Toni und Moni

Wir kennen uns schon so lange, dass wir uns duzen und unsere Namen salopp gekürzt haben. Es sind rege Geschäftsbeziehungen, die uns verbinden: ein wiederkehrendes Nehmen und Geben.

Moni Egli
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Bild: Moni Egli

Bild: Moni Egli

Wir kennen uns schon so lange, dass wir uns duzen und unsere Namen salopp gekürzt haben. Es sind rege Geschäftsbeziehungen, die uns verbinden: ein wiederkehrendes Nehmen und Geben. Wenn sich Toni entschliesst, mir nach dem Nehmen zu geben, tut er das meistens humorvoll: Er überreicht mir die Dinge nicht einfach in die Hand, wie es unter Geschäftspartnern üblich wäre, er schickt sie auch nicht per Post. Nein, er versteckt sie lieber, zum Beispiel in der Zaine, wo Wäsche schon seit Tagen des Bügelns harrt, zwischen den Schuhen, die seit Jahren nicht mehr ausgeführt werden, zuhinterst im Geschirrschrank… Manchmal gehe ich ihm aber offenbar auch auf die Nerven, dann verliert er seinen Humor und wirft sie mir ärgerlich unters Bett, ins Blumenbeet, hinter das Sofa. Ob so oder anders, ich eile dann auf jeden Fall sofort in die kleine Kapelle, wo es eine Antonius-Kasse hat, um zu geben, was versprochen wurde. Das letzte Mal habe ich ein wenig geschusselt und irgendwie ist mit dem Nötli auch der Schlüsselanhänger in den Kassenschlitz geraten. Nicht irgendein Schlüsselanhänger, notabene, sondern ein sauteurer mit einem grösseren Klunker, der glitzert und glänzt und funkelt. Der blieb dann natürlich stecken, obwohl ich ihn doch reingebracht hatte (eines der Alltags-Mysterien). Ich war keinesfalls bereit, zum Nötli auch noch den Anhänger zu geben: Das hatten wir so nicht abgemacht. Drehen, wenden, sorgfältig ziehen, ruckartig ziehen: Nichts hat geholfen. Schliesslich habe ich in der kleinen Kapelle an dieser Kasse gerüttelt, ihr einen Klaps gegeben, dann einen Stoss versetzt, ich habe geschubst, geprügelt, gezerrt und geschüttelt. Irgendwann hat es Plop gemacht und ich hatte meinen Anhänger wieder, allerdings ohne Klunker. «Und das», habe ich zu Toni gesagt, «geht jetzt entschieden zu weit. Unsere Geschäftsbeziehungen sind damit beendet.»

Heute morgen habe ich erfolglos meinen schönen, teuren Ring gesucht. Er glitzert und glänzt und funkelt und macht sozusagen meine ganze Hand zum Schmuckstück. Ich habe sofort verstanden: Toni macht mir ein Angebot zur Versöhnung. Ein Klunker gegen den andern. Ich gebe ihm genau drei Tage Zeit…

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