Tourist fördert Kampfkünstler

Ein ehemaliger chinesischer Meister im Kampfsport besucht derzeit das Toggenburg und trainiert teilweise bei Peer Steinkellner in der Xing Wu Guan Wattwil. Die Schüler geniessen die spezielle Förderung.

Urs Huwyler
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WATTWIL. Sollten während der letzten – oder nächsten – Tage einige grundsätzlich durchaus athletisch wirkende Zeitgenossen den Eindruck erwecken, sie litten unter Muskelkater, könnte es sich um Schüler der Wattwiler Xing Wu Guan Kampfkunstschule von Peer Steinkellner handeln. Sie sind dann wahrscheinlich in den Genuss einer Trainingsstunde mit dem, den ganzen Monat September als interessierter Tourist in Wattwil weilenden, Du Zi Bin gekommen. Der wiederum war Ende der Neunzigerjahre Provinzmeister von Jiang Su und chinesischer Meister. In seiner Heimat arbeitet Du Zi Bin als Lehrer in einer Pekinger Teakwondo-Sportschule. Weitere Erklärungen bezüglich seines Könnens dürften kaum nötig sein.

Keine Rücksicht auf Verluste

Bei den geförderten und geforderten Schülern kam logischerweise Freude auf, mit und neben einem derartigen Athleten trainieren zu können. Seltsamerweise liess der kaum schwitzende Herr Du keinerlei Anzeichen von Müdigkeit erkennen, seine Muskeln wirkten nach den Lockerungsübungen tatsächlich so locker wie er drauf war. Andere Kampfkünstler schienen, so musste zumindest aufgrund der Mimik und Atemnot vermutet werden, zwar phasenweise etwas zu leiden, aber die Faszination liess sie ohne Rücksicht auf mögliche Verluste vorwärts marschieren.

Zwischen dem chinesischen Lehrer und der Kampfkunstschule Wattwil besteht seit Jahren eine freundschaftliche Verbindung. Peer Steinkellner bildet sich immer wieder in Peking beim derzeitigen Gast weiter. Im Oktober werden der Schulleiter, seine chinesische Frau und einzelne Schüler wieder in der Olympia-Stadt von 2008 weilen. «Das Niveau in China lässt sich nicht mit dem in der Schweiz vergleichen. Es ist deshalb wichtig, sich regelmässig vor Ort weiterzubilden», erklärt der 28jährige Toggenburger. Er kämpft wöchentlich mit dem Schweizer Nationalkader, kann jedoch wegen seiner deutschen Staatsbürgerschaft nicht international eingesetzt werden.

Trainingsgestaltung in China

Aber was haben die Chinesen, was den Schweizern fehlt? Peer Steinkellner kann sich beim Blick auf den Meister ein Lächeln nicht verkneifen. «Er musste drei Monate lang den gleichen Bewegungsablauf trainieren und erst danach kam der nächste Schritt dazu. Nur wer etwas beherrscht, kann weiter aufbauen. Würden wir hier in Wattwil so vorgehen und eine solche Disziplin verlangen, hätte ich bald keine Schüler mehr. Bei uns muss jedes Training abwechslungsreich gestaltet sein.» Athletisch, von der Beweglichkeit und Kampfkraft oder vom Durchhaltewillen her, überall verfügen selbst die Breitensportler aus Ostasien nach den Beobachtungen und Erfahrungen von Peer Steinkellner über Vorteile gegenüber den Europäern. Du Zi Bin wirkt dynamisch, unglaublich präsent, konzentriert und bei den blitzschnell ausgeführten Bewegungen doch leicht wie eine Feder. Dabei erweckt der Gast nicht den Eindruck einer Kampfmaschine, sondern lächelt freundlich, grüsst mit «Grüezi» und besteht auch den «Chuchichästschli»-Test mit Auszeichnung. Die Muskelkater-Fraktion wird unabhängig der Nebenwirkungen – einen Arzt oder Apotheker brauchen sie deswegen nicht aufzusuchen – auf weitere Trainings mit dem Meister hoffen.