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Tote Raben in Urnäsch: Erinnerungen an dunkle Zeiten

Kürzlich hängte ein Urnäscher Bauer tote Raben vor seinem Schweinestall auf. Wie es im Mittelalter schon geschah. Ein etwas anderer Blick auf die Geschichte.
Yann Lengacher
Raben gelten heute als intelligente Tiere. (Bild: Marcel Schauer)

Raben gelten heute als intelligente Tiere. (Bild: Marcel Schauer)

Dem Raben haftete lange ein schlechter Ruf an. Noch heute haben wir an rabenschwarzen Tagen Rabeneltern und sind dann Unglücksraben. Im Mittelalter galten sie als Komplizen von Hexen und waren praktisch Helfer des Teufels. Kam ihnen eine Frau zu nahe, war sie schnell als eine solche abgestempelt (und hingerichtet).

Die Vorboten von Tod und Pest

Die Vögel hatten wohl auch einen schlechten Ruf, weil sie gerne Aas fressen. Nach einer verlustreichen Schlacht war der Tisch für die Tiere natürlich reichlich gedeckt. Grosse Rabenschwärme galten damals vielleicht auch deswegen als Vorboten von Tod und Pest. Und so hängte man in dieser Zeit die Raben vor seinem Haus auf, um Unheil fernzuhalten. Wie der Urnäscher Bauer, der dies vor kurzem an seinem Schweinestall tat. Er wollte die Vögel so von seinem Hof fernhalten. Dass in Urnäsch bald die Pest ausbricht, ist zu bezweifeln. Da wäre eine Tierseuche wegen der Kadaver schon wahrscheinlicher, sofern diese noch hängen. Ob der Urnäscher Bauer einen Hexenfluch fürchtete, ist nicht bekannt.

Ein Gott in Form eines Raben

Ausserhalb der christlichen Religion genossen die Raben übrigens mehr Ansehen. Odin, der Göttervater in der nordischen Mythologie, habe sich gelegentlich selbst in einen Raben verwandelt. Seine treusten Diener seien die Raben Hugin und Munin gewesen, die über die Welt flogen und ihn jeden Morgen nach dem Frühstück über das Weltgeschehen ins Bild setzten. Dank seiner gefiederten Assistenten war Odin so ein allwissender Gott. Raben galten in der nordischen Mythologie zudem als magische Wesen, die Wahrheit von Lüge unterscheiden können.

Die Wahrheit über Raben kennen wir heute, auch ohne magische Wesen zu sein: Die Tiere sind weder des Teufels, noch engelsgleiche Geschöpfe. Die Vögel sind sehr klug und lassen sich von toten Artgenossen nicht lange abschrecken. Versetzen wir uns zum Schluss in die Lage des Urnäscher Bauern. Der wollte nicht, dass die Raben Schäden auf seinem Grundstück anrichten oder gar sein Tierfutter mit Salmonellen verunreinigen. Das ist legitim. Die Idee, die Tiere auch noch aufzuhängen, erwies sich dagegen als «unrabenhaft». Oder anderes gesagt: als unklug.

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