TROGEN: Ihre Exzellenz ist zu Besuch

Gestern sprach Jane Owen, die neue Botschafterin Grossbritanniens, am Sondertag der Kantonsschule mit den Schülern über den Brexit. Diese begrüssten sie mit der korrekten Höflichkeitsform «Ihre Exzellenz».
Simon Roth
Jane Owen, Botschafterin Grossbritanniens in der Schweiz, im Gespräch mit den Moderatoren Philipp Kessler und Raphael Wüthrich, begleitet von Michael Spichtig, ihrem Mediensprecher. (Bild: Simon Roth)

Jane Owen, Botschafterin Grossbritanniens in der Schweiz, im Gespräch mit den Moderatoren Philipp Kessler und Raphael Wüthrich, begleitet von Michael Spichtig, ihrem Mediensprecher. (Bild: Simon Roth)

Simon Roth

simon.roth@appenzellerzeitung.ch

Der Brexit stand gestern an der Kantonsschule Trogen im Mittelpunkt. Seit neun Jahren veranstaltet die Fachschaft Geschichte einen Sondertag unter dem Motto «Die Schweiz und die Welt». Das Thema dieses Jahr: Grossbritannien. Wer, wenn nicht Jane Owen, die neue Botschafterin dieses Landes in der Schweiz, eignete sich besser als Gast, dachte sich Erich Fässler, Prorektor der Kantonsschule.

Es gehe darum, aktuelle Sachverhalte aufs Tapet zu bringen. «Mit dem Brexit greifen wir ein brisantes Thema auf, das Briten, Europäer und Schweizer gleichermassen betrifft», sagt Fässler. Auch Rektor Marc Kummer ist erfreut über den Besuch. Die Kantonsschule Trogen pflege einen regen Austausch mit anderen Schulen und Institutionen. Dies biete den Schülern viele Möglichkeiten, sich zu vernetzen.

Personenverkehr beschäftigt Schüler

Während die Schülerinnen und Schüler zunächst interessiert den Ausführungen der Botschafterin zuhören, bringen sie sich später bei der Fragestunde aktiv ein. Besonders Fragen um Durchlässigkeit der Grenzen und zum freien Personenverkehr beschäftigen die Schülerschaft. Auch wollen die Jugendlichen wissen, wie es künftig um Austauschprogramme zwischen den europäischen Universitäten stehen werde. Es sind Fragen, die viele im Saal betreffen, wollen die Schülerinnen und Schüler doch nach Abschluss der Matura an einer Universität studieren und allenfalls Erfahrungen im Ausland sammeln.

Seit diesem Januar ist Jane Owen als britische Botschafterin in der Schweiz tätig. Der Besuch an der Kantonsschule Trogen ist einer ihrer ersten Schulbesuche im Amt. Zuvor arbeitete sie unter anderem als Botschafterin in Norwegen. Und dennoch ist es nicht ihre erste Tätigkeit in der Schweiz. Während des Studiums arbeitete sie als Assistenzlehrerin an einem Zürcher Gymnasium.

Grossbritanniens Parallelen zur Schweiz

Schon am Vormittag hatten die Schüler sich mit dem Thema Brexit auseinandergesetzt. So konnten sie den Ausführungen der 54-jährigen Botschafterin besser folgen. Ausführlich referiert diese über die Gründe, die zum Abstimmungsresultat geführt haben. Unter anderem habe die Rolle des Europäischen Gerichtshofs die Entscheidungsfindung beeinflusst. Eine ähnliche Diskussion geschehe aktuell in der Schweiz mit der Selbstbestimmungsinitiative. Viele Bürger wollten die Kontrolle über die eigenen Belange nicht abgeben, so viel wie möglich selbst bestimmen können und eine gewisse Flexibilität behalten. Jane Owen betont mehrmals, dass man in Grossbritannien die Verhandlungen der Schweiz mit der Europäischen Union bezüglich eines Rahmenabkommens genau beobachte. Deren Ausgang könnte den Kurs Grossbritanniens beeinflussen. «Ist die Schweiz also ein Vorbild?», wollen die Moderatoren Raphael Wüthrich und Philipp Kessler wissen. In gewisser Weise schon, antwortet Owen.

Die letzte Frage der Moderatoren zielt auf die Präferenzen der Botschafterin in Sachen Tee ab und eröffnet – zur Freude des Publikums –, dass sie in dieser Hinsicht eine «schlechte Britin» sei, weil sie keinen Tee möge. Zum Glück erhält sie als Gastgeschenk dann auch einen Appenzeller Biber und keinen Tee.

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