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TROGEN: Beni ist für einmal sprachlos

Diese Woche führt das Kinderdorf Pestalozzi zum zweiten Mal das Europäische Jugendforum durch. Gestern hat Beni Thurnheer über Pressefreiheit gesprochen und war überrascht, dass ihn kaum jemand kannte.
Simon Roth
Beni Thurnheer inmitten der Teilnehmenden des Europäischen Jugendforums Trogen. (Bild: Simon Roth)

Beni Thurnheer inmitten der Teilnehmenden des Europäischen Jugendforums Trogen. (Bild: Simon Roth)

Simon Roth

simon.roth@appenzellerzeitung.ch

Beni Thurnheer findet den Weg zum Kinderdorf Pestalozzi ohne Probleme, ist er doch in seiner Tätigkeit als Stiftungsrat des Kinderhilfswerks immer wieder in Trogen. Auch vier Jahre nach der Pensionierung brennt im ehemaligen Sportmoderator das Feuer für sein Metier. Gestern hat der 68-Jährige mit 21 Jugendlichen aus neun Nationen über Pressefreiheit und Freiheit von Informationen gesprochen.

In einem Klassenzimmer sitzen die Teilnehmenden des «Europäischen Jugendforums Trogen» im Kreis. In dieser Woche dreht sich alles um Ökologie, Demokratie, Identität, Meinungsfreiheit und Migration. Auf den Besuch von Beni Thurnheer haben sie sich gut vorbereitet: Welche Bedeutung haben die Medien für eine Gesellschaft? Nach welchen Kriterien entscheiden sie, worüber sie berichten? Wie frei ist die Presse in den verschiedenen Herkunftsländern? Dies nur einige der Fragen, mit denen sie sich beschäftigt haben.

Kaum jemand kennt «Beni national»

Als Sportmoderator ist Beni Thurnheer viel herumgekommen. Er hat schon jedes Land besucht, aus denen die Teilnehmenden des Jugendforums stammen. Auch einige Jugendliche aus der Schweiz sind dabei. Gleich zu Beginn stellt sich heraus, dass kaum jemand weiss, wer Beni Thurnheer ist. Der Ex-Moderator nimmt’s gelassen: «Ich bin weltbekannt – aber nur in der Deutschschweiz.»

Die Jugendlichen haben Fragen zu vier journalistischen Themenbereichen vorbereitet: Objektivität, Vertrauen, Pressefreiheit und Werte. Zu guter Letzt sollten sie Fragen zu seiner Person stellen und den «Schnurri der Nation» für kurze Zeit sprachlos machen. Gleich die erste Frage zeigt den Balanceakt auf, den Beni Thurnheer sein Leben lang gemeistert hat. «Haben Sie sich jemals von einer Person beeinflussen lassen?», fragt jemand. Gerade als Sportjournalist sei man dem Druck der Fans und Zuschauer ausgesetzt. «Wenn die Schweiz an der WM spielt, verwechseln viele Fernsehzuschauer die Rolle des Moderators mit jener einer Pressestelle. Am Mikrofon bin ich kein Fan, sondern Journalist», stellt er klar.

40 Jahre lang hat Beni Thurnheer beim Fernsehen gearbeitet. Seine Karriere hat er als Sportreporter am Radio gestartet, moderierte dann Sportsendungen am Fernsehen, bald kamen eine Quizsendung und «Benissimo» dazu. Eine Frage zielt darauf ab, wie man Vertrauen zu seinem Publikum aufbaut. «Man muss die Dinge beim Namen nennen», antwortet Thurnheer. Und: «Vertrauen entsteht nur durch Handeln.» Wer A sagt und B macht, erscheine unglaubwürdig.

Als die Pressefreiheit in verschiedenen Ländern zur Sprache kommt, erinnert sich Beni Thurnheer an seine Reisen zurück. Acht Mal hat er den Final der Fussball-WM kommentiert. Zigmal war er an den Olympischen Spielen. Als Aussenstehender erhalte man aber nur «einen Blick ins Schaufenster». Die Länder wollen sich im besten Licht darstellen, «wie bei einem Sonntagsbesuch bei Verwandten».

Objektivität als höchstes Gut

Und was ist das höchste Gut eines Medienschaffenden? «Objektivität», antwortet Beni Thurnheer schnell. Als Journalist müsse man immer ausgewogen und nicht sensationslüstern berichten. «Für jede Nachricht braucht es zwei Quellen.» Sonst mache man sich zum Spielball anderer.

Ob er wieder dieselbe Karriere wählen würde, lautet eine Frage der Jugendlichen. «Ja», antwortet Thurnheer. «Aber vor 40 Jahren war der Wunsch noch grösser.» Zum Schluss wollten die Teilnehmenden wissen, was der herausforderndste Moment in Beni Thurnheers Laufbahn war. «Die Spuck-Affäre um Alex Frei an der EM 2004», sagt er nach kurzem Zögern. Damals mussten er und sein Team entscheiden, ob sie Bilder des Schweizer Nati-Captains veröffentlichen, die einen Tatbeweis enthalten. «Das war keine leichte Entscheidung», sagt Thurnheer und fragt in die Runde, wer auch so gehandelt hätte. Die Jugendlichen nicken zustimmend. Auch ihnen scheint die Objektivität am Herzen zu liegen.

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