TOGGENBURG/FRAUENFELD: Luft nach oben für die Toggenburger Motocross-Fahrer

Beste Bedingungen zeichneten das 57. Ostermontag-Motocross in Frauenfeld aus. 5500 Zuschauer erfreuten sich am Motorradsport. Einige wilde Toggenburger mischten die Rennen auf, möglich wäre mehr gewesen.

Fränzi Göggel
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Gerangel am Start der MX2-Rennen. Alle wollen zuerst in die erste Kurve. Nico Seiler (951) wählt die Mitte. (Bild: Fränzi Göggel)

Gerangel am Start der MX2-Rennen. Alle wollen zuerst in die erste Kurve. Nico Seiler (951) wählt die Mitte. (Bild: Fränzi Göggel)

Die Brüder Cyrill und Adrian Scheiwiller aus Ulisbach fuhren heuer beide in der Klasse Swiss MX Open. Ihre Fans waren gespannt, was für Rundenzeiten ihre Idole im ersten Motocross-Rennen der Saison auf den Acker brennen würden.

Cyrill Scheiwiller, der das letzte Jahr verletzungsbedingt erst Mitte Saison in die Schweizer Meisterschaft eingreifen konnte, stand in Frauenfeld pünktlich zum ersten Rennen am Startgatter. Diesen Winter hätte er auf seiner 450er-Yamaha ohne Beschwerden trainieren können. «Ich bin körperlich wieder total fit und parat», sagte der 26-jährige Zimmermann. Sein Saisonziel sind die Top fünf.

Berufliche Weiterbildung geht vor

Adrian Scheiwiller beim Sprung im Dreckknollenhagel. (Bild: Fränzi Göggel)

Adrian Scheiwiller beim Sprung im Dreckknollenhagel. (Bild: Fränzi Göggel)

Noch vor zwei Wochen war sich sein Bruder, Adrian Scheiwiller aus Ulisbach, nicht sicher, ob er in Frauenfeld starten würde. Seine Rückenwirbel und Rippen, die er 2016 bei einem groben Sturz über das Vorderrad gebrochen hat, behindern ihn zwar nicht mehr. Doch derzeit stellt der 32-jährige, gelernte Motorradmechaniker, seinen beruflichen Ehrgeiz in den Vordergrund. «Ich bilde mich zum Betriebsleiter weiter und werde im Herbst 2019 zu den Prüfungen antreten», erklärt er seinen Trainingsrückstand. Zudem fährt er neu eine 450er-KTM, was eine grosse Umstellung für ihn ist.

Das Zeittraining sah vielversprechend aus. Cyrill Scheiwiller katapultierte sich als Dritter weit nach vorne, Adrian Scheiwiller klassierte sich im Mittelfeld. Der erste Rennlauf verlief für die Brüder ohne Zwischenfälle. Cyrill Scheiwiller kam als Zehnter aus der ersten Runde, verbesserte sich in der siebten Runde auf Rang acht, den er bis zum Ziel halten konnte.

Adrian Scheiwiller bewegte sich über das ganze Rennen im Mittelfeld, ehe er in der achten Runde auf Platz 26 das Rennen aufgab. «Die Strecke forderte mich sehr. Da meine Kondition schwand, wurde es für mich zu gefährlich, ich gab auf», erklärte der Sportsmann. Der zweite Lauf entsprach nicht den Erwartungen von Scheiwillers. Cyrill Scheiwiller stürzte wegen eines Fahrfehlers und fiel schon in der zweiten Runde auf den 15. Platz zurück. Bis zum Ziel kämpfte er sich auf den 10. Rang nach vorne. «Ich wollte zu viel», klärt Cyrill Scheiwiller auf und zeigte sich leicht zerknirscht.

Gerangel am Start der MX2-Rennen. Alle wollen zuerst in die erste Kurve. Nico Seiler (951) wählt die Mitte. (Bild: Fränzi Göggel)

Gerangel am Start der MX2-Rennen. Alle wollen zuerst in die erste Kurve. Nico Seiler (951) wählt die Mitte. (Bild: Fränzi Göggel)

Unmittelbar nach dem Start wurde Adrian Scheiwiller mit einem unüblichen, technischen Problem konfrontiert. Der Aluminiumring seiner Starthilfe fiel aus der vorgesehenen Arretierung und baumelte lose herunter. Um den Schaden in Grenzen zu halten, hielt er am Pistenrand an und entfernte das defekte Teil. Eine Aufholjagd kam für ihn danach nicht in Frage, der Rückstand war zu gross. Nach vier Runden gab er auf. «Die tiefen Leisen waren schwierig zu fahren und kosteten mich viel Energie, die ich nicht mehr hatte», erklärt er seine Entscheidung. Sein Vater Erich Scheiwiller betonte: «Heute ist es schon nicht so gelaufen. Aber das Wichtigste ist, dass alle Fahrer gesund sind.»

Übervolles Fahrerfeld bei den Swiss MX2

Nico Seiler bringt die volle Kraft auf die Piste. (Bild: Fränzi Göggel)

Nico Seiler bringt die volle Kraft auf die Piste. (Bild: Fränzi Göggel)

57 Fahrer der Klasse Swiss MX2 kämpften in zwei Qualifikationsläufen um die 40 Startplätze. Vorne dabei war der 19-jährige KTM- Fahrer Nico Seiler aus Lütisburg. Yannick Raschle aus Hemberg (Yamaha) schied aus. Nico Seiler, der zurzeit für die Maurer LAP büffelt, ist leicht im Trainingsrückstand. Dennoch kam er im ersten Rennen als Fünfter aus der ersten Runde, in der zweiten Runde sogar als Vierter. Je länger der Lauf dauerte, desto mehr schwand auch seine Kondition, er wurde Siebter. Bis zur Hälfte des zweiten Rennens fuhr Nico Seiler vorne mit, ehe er in einer Linkskurve den Lenker eines Konkurrenten in den Bauch bekam. Schmerzen zwangen ihn zur Flachatmung. Seiler hielt noch drei Runden durch, dann nahm ihn Vater Hans aus dem Rennen. «Es war ein Rennunfall, ich hatte einfach Pech, dass es mich traf», realisierte Nico das Ereignis.

Cyrill Scheiwiller hat eine tolle Sicht von oben. (Bild: Fränzi Göggel)

Cyrill Scheiwiller hat eine tolle Sicht von oben. (Bild: Fränzi Göggel)