Trainer mit Leib und Seele: Wie Jürg Leibundgut die Waldstätter Hockeykultur prägte

Waldstatt bringt erstaunlich viele Unihockeytalente hervor. Und das notabene ohne einen eigenen Unihockeyklub. Die Ergründung dieses Phänomens führt zu Jürg Leibundgut, der unter anderem mit seinem vor über 30 Jahren initiierten Plauschangebot für Schüler ein Feuer entfachte, das lange brennen sollte.

Lukas Pfiffner
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Jürg Leibundgut vor einer Auswahl an Medaillen und Pokalen, die er mit den Waldstätter Schülerteams gewonnen hat.

Jürg Leibundgut vor einer Auswahl an Medaillen und Pokalen, die er mit den Waldstätter Schülerteams gewonnen hat.

Bild: Lukas Pfiffner

Mit dem Sport wird konfrontiert, wer vor Jürg Leibundguts Haus in Waldstatt parkiert. Ein Schild «Vancouver Canucks Fans only» ist aufgehängt. Beim Eintritt in den «Rückzugsraum» beeindruckt das ungewöhnliche Ambiente: Viele Whiskyflaschen und Pokale, Medaillen, Trikots sind auf- respektive ausgestellt. Schottland als Reiseland, seine Landschaft und eben die Whiskys sind die eine Passion des 56-jährigen Oberstufenlehrers, der Unihockey- und Eishockeysport die andere.

Statistisch erfasst ist die Herkunft von Schweizer Unihockeyspielern der Spitzenklasse nicht. Waldstatt weist aber – ohne Unihockeyklub notabene – eine speziell hohe Dichte auf. Gegen 20 Namen, die in den beiden obersten Ligen und in Auswahlmannschaften aktiv sind oder waren, sind rasch beisammen – auch Geschwister wie Cédrine und Fabrice Göldi; Lara, Chris und Jeanot Eschbach; Michael und Stefan Schiess; Marianne und Corinne Knellwolf. Die Ergründung dieses Phänomens führt zu Leibundgut und seiner konstanten Basisarbeit.

Angebot für Schülerinnen und Schüler

Sein Bezug zum Unihockey ist erst mit dem Beginn der Unterrichtstätigkeit in Waldstatt entstanden. Leibundgut wuchs in Teufen auf. Dort habe es Fussball und Leichtathletik gegeben; er entschied sich für Fussball. Eine Unihockeylizenz hat er nie gehabt. Seine Einsätze beschränkten sich auf jene mit der Plauschgruppe im Sportclub Waldstatt. Als der Unihockeyboom ausbrach, sei er schon zu alt gewesen, um eine Aktivkarriere zu beginnen.

Im Sportklub ist er für den Unihockey-Dorfcup zuständig. Der wird im nächsten Jahr zum 28. Mal durchgeführt. Der Sportklub habe nie eine Nachwuchsabteilung gehabt, obwohl das Interesse bestand. Deshalb initiierte er vor 31 Jahren ein Angebot für Schülerinnen und Schüler.

Anfangs hielten sich am Mittwochnachmittag fünf Kinder in der Turnhalle auf, dann auf einmal 25.

Man zog von Plauschturnier zu Plauschturnier. 1998 gewannen die Waldstätter Oberstufenknaben bei der ersten Teilnahme an den Schulsporttagen den Unihockey-Meister-Titel. Zum Team gehörte Armin Brunner, der später an Weltmeisterschaften und in Schweden spielte. Unterdessen unterrichtet Brunner wie Leibundgut in Schwellbrunn und ist NLA-Trainer von Wasa.

Der Name wechselt, der Erfolg bleibt

Jener Moment war eine Initialzündung. Man habe nicht mehr ein «Jekami» gehabt, sondern gezielt mit den Mannschaftskadern gearbeitet. 2005 fanden die ersten Rivella-Games statt (offizielle Schülermeisterschaften). 2016 wechselte der Name zu Swiss Unihockey Games, der Erfolg der Waldstätter Knaben und Mädchen blieb. In verschiedenen Alterskategorien gab es immer wieder Spitzenplätze.

Viele Waldstätter traten dem UHC Herisau bei – und einige der talentiertesten wechselten früher oder später zu Wasa. Leibundguts ältester Spieler aus der Anfangszeit des Schüler-Unihockeys ist nun 46 Jahre alt. «Sein Sohn geht zu mir in die Schule», erzählt Leibundgut. Nächstes Jahr werde er mit dem Schülerhockey aufhören, fügt er an.

In Herisau trainiert Leibundgut aktuell die B-Juniorinnen, zu denen eine seiner Töchter zählt. Bei Wasa hatte er schon verschiedene Funktionen. 2008, beim Aufstieg in die NLA, war Leibundgut Assistenztrainer. «Wir hatten 13 Ausserrhoder Spieler, vor allem aus Waldstatt und Herisau, einzelne aus Stein.» In der laufenden Saison kommentiert er den Livestream der Männer-Heimspiele. Was fasziniert ihn an diesem Sport? Er sagt:

«Man kann hohe Rückstände kurz vor Schluss noch aufholen. Es ist nicht möglich, auf Zeit zu spielen. Und das Tempo ist hoch.»

Zudem habe er viele Menschen kennen gelernt, die zu Kolleginnen und Kollegen geworden seien. Sowohl Wasa als auch Herisau seien sehr gut aufgestellt und geführt. «Der Erfolg funktioniert nur über die regionale Zusammenarbeit.» Im Nachwuchs von Herisau und Wasa stehen mehrere Waldstätter Spielerinnen und Spieler mit Perspektiven. «Die nächste Generation ist bereit.»