Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

TROGEN: Individuell und doch gleich

Im Kinderdorf Pestalozzi treffen russische Schüler auf solche aus der Ukraine oder Lettland. Während in der Heimat Spannungen herrschen, versuchen die Jugendlichen gemeinsam Vorurteile abzubauen.
Alessia Pagani
Um andere und deren Probleme zu verstehen, muss man sich selbst kennen, so der Tenor der Schülerinnen und Schüler. (Bilder: Alessia Pagani)

Um andere und deren Probleme zu verstehen, muss man sich selbst kennen, so der Tenor der Schülerinnen und Schüler. (Bilder: Alessia Pagani)

Alessia Pagani

alessia.pagani@appenzellerzeitung.ch

Im Kinderdorf Pestalozzi herrscht dieser Tage reges Treiben. Überall hört man Wortfetzen in Englisch, es wird gelacht und Jugendliche geniessen die gemeinsame unbeschwerte Zeit. Eine davon ist Emily aus Italien. «You have to know yourself to make up your mind and to discuss with others.» Frei übersetzt meint die 16-Jährige damit: «Du musst dich selber kennen, um die Gedanken zu öffnen und um mit Menschen diskutieren zu können.» Emily ist Teilnehmerin des European Youth Forum Trogen. 144 Jugendliche aus acht verschiedenen Ländern nehmen am Gemeinschaftsprojekt des Kinderdorfs Pestalozzi und der Kantonsschule Trogen teil. Es sind je 18 Jugendliche aus Deutschland, Russland, Italien, Ungarn, Lettland, der Türkei, der Ukraine, und der Kantonsschule Trogen dabei. Es geht darum, im gemeinsamen Austausch Offenheit und Toleranz untereinander zu fördern, Vorurteile abzubauen und sich über die Zukunft Europas Gedanken zu machen. Die Workshops Gender, Diskriminierung, Demokratie, individuelle und soziale Identität/Kultur, Minderheiten, interkulturelle Kommunikation bilden die Grundlage für die Diskussionen und fordern die Schüler auf, sich über die Themen vertieft Gedanken zu machen. Eine Gruppe begleitet die verschiedenen Workshops und macht daraus News-Beiträge in Form von Radiosendungen und Zeitungsartikeln. Gestern wurden die Themen durch Aktionen wie Konzerte in der Kanti-Mensa und Kurzfilme der Öffentlichkeit vorgestellt.

«Wir können nicht von einer Politik für ganz Europa sprechen, es gibt viele Unterschiede zwischen den Ländern. Aber wir können versuchen, eine stärkere kulturelle Einheit zu bilden. Wir müssen uns besser kennenlernen», so Emily. Der Besuch in Trogen sei hierfür eine gute Gelegenheit. Ihre Kollegin, Liene aus Lettland, spricht die Spannungen mit russischen Mitbürgern in ihrer Heimat an. Sie hätte ein wenig Kummer gehabt, wie es wohl mit ihnen sein wird. «Hier haben wir uns von der ersten Minute an verstanden. Es fühlt sich an, als gäbe es in Europa keine Grenzen. Das ist ein gutes Gefühl», so die 16-Jährige. Zu Hause seien die Beziehungen eher kühl. «Wir haben Probleme miteinander, diese sind aber nicht von den einzelnen gemacht, sondern von der Regierung. Wir hier haben das nun alle verstanden.» Es sei wichtig, zu sehen, wie Gleichaltrige in anderen Ländern denken und fühlen. Viele hätten Vorurteile gegenüber ihrer Nationalität. «Es ist schön, dass wir zeigen können, wie wir wirklich sind.»

«Es geht um unsere Zukunft»

Mark aus Ungarn beispielsweise hat gelernt, dass es in Russland viel Diskriminierung gibt und in der Türkei die Angst vor Terror gross ist. «Ihr in der Schweiz habt nicht so viele Probleme. Es ist wichtig, über die Probleme in den anderen Ländern zu sprechen. Es geht hier um unsere Zukunft. Alle wollen aus Europa einen besseren Ort machen. Ich denke, dass unsere Generation das schaffen kann.» Man merkt, dass der Zusammenhalt unter den Jugendlichen im Kinderdorf Pestalozzi gelebt wird. Ob und inwieweit sie das Erlernte beziehungsweise die gemachten Erfahrungen und Erkenntnisse in ihrer Heimat in die Gesellschaft einbringen können, bleibt offen. Klar ist einzig, dass dies gewissen Jugendlichen besser gelingen wird als anderen. Die Grundvoraussetzungen aber sind gemacht: «Mit diesem Projekt haben die Jugendlichen die Chance, ihre Meinungen zu reflektieren und zu revidieren», sagt die Lehrerin der deutschen Delegation Andrea Schmitt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.