Treffen mit Berufskollegen aus aller Welt

Toggenburger Kaminfeger

Boris Hunziker
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Die Toggenburger Kaminfeger beim internationalen Treffen im Valle Vigezzo in Italien. (Bild: PD)

Die Toggenburger Kaminfeger beim internationalen Treffen im Valle Vigezzo in Italien. (Bild: PD)

Im September trafen sich die Kaminfeger aus aller Welt zum 36. Mal in Santa Maria Maggiore im Valle Vigezzo oberhalb des Cento Valli zum internationalen Kaminfegertreffen. Mit dabei war die Firma Kaminfeger-Toggenburg mit der gesamten Belegschaft. Am Freitag reisten die Toggenburger Kaminfeger an.

Am Samstagmorgen war früh Tagwache angesagt. Alle Kaminfeger versammelten sich in der jeweiligen Landestracht und besuchten im Nachbardorf Malesco das Kaminfegerdenkmal. Von Ansprachen der politischen Vertreter und vielen Zuschauern begleitet, pflegten die «schwarzen Brüder» die Gemeinschaft untereinander.

Am Nachmittag ging es nach Druogno. Dort begrüsste uns das ganze Dorf. Während eines Umzugs entging es den Kaminfegern nicht, dass sich das ganze Dorf auf ihren Besuch vorbereitet hatte. Gartenzäune, Balkone und vieles mehr war mit Schriftzügen und Glücksbringerfiguren verziert. An der Strasse standen viele Dorfbewohner und Leute aus der Umgebung, die auf die Rufe der «Spazzacamini» warteten und ihnen zujubelten. In seiner Rede begrüsste der Bürgermeister von Druogno die Kaminfeger und dankte ihnen, dass sie alle sein Dorf besuchen. Jahr für Jahr versammeln sich Kaminfeger aus der ganzen Welt im Valle Vigezzo, um der traurigen Zeit der Verdingkinder zu gedenken und ihnen Respekt zu zollen. Der Besuch in Druogno endete mit einer heiligen Messe. Am Abend, zurück in Santa Maria Maggiore, feierten die Glücksbringer zusammen mit der Bevölkerung bis tief in die Nacht hinein. Am Sonntag kamen über 20000 Menschen angereist, um gegen 1000 Kaminfeger aus 29 Nationen zuzuwinken und auf die Rufe der Spazzacamini mit Jubel zu antworten. Der Umzug der Kaminfeger wurde von Trachtengruppen, Musikgruppen, Paraden und vielem mehr begleitet. Gerne drückten die Glücksbringer den Zuschauern die Hände, machten ihnen die Wangen schwarz, beschenkten die Kinder mit Süssigkeiten, liessen mit sich Selfies und Gruppenfotos machen und freuten sich mit der grossen Zuschauerschar. Dieses freudige Treiben und Feiern ging auch nach dem über zweistündigen Umzug weiter und dauerte bis in den späten Nachmittag hinein.

Während die einen Kaminfeger zurück in ihre Länder reisten, machten sich die restlichen Glücksbringer am Montag noch einmal auf und zogen in einem letzten Umzug durch Domodossola. Im Anschluss daran reisten dann auch die restlichen Zunftleute zurück nach Hause. Die Feger aus dem Toggenburg sind wieder gesund zurückgekehrt und freuen sich, dass sie sich in unserem Tal um Glück und gut funktionierende Feuerungsanlagen kümmern dürfen. In Zukunft werden sie bestimmt wieder ins Valle Vigezzo reisen, um die Zeiten in Erinnerung zu halten, in welchen Werkzeuge, Arbeits- und Gesundheitsschutz noch nicht so selbstverständlich waren, wie wir sie heute in unseren Breitengraden kennen dürfen.

Boris Hunziker