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TROGEN: Die unermüdlich Suchende

Eine Lesereise widmet sich Helen Meiers Texten. Als Höhepunkt des Abends ergreift die preisgekrönte Schriftstellerin selbst das Wort. Mit einer unvorstellbaren Wucht.
Simon Roth
Schriftstellerin Helen Meier im Gespräch mit ihrem Biografen Charles Linsmeyer. (Bild: Simon Roth)

Schriftstellerin Helen Meier im Gespräch mit ihrem Biografen Charles Linsmeyer. (Bild: Simon Roth)

Simon Roth

simon.roth@appenzellerzeitung.ch

Helen Meier musste in ihrem Leben so einige Schicksalsschläge ertragen. Und doch strahlt sie tiefste Zufriedenheit aus. Die 89-jährige Schriftstellerin scheint mit sich und dem Leben im Reinen zu sein, hegt keinen Groll. Im Gegenteil. Sie ist dankbar für alles. Dankbar, dass so viele Gäste in die Kantonsbibliothek Trogen zur Lesereise des Buchs «Übung im Torkeln entlang des Falls» gekommen sind.

Bis zuhinterst ist der Saal im Gemeindehaus gefüllt. Rund 50 Personen sind dem Ruf der Kronengesellschaft gefolgt, angetrieben vom Interesse an der Trägerin des Ausserrhoder Kulturpreises. Hochkarätig sind auch die weiteren Gäste an diesem Abend: Literaturwissenschafter Charles Linsmeyer ist Herausgeber des erwähnten Buchs und Verfasser einer Biografie über die Schriftstellerin; Schauspielerin Heidi Maria Glössner liest Passagen aus Meiers Werken.

Die Liebe und der Tod sind die beiden grossen Themen, die Helen Meier umtreiben. Dabei zeigt sich eine sehr vielschichtige Betrachtungsweise auf die beiden Themenkomplexe. «Alle ihre Figuren tragen die Sehnsucht nach dem Absoluten in sich», sagt Linsmeyer. Liebe zwischen Utopie und Realität. «Wer einmal umstürzende Liebe erlebt hat, darf sich für immer glücklich schätzen», sagt Helen Meier. «Auch wenn sie einen danach ins Unglück stürzt.»

Der Tod ist eine weitere Konstante in Helen Meiers Werk. Viele ihrer Figuren setzen sich mit ihm auseinander. «Auf bildstarke Art und Weise zeigt die Autorin die existenzielle Gefährdetheit ihrer Figuren», sagt Linsmeyer. Todesangst und Todessehnsucht flössen ineinander. Oft trete der Tod als Erlösung von den Qualen der Liebe in Erscheinung.

Lange hört Helen Meier den Ausführungen Linsmeyers zu und horcht, wie Heidi Maria Glössner ihre Texte liest. Hier und da schmunzelt die Schriftstellerin. Dann aber hat sie ihren Auftritt. Liest selber. Und wie! Ein Text, der eigentlich eine Aufzählung ist. «Tulpe. Birke. Schwertlilien.» Schon bei den ersten Worten hellen sich ihre Gesichtszüge auf. Die Sprache ist Helen Meiers Zuhause. Hier fühlt sie sich wohl. «Sonne. Erde. Farbe. Blut.», fährt sie genüsslich fort. Nach jedem Wort legt sie eine kurze Pause ein, wie wenn sie sich die Natur und ihre Gerüche innerlich vorstellen würde. Es folgt ein Gespräch zwischen Linsmeyer und Meier. Auf seine Fragen antwortet sie bedächtig. Nicht aus Verlegenheit – vielmehr ist sie darauf bedacht, sich möglich präzise auszudrücken. Gut, dass Linsmeyer geduldig wartet und die Pausen ausharrt. Unablässig richten sich die Blicke im Saal auf die fast 90-Jährige. «Sie schauen mich so gläubig an», sagt sie. Kein Wunder, macht doch ihre Lebenslust Eindruck auf die Anwesenden. «Hören Sie nie auf, nach ihr zu suchen», gibt sie ihnen als Tipp auf den Weg.

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