TREND: Pioniergeist wird belohnt

Mehr als 20 Jahre ist es her, seit Margrit und Robert Egli aus Rehetobel auf Biolandbau umstellten. Was am Anfang von Berufskollegen noch belächelt wurde, ist heute ein gutes Geschäft.

Karin Erni
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Robert und Margrit Egli bewirtschaften einen Biohof in unmittelbarer Nähe des Dorfes Rehetobel. (Bild: Karin Erni)

Robert und Margrit Egli bewirtschaften einen Biohof in unmittelbarer Nähe des Dorfes Rehetobel. (Bild: Karin Erni)

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

Zum Kaffee stellt Margrit Egli eine Flasche Biokaffeerahm der Molkerei Biedermann auf den Tisch. Im Bischofszeller Betrieb wird die Milch von Eglis Kühen zu Pastmilch, Joghurt, Quark und Butter weiterverarbeitet.

Als das frischverheiratete Paar seinerzeit den Hof übernahm, war der Grossverteiler Coop ins Biogeschäft eingestiegen. Es habe eine grosse Nachfrage nach Biomilch gegeben, erinnert sich Robert Egli. «Wir bauten damals gerade einen neuen Laufstall und fanden, der Biolandbau passe zu uns», ergänzt seine Frau Margrit. Gross umstellen mussten sie den Hof nicht. «Das Appenzellerland ist ideales Gebiet, um biologisch zu wirtschaften», sagt Robert Egli. Im Pflanzenbau und in der Viehwirtschaft komme man gut ohne chemische Hilfsmittel zurecht, und auch im Mostobstbau gehe es problemlos ohne Pestizide. «Wir haben zwar beim Obst nicht jedes Jahr einen gleich grossen Ertrag, aber damit können wir leben.» Auch Blacken und andere Unkräuter hätten sie schon immer von Hand ausgestochen. Mittlerweile haben weitere Bauern den Schritt zum Biolandbau gemacht. Rund 130 von ihnen sind im Bioring Appenzellerland organisiert. Heute beträgt der Anteil der Biofläche an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche im Appenzellerland 20 Prozent, gesamtschweizerisch sind es lediglich 13 Prozent.

«Zuerst wurden wir von Berufskollegen teils belächelt, später auch manchmal beneidet», sagt Robert Egli. «Wir erzielen heute ein besseres Einkommen, als wenn wir konventionell wirtschaften würden. Die Preise für Biomilch sind weniger stark gesunken als die für konventionelle. Zudem unterstützt der Bund immer mehr ökologische Leistungen mit Direktzahlungen.» Der Hof von Eglis verfügt über viele Ökoflächen: 16 Prozent sind es, anstelle der vorgeschriebenen 7 Prozent. Das zahlt sich jetzt aus. Die Familie Egli bewirtschaftet gut 26 Hektar Wiesland. Dieses liefert den grössten Teil des Futters für die 25 Milchkühe und circa 15 Jungtiere. Damit die Kühe regelmässig Milch geben, bringen sie jedes Jahr ein Kalb zur Welt. Besamt werden die Kühe mit Limousin – einer Fleischrindrasse. Circa sechs Kälber pro Jahr werden für die Grossviehmast nachgezogen und nach rund zwei Jahren als Bioweidebeef verkauft.

Ein weiteres Standbein des Hofes ist die Stromproduktion. Auch hier hat sich der Mut zur Innovation ausgezahlt. «Als wir 2009 die Photovoltaikanlage planten, gab es noch keine Warteliste, und wir konnten von Anfang an von der KEV, der kostendeckenden Einspeisevergütung, profitieren», erinnern sich die beiden.

Der Biolandbau hat fast nur Vorteile

Nachteile der Umstellung sieht Egli ausser dem Futterpreis nicht viele. «Wir dürfen ausschliesslich biologisches Kraftfutter zufüttern. Das kostet rund doppelt so viel wie konventionelles.» Er versucht daher, möglichst viel selbstproduziertes Futter zu verfüttern, um so die gewünschte Milchleistung zu erreichen. Doch um die Nährstoffversorgung auszugleichen, sei das Zufüttern von Kraftfutter bei Kühen mit höheren Milchleistungen angebracht, so Egli. Im biologischen Landbau ist der vorbeugende Einsatz von Antibiotika verboten. Die Gesundheit der Tiere wird durch tiergerechte Haltung gefördert. Im Laufstall hat das Vieh auch im Winter genügend Bewegungsfreiheit und kann nach Lust und Laune an die frische Luft. Wenn einmal trotzdem ein Tier krank wird, versucht man, es zuerst mit natürlichen Mitteln wie Homöopathie gesund zu bringen. Margrit Egli hat dazu Kurse besucht. «Mit der ne­benwirkungsfreien homöopathischen Behandlung kann man auch schon präventiv eingreifen, wenn man das Gefühl hat, einer Kuh gehe es nicht so gut», so Margrit Egli. Antibiotika würden nur im Notfall eingesetzt. «Wir bekommen auch seitens des Verbandes immer strengere Auflagen. Sie sollen dazu beitragen, allfällige Antibiotikaresistenzen zu verhindern.»

Wer biologisch wirtschaftet, übernimmt Verantwortung für Menschen und Umwelt. Der Biolandbau habe daher eine Zukunft, sind Eglis überzeugt. Auch zwei ihrer vier Kinder können sich vorstellen, den Betrieb dereinst zu übernehmen.

Hinweis

Dieser Artikel ist Teil einer monatlichen erscheinenden Serie. Mit ihr zeigt der Bauernverband AR Besonderheiten der Appenzeller Landwirtschaft auf. Infos:

www.appenzellerbauern.ch

Infos zum Bioring Appenzellerland: www.biolandbau.ch