Umstrittene Massnahme in der Ausserrhoder Landwirtschaft: Tote Krähen werden als Vogelscheuchen benutzt

Um Vogelschwärme von seinem Betrieb fernzuhalten, hat ein Landwirt tote Krähen am Schweinestall befestigt. Diese Methode ist verbreitet – aber illegal.

Claudio Weder
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Umstrittenes Abschreckmanöver: Mit aufgehängten Kadavern will ein Landwirt aus Urnäsch Krähen vom Schweinestall fernhalten.                                                           Bild: PD

Umstrittenes Abschreckmanöver: Mit aufgehängten Kadavern will ein Landwirt aus Urnäsch Krähen vom Schweinestall fernhalten.                                                           Bild: PD

Ein der Redaktion zugespieltes Bild zeigt ein grusliges Szenario: Fünf tote Rabenvögel sind am Schweinestall eines ausserhalb von Urnäsch gelegenen Landwirtschaftsbetriebs befestigt. Kopfüber baumeln die Kadaver vom Eisengestänge, die Füsse sind mit Schnüren zusammengebunden. Was auf den ersten Blick etwas unheimlich anmutet, wird in der Landwirtschaft als Abschreckmethode eingesetzt, um Rabenvögel vor Feldern, Futtervorräten oder Tieren fernzuhalten.

Die Praktik wird heute noch vereinzelt angewendet, wie Ernst Graf, Präsident des Bauernverbandes Appenzell Ausserrhoden, bestätigt. «Vor allem junge Rabenvögel, die das Brutalter noch nicht erreicht haben, sind auf Bauernhöfen keine gern gesehenen Gäste.» Laut Graf ist die Methode mit den toten Rabenvögeln wirksam, allerdings nur kurzfristig.

Betroffene Personen werden ermahnt

Im Gegensatz zu den Brutpaaren, die auf landwirtschaftlichen Territorien nach Nistmöglichkeiten suchen, schliessen sich die Jungvögel oft zu Schwärmen zusammen, wobei sie sich in ihrem jugendlichen Übereifer über frische Saaten, junge Gemüsesetzlinge, Kartoffeln oder Obst hermachen, so Graf weiter. Problematisch werde es vor allem auch dann, wenn die Krähen mit Tierfutter in Kontakt kommen. «Dies kann Verunreinigungen des Futters und unter Umständen Salmonellenvergiftungen zur Folge haben.»

Um die landwirtschaftlichen Schädlinge vom Hof fernzuhalten, setzen Landwirte hin und wieder tote Krähen als Vogelscheuchen ein – so auch der Besitzer des Stalles in Urnäsch. Was viele jedoch nicht wissen: Das ist illegal. «Das Aufhängen von Tierkadavern verstösst zwar nicht per se gegen die Tierschutzgesetzgebung, allerdings ist das Aufhängen von Kadavern aus tierseuchenrechtlichen Gründen nicht erlaubt», sagt Kantonstierarzt Sascha Quaile.

Die Tierseuchengesetzgebung, insbesondere die Verordnung über die Entsorgung von tierischen Nebenprodukten, schreibe vor, wie Tierkörper entsorgt werden müssen. In erster Linie gehe es um seuchenhygienische Vorsichtsmassnahmen, um zu verhindern, dass mögliche Tierseuchen verschleppt werden können, so Quaile weiter. Das Veterinäramt beider Appenzell erfahre ab und zu von solchen Fällen. Die betroffenen Personen werden darauf hin jeweils ermahnt und aufgefordert, die Tierkörper korrekt zu entsorgen.

Tierschutz hält wenig von Vogelscheuchen

Wie kommen die Bauern zu den toten Krähen? «Die Vögel werden meist von Jägern im Auftrag der Bauern geschossen», sagt Ernst Graf. Im Übrigen ist es laut der Jagdverordnung des Kantons Appenzell Ausserrhoden den Eigentümern, Mietern oder Pächtern einer Liegenschaft erlaubt, Krähen selbst zu schiessen, sofern diese Privateigentum beschädigen oder unmittelbar bedrohen. Aus Sicht des Schweizer Tierschutzes (STS) sei das Schiessen von Vögeln durch Laien jedoch eindeutig abzulehnen: «Die Gefahr von Fehlschüssen mit entsprechenden Verletzungen, verbunden mit Schmerzen und Leiden bei den Tieren, ist zu gross.»

Ebenso rät der Tierschutz vom Aufhängen toter Vögel ab. «Krähen sind mit diesem entwürdigenden Umgang mit Lebewesen nicht nachhaltig von Feldern fernzuhalten», heisst es in einem von der Fachstelle Wildtiere des STS herausgegebenen Merkblatt. Denn Krähen seien intelligente und anpassungsfähige Tiere, die den Bluff solcher Abschreckmethoden schnell durchblicken. Aus genau diesem Grund sei bei der Abwehr von Rabenvögeln in der Landwirtschaft Abwechslung und Fantasie gefragt.

Der Besitzer des Urnäscher Hofes wollte sich zur geschilderten Situation nicht äussern.