Trachten, Trachtenstoff und Schmuck

Trachten mit all ihren Facetten waren am Samstag Thema des neunten «Kulturfensters» des Vereins Kultur am Säntis. Dazwischen wurde getanzt und musiziert. Mit gegen 160 Besucherinnen und Besuchern war das Interesse erneut gross.

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Die Lernende Daniela Schmid (rechts) präsentierte zusammen mit Martina Wiedemann eine moderne Trachtkreation. (Bild: pd)

Die Lernende Daniela Schmid (rechts) präsentierte zusammen mit Martina Wiedemann eine moderne Trachtkreation. (Bild: pd)

SÄNTIS. Mit Stolz und Freude über das Interesse an der Tracht begrüsste die neugewählte Kultur-am-Säntis-Präsidentin Katja Bürgler-Zimmermann aus Nesslau das Publikum zum «Kulturfenster» auf dem Säntis. Erster Referent war gemäss Medienmitteilung Johannes Schmid-Kunz. Der Geschäftsführer der Trachtenvereinigung der Schweiz hielt viele Informationen bereit. Demnach ist die Tracht in der Schweiz seit mehr als 200 Jahren ein Thema und kein Land verfügt mit gegen 700 Trachten über eine solche Vielfalt. Die Entwicklung der Tracht habe viel mit der Entwicklung der Schweiz und der Gesellschaft zu tun. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts seien die ersten Verbände gegründet worden, wobei an deren Ursprung meistens Frauenchöre gestanden hätten. Der Referent erinnerte, wie es in der Mitteilung weiter heisst, an die Gründung der Schweizerischen Trachtenvereinigung im Jahre 1926 und an dessen ersten Präsidenten Ernst Laur. «Die Tracht als Kleid der Heimat» war sein Credo, mit dem er Kultur, Gesellschaft und Politik in jener Zeit massgebend mitgestaltete.

Tracht in moderner Form

Schülerinnen des Couture Lehrateliers an der Schule für Gestaltung St. Gallen befassten sich im weiteren Programmverlauf mit der Frage, wie eine heutige Tracht aussehen könnte. Leiterin Martina Wiedemann und die Schülerin Daniela Schmid zeigten, wie die Einzelstücke entworfen, die Stoffe ausgewählt, Schnittmuster gemacht und schliesslich Detailanpassungen gemacht wurden. Auf dem Säntis wurde die neukreierte Tracht präsentiert. «Sie ist in der Grösse verstellbar und im Alltag tragbar», sagte Daniela Schmid. Dass Tracht und Tanz einen engen Bezug zueinander haben, zeigte die Trachtengruppe Schönengrund mit ihrer Leiterin Marlis Schoch. Paartänze, aber auch das Mölirad der männlichen Gruppenmitglieder erhielten Applaus.

Schmuck aus Haar

Den Auftakt am Nachmittag machte der in Teufen aufgewachsene und heute in Appenzell lebende Jakob Schiess, der in seiner Freizeit Schmuckstücke aus Menschenhaar herstellt, wie sie auch im Bereich der Tracht Verwendung finden. «Haarflechten ist ein uraltes Kulturgut», sagte er. Aus Haaren gefertigter Schmuck sei eine besondere Liebesbezeugung an eine geliebte Person und sei früher oft ein Verlobungs- oder Hochzeitsgeschenk gewesen. Vor Ort zeigte der Haarkünstler, wie ein Haargeflecht hergestellt wird und daraus in geduldiger Handarbeit ein Schmuckstück entsteht.

Im weiteren Verlauf von «Kulturfenster» berichtete die junge Schneiderin Katrin Abderhalden, Nesslau, Interessantes über Herstellung des Roh-Stoffs für die Tracht. Bernadette Nef, Gontenbad, erklärte verschiedene Varianten der Innerrhoder Frauentracht. Zum Schluss präsentierte Werner Bollhalder aus Unterwasser eine Vielzahl von beschlagenen Hosenträgern. (pd)

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