Trogen
Schlafgemeinden sollen dank Co-Working-Spaces wieder zu Arbeitsstätten und damit lebendiger werden

Der Verein trogen.work lanciert in der Mittelländer Gemeinde ein Co-Working-Space. Das Angebot wird gut aufgenommen und könnte im Appenzellerland Schule machen.

Charlotte Kehl
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Andreas Zeller arbeitet im Co-Working-Space im Pestalozzidorf.

Andreas Zeller arbeitet im Co-Working-Space im Pestalozzidorf.

Bild: Charlotte Kehl

In Trogen hat sich ein Trio darauf geeinigt, dass Homeoffice auf die Dauer keine Lösung ist. «Bei mir ist es ringhörig, ich bin viel am Telefon und trenne gerne Arbeit und Privatleben», meint Thomas. Auch Andreas mag nicht mehr vom privaten Umfeld, von der Katze oder dem Pöstler abgelenkt werden. Warum nicht zusammen einen Raum suchen, einen Co-Working-Space, oder wie Andreas Zeller, Thomas West und Tamara Hostettler ihren Verein nennen – trogen.work.

Acht Arbeitsplätze in Trogen

Das Pilotprojekt soll drei bis vier Monate dauern. Ein erster Raum wurde im Palais Bleu schnell gefunden und ein zweiter kam ab Januar im Pestalozzidorf dazu. Somit stehen mit Corona-Sicherheitsabstand acht Arbeitsplätze zur Verfügung. Sie können via Buchungstool unkompliziert reserviert werden. Um die Schwelle tief zu halten, sind die Räume vorerst nur mit Internetanschluss, Tischen, Sofa und Kaffeemaschine bestückt. Dadurch sollte auch die Tagesmiete tragbar sein. Dann erfuhren die drei, dass die Gemeinde Trogen bei der Regionalentwicklungsorganisation Regio AR St.Gallen–Bodensee mitmacht. Diese Gruppe arbeitet mit der Genossenschaft Village-Office zusammen, welche ein schweizweites Netzwerk von Co-Working-Spaces plant. Die Idee ist, dass bis zum Jahr 2030 jede Person in der Schweiz den nächsten Co-Working-Space innerhalb von 15 Minuten erreichen kann. «Damit entlasten wir die Verkehrsinfrastruktur, erhöhen die lokale Wertschöpfung und wir verbessern die Lebensqualität…», steht auf deren Website. Schlafgemeinden werden lebendiger.

Besser als Homeoffice

Die Idee ist im Kanton und in der Gemeinde Trogen gut angekommen. Also ergibt eine Zusammenarbeit Sinn, zumal die Regio-Gruppe eine Potenzialabklärung anbietet, finanziert von der NRP (Neue Regionalpolitik). «Mit unseren Erfahrungen der ersten Wochen sind wir sehr zufrieden», findet Andreas (Ändel). «Ich war erstaunt, wie viel besser ich mich fokussieren konnte», stimmt Thomas zu. Er ist Informatiker und von seiner St.Galler Firma ins Homeoffice geschickt worden. «Ich arbeite im Palais Bleu und bin meist allein im Büro oder mit ein oder zwei anderen. Es ist cool, hier, wo man lebt, arbeiten zu können. Das Gedränge im morgendlichen Zug fällt weg. Die Gespräche der andern Bürobenutzer triggern mich hier viel weniger, weil mich deren Business nicht interessiert.» Auch Andreas, Produktspezialist in der Medizintechnik, kann sich hier besser konzentrieren als im Grossraumbüro oder zu Hause, wo er am gleichen Tisch nachher Zmittag isst. Er bekommt von seiner Firma nur die Hardware zur Verfügung gestellt, während der Arbeitgeber von Thomas sogar seinen Mietanteil zahlt.

Ausprobieren – und es funktioniert!

Bei trogen.work machen zurzeit acht Personen mit und weitere sind interessiert. Ein Student hat hier seine Matheabschlussarbeit fertiggestellt, ein Handwerker möchte seinen Platz nutzen, um Kostenvoranschläge auszuarbeiten. Auch eine Grafikerin mietet sich manchmal ein. Die Räume werden zurzeit wegen Corona für ihren ursprünglichen Zweck nicht gebraucht. «Wir werden daher für kostengünstige Lösungen sicher weiter suchen und flexibel bleiben müssen, bis wir passende Räume mit der notwendigen Infrastruktur gefunden haben», sind beide überzeugt.

Clarissa Zurwerra, Projektleiterin der Regio, ist begeistert von der Tatkraft der Trogener Spurgruppe: «Ich finde es wichtig, dass man nicht Jahre mit der Planung vertut, sondern voranschreitet und ausprobiert.» Auch andere Ausserrhoder Gemeinden machen vorwärts: Herisau, Bühler/Teufen, Heiden/AüB und Oberegg. Andreas und Thomas freuen sich trotzdem auf das Ende des Shutdowns und auf ein Livetreffen mit ihren Kollegen. «Wir werden aber mit dem Co-Working-Space weitermachen und freuen uns auf weitere Interessenten.» Mehr Infos: www.trogen.work.