TRADITION: Mit Frack und Zylinder gratuliert

In Ebnat-Kappel treten einmal im Jahr die Herren des Turnvereins in Frack und Zylinder auf. Dies geschieht, um Pärchen, ob frisch vermählt oder diesen Gang noch vor sich habend, zu gratulieren.

Stefan Füeg
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Roman Hersche, Dirigent der Funkensänger, leitet das «Ständeli» für sich und seine Frau Regula gleich selbst. (Bild: Stefan Füeg)

Roman Hersche, Dirigent der Funkensänger, leitet das «Ständeli» für sich und seine Frau Regula gleich selbst. (Bild: Stefan Füeg)

Stefan Füeg

redaktion

@toggenburgmedien.ch

Samstagmorgen auf dem Parkplatz bei der Morga. Gegen zwei Dutzend in Frack und Zylinder, in schwarze Weste und schwarze Hosen gekleidete, meist jüngere Männer treffen sich gut gelaunt. Sie haben einen ganz strengen Tag vor sich, gilt es doch dieses Jahr, gleich neun Pärchen gesanglich zu gratulieren. Gesanglich, na ja. Darum wird vor der Morga mal eingesungen, damit die Stimmbänder den richtigen Schliff bekommen.

Auch der Dirigent selbst kommt zu Ehren

Die auf die Häupter gesetzten Zylinder sehen nicht mehr alle ganz neu aus, einige werden wohl in den vergangenen Jahren «ihr Zeitliches hinter sich gelassen» haben. Was soll es, alle sehen toll aus.

Die Stimmproben klappen, der Dirigent ist nach einigen Anfangsschwierigkeiten mit seinem Chor zufrieden. Der Präsident, Ruedi Aerni, richtet noch ein paar kurze Worte an seine Schar: «Wir treten gemeinsam auf, ich möchte, dass wir zu Fuss als Gruppe die Pärchen besuchen. Und denkt bitte daran, wir sind Gäste, auch wenn wir gratulieren und singen kommen.» Der erste Fussmarsch bringt die Schar an die Howart­strasse. Weil, dies mag für dieses Jahr doch etwas ungewöhnlich sein, der Dirigent der Gruppe durfte ebenfalls, dies natürlich gemeinsam mit seiner Frau, die Glückwünsche entgegen nehmen. Und selbstverständlich musste Dirigent Roman Hersche den Chor dirigieren. Vom Fest, von den Glückwünschen zusammen mit seiner Frau Regula, hatte er erst nachher etwas. Das nachfolgende Essen und Anstossen passte dann schon eher.

Ein schöne Tradition wird weitergeführt

Das war es aber eben noch nicht, der Tag war noch lang, immer noch waren acht Ehewillige anzupeilen. Die da heissen: Epper Marcel und Vanessa, Martin Büchler und Tanja, Simona und Stefan Bärtschi, Hinterberger Andreas und Selina, Langenegger Daniela und Adrian, Langenegger Yvonne und Urs, Martin und Seiko Giezendanner, und am Schluss standen noch Marco und Fränzi Müller auf dem Programm.

Ein Tag zum Feiern, zum Geniessen, vor allem für die Frischverliebten und Neuvermählten. Und wie sagte einer der Sänger zu Beginn: «Wir werden oft komisch angesehen, da gibt es meist Auswärtige, die meinen, wir hätten noch Fasnacht. Oder es gibt sogar Personen, die meinen, wir seien eine neue Sekte.» Keins von beidem ist wahr, es ist einfach eine schöne Tradition, die weitergeführt wird.