Trogen
Tempo 20 soll bleiben: In Trogen werden Unterschriften gegen die Abschaffung der Begegnungszone gesammelt

Die Gemeinde Trogen strebt eine einheitliche Geschwindigkeitsbegrenzung für Verkehrsteilnehmer an. Anwohnerinnen und Anwohner des Dorfzentrums Trogen wollen mit einer Unterschriftensammlung die Aufhebung der Begegnungszone verhindern.

Charlotte Kehl
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In Trogen werden Unterschriften gesammelt, damit der Landsgemeindeplatz eine Begegnungszone bleibt.

In Trogen werden Unterschriften gesammelt, damit der Landsgemeindeplatz eine Begegnungszone bleibt.

Bild: Charlotte Kehl

«Im Dorfkern von Trogen soll ein einheitliches Temporegime eingeführt werden.» So steht es im Trogner Gemeindeblatt vom 30. April und weiter: «Mit wenigen Verkehrsschildern kann so ein einheitliches Verkehrsregime im ganzen Dorf geschaffen werden.» Die sogenannte Begegnungszone mit Tempo 20 km/h in den engen Gassen im Hinterdorf würde somit aufgehoben.

Die Kantonspolizei, der Gemeinderat und das kantonale Tiefbauamt nehmen nach sorgfältiger Prüfung an, dass für alle Verkehrsteilnehmenden, insbesondere auch für die Kinder, die Vereinheitlichung der zu beachtenden Verkehrsregeln ein Vorteil sei. Da die Strassen der jetzigen Begegnungszonen schmal und unübersichtlich sind, sei keine markante Tempoveränderung zu erwarten. Zudem sei die jetzige Situation schwer verständlich und juristisch unklar. Die 20-tägige Auflagefrist startete am 12. Mai.

Vortrittsrecht ändert

«Nicht erwähnt wird im Text die Bedeutung einer Begegnungszone mit Tempo 20 km/h», beanstandet Anwohnerin und Juristin Zulema Rickenbacher-Omlin. Sie sagt:

«In der Begegnungszone geniessen Menschen den Vortritt – in der 30er-Zone das Auto. Das ist ein wesentlicher rechtlicher Unterschied.»

Zulema und Bastian Rickenbacher wohnen mit vier schulpflichtigen Kindern am Landsgemeindeplatz und haben bereits eine Einsprache gegen die Verfügung formuliert. Es sei nicht nachvollziehbar, dass Gassen und unübersichtliche Strassen auf dem Schulweg vieler Trogner Kinder einer Tempoerhöhung bedürfen.

Nachdem 2002 zwei Kinder angefahren wurden, hätten viele Faktoren für die Einführung einer Begegnungszone gesprochen. Alle diese Faktoren seien heute noch gültig: nicht vorhandene Trottoirs; Hauseingänge, die direkt auf die Fahrbahn münden; überdurchschnittlicher Fussverkehr aufgrund von diversen Läden; Schulweg; Verbesserung der Lebensraumqualität, halten Zulema und Bastian Rickenbacher fest. Zudem war in der Ausgabe des Gemeindeblattes vom Januar 2015 zu lesen, dass sich die Gemeindeverwaltung für die Durchsetzung der gesetzlichen Vorgaben in der Begegnungszone einsetzt und aus diesem Grund die Signalisation erneuert hat.

Eine weitere Begründung der Einsprache bestehe in der fehlenden Volksdiskussion bzw. einer Vernehmlassung vor einem solchen Beschluss. Das verstosse gegen die Gemeindeordnung, nach der die Bevölkerung ein Mitwirkungsrecht besitzt, meinen Rickenbachers.

Lebenswerten Dorfkern erhalten

Viele Bewohnerinnen und Bewohner schliessen sich mit ihrer Unterschrift dem Anliegen dieser Einsprache an. Aber nicht nur Anwohner, auch andere Trognerinnen und Trogner sind an der Erhaltung einer lebendigen Kernzone interessiert. Viele Eltern schicken ihre Kinder auf diesen Strassen in die Schule. Andere stehen vor dem Gemüseladen Schlange, und Kinder spielen in Rufnähe vor dem «Schäfli». Der historische Landsgemeindeplatz nur für Autos und Parkplätze? In Trogen ist man gespannt, wie viele Unterschriften zusammen kommen. Die Frist endet am 31. Mai.