Tradition und Experimentelles

NESSLAU. Erstmals steht am Wochenende vom 30. und 31. Mai unter dem Titel «KULToggenburg» ein Konzert mit traditioneller und experimenteller Musik auf dem Programm. Organisiert wird der Anlass von Katja Bürgler.

Adi Lippuner
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Das Quartett Ofebänkler mit der Organisatorin Katja Bürgler (zweite von rechts), eine der Formationen, welche am ersten «KULToggenburg» zu hören sein wird. (Bild: pd)

Das Quartett Ofebänkler mit der Organisatorin Katja Bürgler (zweite von rechts), eine der Formationen, welche am ersten «KULToggenburg» zu hören sein wird. (Bild: pd)

Der Grundstein für «KULToggenburg» wurde an den beiden Konzerten, welche die Nesslauerin Katja Bürgler nach dem Bachelor- und dem Masterabschluss am Konservatorium Luzern durchführte, gelegt. «Die positiven Reaktionen und die Lust, etwas für die vielseitige Kultur in meinem Heimattal zu machen, haben mich zu diesem Schritt bewogen», ist von der engagierten Musikerin zu hören. Das Schwyzerörgeli ist ihr erklärtes Lieblingsinstrument, und sie spielt darauf traditionelle, aber auch experimentelle Stücke.

«Mit der Formation Quartett Ofebänkler und dem Hackbrettspieler Christoph Pfändler sind solche Auftritte möglich. Wir haben ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das die verschiedenen Facetten der Schweizer Volksmusik, vom Bündner über den Innerschweizer bis zum Appenzeller Stil aufzeigt und auch Eigenkompositionen enthält.» Zudem dürfe sie als Dirigentin des Churfirstenchörli auf engagierte Sänger und Jodlerinnen zählen, die auch gerne das eine oder andere Experiment wagen.

Wattwil und Nesslau

Das erste Konzert von «KULToggenburg» wird am Samstag, 30. Mai, um 20.15 Uhr in der reformierten Kirche Wattwil und am Sonntag, 31. Mai, um 17 Uhr in der reformierten Kirche Nesslau durchgeführt. «Wir hoffen auf viele Besucherinnen und Besucher, um die Reihe auch nächstes Jahr fortführen zu können», so Katja Bürgler. Sie kann sich durchaus vorstellen, nächstes Jahr eine Kombination von traditioneller und experimenteller Volksmusik mit der Lesung von Geschichten oder Gedichten aus dem Toggenburg zu organisieren. «Ob es eine zweite Auflage gibt, wird aber nach den beiden Konzerten entschieden.»

Pflichtinstrument Blockflöte

Wer ist die 1989 geborene Toggenburgerin, die sich mit dem Schwyzerörgeli einem urschweizerischen Instrument verschrieben hat? Die Frage wird mit einem spitzbübischen Lachen beantwortet. «Die musikalische Karriere begann mit dem Pflichtinstrument Blockflöte, aber schon bald wollte ich Schwyzerörgeli lernen.» Sie habe sich diesen Wunsch mit Unterrichtsstunden bei Willi Valotti erfüllen dürfen. «Er war sieben Jahre mein Musiklehrer, dann wechselte ich zu Markus Flückiger.» Weil ein Musikstudium mit dem Instrument Schwyzerörgeli erst 2007 möglich wurde, hat Katja Bürgler zuerst Floristin gelernt. «Dann konnte ich aber, nicht zuletzt dank der Initiative von Markus Flückiger, mein Studium am Konservatorium Luzern aufnehmen.» Sechs Jahre dauerte die Ausbildung, einen Grossteil davon lebte sie in der Leuchtenstadt. «Doch gegen Schluss kam ich ins Toggenburg zurück und bin nach Luzern gependelt.»

Faszination Jodel

Dass sie als junge Musikerin den Schritt in die Selbständigkeit gewagt hat – Katja Bürgler bietet nicht nur Schwyzerörgeli-Unterricht an, sie leitet auch mehrere Jodelchöre und tritt mit der Formation Quartett Ofebänkler auf –, sei nicht zuletzt ihren Eltern zu verdanken. «Sie haben mich dazu ermuntert, und ich kann mein ehemaliges Musikzimmer im Elternhaus als Unterrichtsraum nutzen.»

Auch das Jodeln liegt ihr, die in einem Elternhaus ohne musikalischen Hintergrund aufgewachsen ist, sozusagen im Blut. «Ich wünschte mir schon als 13-Jährige, einmal einen Jodelchor leiten zu dürfen. Dass dies dann so rasch geht, hätte ich mir nie träumen lassen.» Und da kommt wieder der Name Willi Valotti ins Spiel: Der erfahrene Akkordeonist und Jodeldirigent ist ihr Mentor. «Er gibt sein Wissen an mich weiter, und ich darf ihn jederzeit um Rat fragen,» zeigt sich die junge Frau dankbar.