Tragetaschen als Zeitzeugen

TEUFEN. Die Teufnerin Helga Schiess sammelt seit Jahrzehnten Tragetaschen aller Art. Diese zeigt sie ab kommendem Sonntag während 14 Tagen im Zeughaus Teufen. Hier kann man in Erinnerungen schwelgen.

Karin Erni
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Helga Schiess beim Einrichten der Ausstellung ihrer selbstgesammelten Taschen. (Bild: pd)

Helga Schiess beim Einrichten der Ausstellung ihrer selbstgesammelten Taschen. (Bild: pd)

Es gibt wohl kaum etwas Alltäglicheres als Tragetaschen. Beim Einkauf erhält man oft ungefragt eine in die Hand gedrückt. Wie kommt jemand dazu, einen solchen Gebrauchsgegenstand zu sammeln? Es sei vermutlich wie bei jeder Sammlertätigkeit, schreibt die Teufnerin Helga Schiess im Begleittext zur Ausstellung ihrer gesammelten Taschen im Zeughaus Teufen. «Es ist eine Begeisterung. Hier Begeisterung für Gestaltung, Design und Handel. Beweggrund sind die Farben, die Texte, aber mich interessierte auch die Entwicklung im Geschäftswesen. Als Tochter aus einem Schuhgeschäft bin ich da irgendwie geprägt.»

Vorteile für beide Seiten

Der Beginn der Sammelleidenschaft von Helga Schiess lag in den 1970er-Jahren, als es zunehmend üblich wurde, den Kunden beim Einkauf kostenlos eine Tasche abzugeben. Das Design sei am Anfang noch zweitrangig gewesen, erinnert sich Schiess. «Die oft einfach gestalteten Taschen sprachen die Leute damals bereits an. Man freute sich sich darüber, auch eine solche Tasche zu haben und zu zeigen, dass man in diesem oder jenem Geschäft einkaufen konnte», so die Sammlerin. «Dem Kunden wurde der Einkauf leicht gemacht: Er musste nicht mehr überlegen, welchen Korb oder welche Taschengrösse er zum Einkauf mitnehmen sollte. Spontankäufe waren nun jederzeit möglich.» Für die Ladenbesitzer hätte die Neuerung ebenfalls viele Vorteile gehabt, so Schiess. «Die Kunden machten unbewusst Werbung für sie und ihre Produkte. Zudem konnten die Verkäufe rationeller abgewickelt werden. Man steckte sie einfach flink in eine passende Tasche.»

Information und Design

Mit zunehmender Verbreitung der Tragetaschen wurden Künstler und Designer für die Gestaltung herbeigezogen. Es entstanden bunte, fröhliche oder pragmatisch-informative Sujets. Produkte, Firmennamen und Logos prägten sich ein. In diesem Gebrauchsgegenstand spiegle sich die rasche und und grosse Veränderung der Gesellschaft, sagt Helga Schiess. «Wer die Tragetaschen heute betrachtet, sieht, dass einige Produkte bis heute Bestand haben, viele Geschäfte noch existieren. Einziger Unterschied: Die Telefonnummer hat eine zusätzliche Zahl, eine Mobilnummer ist dazu gekommen, eine www- Adresse erscheint, hie und da auch ein QR-Code.» Beim Betrachten der Exponate mögen Nostalgie aufkommen und Erinnerungen wach werden, mutmasst Helga Schiess. Besondere Freude bereiten ihr die Taschen von Teufner Geschäften. Sie hat eigens eine Liste mit früheren Detailhändlern des Dorfes zusammengestellt.

Helgas Taschen: 3. bis 17. Januar; Vernissage: Sonntag, 3. Januar, 14 Uhr.

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