Farbiges Tuch auf grauem Asphalt: Bignik «flutet» das Dorfzentrum von Trogen

Im Dorfkern von Trogen wurde am Sonntag das jährlich wachsende Gemeinschaftswerk der Ostschweizer Bevölkerung ausgelegt. Hinter dem Konzept stehen die Aktionskünstler Frank und Patrik Riklin.

Charlotte Kehl
Drucken
Teilen
Vom Landsgemeindeplatz ausgehend wurden die Quartierstrassen von Trogen mit Tuchmodulen «geflutet». (Bild: Urs Bucher)

Vom Landsgemeindeplatz ausgehend wurden die Quartierstrassen von Trogen mit Tuchmodulen «geflutet». (Bild: Urs Bucher)

Was ist es nun? Ein Kunstwerk in Rotweiss? Ein Marketingprojekt? Ein Mitmach- und Begegnungsevent? Oder einfach ein grosses gemeinsames Picknick? «Ein Kunstereignis!», präzisieren Frank und Patrik Riklin.

«Das hier ist ein körperliches Erlebnis, eine physisch visuelle Gemeinschaftsproduktion. Seien es nun die Tuchlegerinnen und Tuchleger, zufällige Besucher oder Bignikanhänger, viele spüren die besondere Atmosphäre.»

Tatsächlich herrscht in Trogen eine gelassene Lebendigkeit, eine fröhliche Ruhe. «Wir wollen es fliessen lassen», ergänzt Riklin. Die Tücher schwappen um Häuser, Brunnen und parkierte Autos wie ausgeleerte Farbe. «Es ist wie das Ausmalen von Leerstellen», schmunzelt Riklin und zeigt auf den akkuraten Auslege-Plan.

(Bild: Urs Bucher)
14 Bilder
(Bild: Urs Bucher)
(Bild: Urs Bucher)
(Bild: Urs Bucher)
(Bild: Urs Bucher)
(Bild: Urs Bucher)
(Bild: Urs Bucher)
(Bild: Urs Bucher)
(Bild: Urs Bucher)
(Bild: Urs Bucher)
(Bild: BIGNIK/Helikopter-Service Triet)
(Bild: BIGNIK/Helikopter-Service Triet)
(Bild: BIGNIK/Helikopter-Service Triet)
(Bild: BIGNIK/Helikopter-Service Triet)

(Bild: Urs Bucher)

Luftbilder gehen um die Welt

Bignik in einer Ortschaft auszuleeren brachte andere Herausforderungen. So konnten aus Platzgründen nur knapp ein Viertel aller vorhandenen Module ausgelegt werden und die Zufahrt zum Restaurant Hirschen musste gewährleistet sein. Wenn die Menschen ihre Schuhe ausziehen sollen, müssen Autos das erst recht – ausser sie haben Finken, die eigens für diesen Zweck erfunden und hergestellt wurden!

«Keine Ahnung, wie viele Besucherinnen und Besucher sich bis jetzt auf dem Bigniktuch niedergelassen haben», antwortet Frank Riklin auf die entsprechende Frage. «Wir zählen nicht! Wahrscheinlich sind es einige Hundert bis zum Ende des Tages.» Um Zahlen geht es den beiden Brüdern nicht. Bignik muss nicht erfolgreich sein. Das Projekt ist 2012 als Auftrag der REGIO Appenzell AR, St.Gallen, Bodensee entstanden und wird seither wenn möglich jedes Jahr im Juni «ausgelegt». «Wir finanzieren das Projekt und sind nach wie vor begeistert», meint Projektleiterin Jasmin Kaufmann. Die Bilder, die auch heute wieder aus der Luft gemacht werden, gehen um die Welt.

Zufrieden ist auch Dorothea Altherr. Die Trogner Gemeindepräsidentin zeigt sich überzeugt, dass diese Kunstaktion dem Kulturdorf Trogen wohl bekommt.

«Am Samstag haben wir den Bahnhof Trogen kurzerhand umgetauft. Er heisst jetzt für zwei Tage Bignik.»

Eigenhändig hat Altherr am Sonntag beim Auslegen der Tücher mitgeholfen, mit den Polizisten verkehrstechnische Details geklärt und sitzt nun mit der Familie rund ums mitgebrachte Mittagessen – eben ein Picknick. «Einzig die Kantonsstrassen mussten für den Verkehr frei bleiben – sonst hatten die Künstler freie Hand», erklärt sie, nimmt die Hand ihrer Enkelin und lässt sich von ihr barfuss über die rotweisse Fläche ziehen.

Zu geniessen schienen es am ersten warmen Sommertag in dieser Höhe alle. Familie Chroni musste nicht weit. Sie und ihre Freunde haben einfach ihr Mittagessen auf die Gasse vors Haus verlegt. Familie König aus Speicher hat die Gelegenheit wahrgenommen und den Picknickkorb zu Fuss nach Trogen getragen und sich ein Plätzchen im Schatten gesucht:

«Toll, Trogen einmal anders zu erleben.»

Damian Zimmermann, Mitarbeiter im Pestalozzi-Kinderdorf ist nur ein klein wenig enttäuscht, dass die Aktion nicht wie geplant auf den Wiesen rund ums Dörfli stattfinden konnte. Es war zu nass. «Schon für letztes Jahr haben wir mit den Brüdern zusammen geplant und uns gefreut.» Jetzt kommt er halt mit seiner Familie und einem vollen Rucksack fürs Bignik ins Dorf.

Das Tuch als Übungsfeld für Kleinkinder

Anna Dietschi ist mit ihrer kleinen Tochter Philippa aus St.Gallen angereist. Sie hat in der Zeitung von Bignik gelesen. «Uns gefällt die Möglichkeit sich im öffentlichen Raum zu treffen, barfuss, ein Picknick als Kunstform – cool. Es passt auch für die Kleine, die grad das Kriechen übt», sagt Dietschi.