halt durch ihre Sprache und ihr Auftreten überhaupt nicht an.» Kantonsratspräsident Florian Hunziker und Nationalrat David Zuberbühler sind interessierte Zuhörer – wie Marc Kummer, der Rektor der Kantonsschule.

«Es ist eine Annäherung an das wissenschaftliche Arbeiten im universitären Sinn», sagt Kummer über die Maturaarbeiten. Die Schülerinnen und Schüler sammeln Erfahrungen in der selbstständigen Tätigkeit nach einer bewusst gewählten Vorgehensweise. Von den Lehrpersonen, die für die Betreuung zuständig sind, wird nicht nur die abgegebene schriftliche Arbeit bewertet; auch der Entstehungsprozess und die Präsentation sind notenrelevant. Er sei beeindruckt von der Vielfalt der Themen und den Auftritten der jungen Leute, lobt Kummer, der sowohl am Freitagabend als auch am Samstagvormittag mehreren Präsentationen beiwohnt. «Sie entwickeln einen gesunden Ehrgeiz, um einen eigenen Zugang zu einem Thema zu finden.»

84 Arbeiten werden vorgestellt. Zehn Minuten müssen für die Ausführungen vor Angehörigen, Kollegen, Gästen reichen. Während weiteren zehn Minuten stellen die Betreuungsperson und ein zweiter Experte Fragen, und im letzten Teil der halbstündigen Präsentation sind die Besucherinnen und Besucher eingeladen, Gedanken zu äussern, nachzufragen. Sie nützen diese Gelegenheit. «Wie ist denn dein Projekt im Publikum angekommen?», wird die Herisauerin Edith Meier gefragt. Sie hat in ihrer Maturaarbeit Jazz und Jodel zusammengeführt. «Ich habe manche sehr positive Rückmeldungen erhalten. Es gab aber wohl auch einige Leute, die sich gesagt haben: Gut, haben wir nächstes Jahr wieder eine normale Abendunterhaltung.»

Auch musikalisch offen sein für Neues

Sie berichtet von Gemeinsamkeiten und Unterschieden, im Klang, in der Kultur, in der Herkunft. «Jodeln gilt als konservativ, hat eine bäuerliche Heimat. Jazz steht eher für Querdenken, für Rebellion, Aufbruch.» In ihrem Projekt hat sie den Jodelclub ihrer Mutter mit einigen ihrer Jazzkollegen zusammengebracht und selber mitgespielt. «Hier improvisiere ich mit dem Saxophon.» Edith Meier präsentiert Film- und Tonaufnahmen des Auftritts und spricht von der Wichtigkeit, auch musikalisch offen zu sein für Anderes, für Neues. «Es war schön, dies selber zu erfahren und mit dieser Arbeit zu vermitteln.» Dabei sei es darum gegangen, beide Kulturen nebeneinander bestehen zu lassen. Der eine oder andere Jodler habe gefunden: «Jazz ist gar nicht so schlimm.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.