Tradition trifft auf Moderne: Neue Appenzeller Firma verbindet zeitgemässes Möbeldesign mit Brauchtumsmalerei

Die Firma Enzig pflegt die alte Appenzeller Handwerkskunst und interpretiert diese neu.

Stephanie Häberli
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Stefan Manser und Bruno Inauen verfeinern Möbelstücke mit Appenzeller Möbelmalerei.

Stefan Manser und Bruno Inauen verfeinern Möbelstücke mit Appenzeller Möbelmalerei.

Bild: Stephanie Häberli

«Wir wollten ein Produkt erarbeiten, bei welchem Handwerk und Appenzeller Möbelmalerei in zeitgemässem Möbeldesign verschmelzen», sagt Stefan Manser. Gemeinsam mit dem Zimmermann Bruno Inauen hat der gelernte Möbelschreiner, welcher sich bereits seit einigen Jahren mit der Appenzeller Brauchtumsmalerei auseinandersetzt, im letzten Februar die Firma Enzig gegründet. «Die Idee der Gründung entstand aus spontanen Gesprächen. Diese Idee in Tat umzusetzen war dann aber doch ein längerer Prozess «, sagt Manser.

Die Produkte der Appenzeller Firma sind alles andere als gewöhnlich. «Die traditionelle appenzellische Möbelmalerei dient uns als Inspiration. Unser Ziel ist, ein altbewährtes Handwerk neu zu interpretieren und zu verarbeiten.» Konkret heisst das: Es werden moderne Möbelstücke hergestellt, welche anschliessend durch eine zeitgemässe Form der Appenzeller Möbelmalerei ihren Feinschliff erhalten. Manser konkretisiert: «Unsere Produkte widerspiegeln eine Symbiose zwischen Tradition und Moderne.»

Alle Produkte sind einzigartig

Das Augenmerk der Gründer gilt besonders der Individualität der Produkte. Alle Möbelstücke und Motive sind Unikate. «Im Bezug auf die Sujets haben die Kunden oft eigene Wünsche.» Auch der Firmenname Enzig sei der erste Teil des Wortes «enzigartig» im Innerrhoder Dialekt und verweise in diesem Zusammenhang auf die Einzigartigkeit jedes einzelnen Produktes.

Doch auch wenn ihre Werke stark mit dem Appenzellerland und dessen Traditionen in Verbindung stehen, sei es für Manser kein Problem, wenn ein Kunde gerne ein Motiv oder eine Landschaft aus einer anderen Region auf dem Möbelstück abgebildet hätte. Bei den Materialien legt die Firma Enzig jedoch grossen Wert darauf, dass diese aus der Umgebung stammen. «Wir benutzen für die Fertigung der Produkte Massivholz aus der Region. Auch für die Malerei werden zu einem grossen Teil Materialien aus dem Appenzellerland eingesetzt.»

Traditionen verändern sich

Mit seinen künstlerischen Arbeiten möchte Stefan Manser etwas vermitteln, was ihm am Herzen liegt: «Bei Traditionen hat man oft das Gefühl, sie seien in Stein gemeisselt und es gäbe strikte Regeln. Doch ich möchte zeigen, dass Traditionen immerzu einen Veränderungsprozess durchlaufen. Daher frage ich mich, was dagegen spricht, auch in der Brauchtumsmalerei einen Schritt weiter zu gehen», so Manser.

Den Start ihrer Firma hatten sich Manser und Inauen anders vorgestellt. «Kurz nach unserer Gründung erreichte das Coronavirus auch die Schweiz. Folglich mussten wir unsere Anfangsphase etwas umstrukturieren.» Wegen der Massnahmen der Covid-Verordnung fiel auch ihre Vernissage, die Mitte Mai in der Kunsthalle Ziegelhütte hätte stattfinden sollen, ins Wasser. Stefan Manser sagt:

«Aufgrund der aussergewöhnlichen Situation setzten wir nun in einem ersten Schritt vermehrt auf Präsenz im Internet. »

Er betont aber, dass der Kundenkontakt trotzdem ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit ist: «Schliesslich kauft ein Kunde ein Unikat. Die persönliche Beratung ist daher von hoher Bedeutung.»

Die Firma ist derzeit auf der Suche nach ausgewählten Hotels, wo sie ihre Möbelstücke beispielsweise im Eingangsbereich präsentieren können. Doch trotz der Umstände sind die Gründer froh, dass sie ihre Firma eröffnen konnten: «Es ist ein schönes Gefühl, dass wir diese Idee realisieren konnten und somit eine Verschmelzung unserer Arbeitsbereiche möglich wird.»