TROGEN: Lesben unter sich

Im Lindenbühl findet in diesem Jahr wieder eine Lesbentagung statt. Wir haben mit der Organisatorin gesprochen.
Astrid Zysset
Lesbische Frauen sehen sich Vorurteilen ausgesetzt. (Bild: PD)

Lesbische Frauen sehen sich Vorurteilen ausgesetzt. (Bild: PD)

Astrid Zysset

astrid.zysset@appenzellerzeitung.ch

Noch gebe es Vorurteile gegenüber Homosexuellen. Zuhauf sogar. «Ich habe lange gehofft, dass es eine solche Tagung, wie ich sie jedes Jahr organisiere, nicht mehr braucht», seufzt Trudi Gobbi. «Doch in einer solch perfekten Welt leben wir nicht.» Gobbi organisiert seit mittlerweile fast 20 Jahren die sogenannte Lesbentagung. Während mehrerer Tage treffen sich lesbische Frauen aus der Deutschschweiz, tauschen sich aus und besuchen Workshops, Diskussionsrunden, Lesungen. Vom 14. bis 18. Februar findet die Tagung wiederum im Lindenbühl in Trogen statt. «Es ist wichtig, dass es solche Anlässe gibt», so die 76-jährige Gobbi weiter. «Hier können die Frauen sie selbst sein, müssen sich nicht verstellen, Angst haben, dass ihre sexuelle Orientierung ans Licht kommt.» Die Frauen seien im Alltag Diffamierungen und Diskriminierungen ausgesetzt. Gobbi berichtet, dass einzelne von der Familie verstossen wurden und dass sich beispielsweise Lehrerinnen nicht getrauen würden, zu ihrer Orientierung zu stehen. An der Tagung müssen sie als Lesbe nicht länger «unsichtbar» sein, wie es Gobbi ausdrückt. «Beim ersten Essen geht es zu wie in einem Bienenstock», lacht sie. In der Zwischenzeit würden sich ohnehin viele der Teilnehmerinnen gut kennen.

Nächstes Jahr wird es wieder anders

Meistens zählt Gobbi etwa 60 Anmeldungen. Und diese würden jeweils schnell eintreffen. «2014 war die Tagung innert 48 Stunden voll belegt.» Mehr als 60 Frauen aufzunehmen, ginge aus Platzgründen nicht. Doch in diesem Jahr sind bislang nur 31 Teilnehmerinnen vorgemerkt. Woran liegt’s? «Das Programm ist vielen Frauen wohl zu körperlastig ausgefallen», vermutet Gobbi. Im letzten Jahr fanden zehn Workshops statt. Darunter Singkurse, Basteln oder auch der Besuch bei einer Kräuterfrau. Heuer stehen Hatha und Yin Yoga sowie ein Meditationseinführungskurs, Qi Gong, Pilates oder Schneeschuhwandern auf dem Programm. Am Donnerstagabend gibt es einen zweistündigen 5-Rhythmen-Kurs unter der Leitung von Iris Bentschik, am Samstagabend eine Disco mit Djane Olivia. Als Ausgleich hat die Organisatorin einen Workshop mit der Germanistin und Lesbenforscherin Madeleine Marti über lesbische Bücher aus den Jahren 1930 bis 1950 reingenommen. Sie selbst moderiert eine Diskussionsrunde zum Thema Alter. «Beides stösst auf regen Anklang», so Gobbi weiter. Aber nächstes Jahr werde sie nicht mehr ein solch körperlastiges Programm zusammenstellen. Nichtsdestotrotz freut sie sich auf die diesjährige Durchführung und auf ein «gemütliches Beisammensein».

Hinweis

Wer sich noch für die Lesben- tagung anmelden möchte, kann dies unter www.lesbentagung.ch tun oder telefonisch beim Seminarhaus Lindenbühl, Trogen, 071 344 13 31, Trudi Gobbi verlangen. Auch der Besuch nur einzelner Programmpunkte ist möglich.

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