Toggenburger Pilzen auf der Spur

WATTWIL. Eine Woche beschäftigen sich die Mitglieder der wissenschaftlichen Kommission des Verbandes schweizerischer Vereine für Pilzkunde mit dem, was hiesige Wälder hergeben. Sie haben schon zwei besondere Entdeckungen gemacht.

Sabine Schmid
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Entscheidende Details: Unter dem Mikroskop entdecken die Pilzkenner die nötigen Details, um den Fund exakt bestimmen zu können. (Bild: sas)

Entscheidende Details: Unter dem Mikroskop entdecken die Pilzkenner die nötigen Details, um den Fund exakt bestimmen zu können. (Bild: sas)

Am Vormittag streifen die rund 60 Pilzkenner in kleinen Gruppen durch die Wälder in der Region. Geführt werden sie auf diesen Exkursionen von Mitgliedern des Pilzvereins Toggenburg. Bei ihren Streifzügen sammeln die Experten – allesamt Mitglieder der wissenschaftlichen Kommission vom Verband schweizerischer Vereine für Pilzkunde – alles ein, was sie interessiert. Die einen greifen zu Pilzen mit Lamellen, andere suchen Totholz oder Blätter ab. «Wir sind vor allem an besonders seltenen Arten interessiert», erklärt Beatrice Senn.

Speisepilze würden sie in dieser Woche links liegen lassen. Die Mykologin ist bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL dafür zuständig, ein Inventar für Pilze in der Schweiz zu erstellen. Dabei helfen ihr die Pilzkenner, die jährlich eine Woche lang in einer anderen Region in der Schweiz nach seltenen Pilzarten suchen.

Wissen wird ausgetauscht

Zurück im grossen Saal des Thurparks widmen sich die Pilzkenner ihrer Ausbeute. Einige schauen gebannt ins Mikroskop, unterbrechen diese Arbeit nur, um einige Notizen zu machen. Andere träufeln eine Flüssigkeit auf ein Teilchen von einem Pilz. «Diese Chemikalien rufen eine Reaktion hervor», erklärt Rolf Mürner, einer der Teilnehmer. Je nachdem, zu welcher Lösung der Experte greift, verfärbt sich der Pilz. Dies wiederum gibt wichtige Indizien dafür, um welchen Pilz es sich handelt.

Die selbst gewonnenen Erkenntnisse vergleichen die Mitglieder der wissenschaftlichen Kommission mit Fällen, die in der Fachliteratur beschrieben sind. Auch der Austausch untereinander ist sehr wichtig. Zum einem, damit die Teilnehmer ihr Wissen erweitern können. Zum anderen auch, um die anderen Teilnehmer kennen zu lernen. Denn, sagt Rolf Mürner, auch unter dem Jahr hindurch stehen einige von ihnen in Kontakt untereinander. Jeweils am Abend werden die Funde des jeweiligen Tages besprochen.

Die Erkenntnisse stellen die Pilzkenner Beatrice Senn zur Verfügung, die diese ins Inventar für Pilze in der Schweiz einfliessen lässt. Sie ist sich aber bewusst, dass eine Woche zu kurz ist, damit alle Experten ihre Forschung abschliessen können. «Einige nehmen daher ihre Pilze nach Hause und fahren dort mit den Recherchen weiter», sagt sie.

Im Mikroskop Pilze beobachten sei viel spannender als fernzusehen, meint Beatrice Senn augenzwinkernd und erntet zustimmende Blicke von allen Seiten.

Finderglück war da

Rolf Mürner kann nicht erklären, worauf er bei den Exkursionen achtet. Manchmal suche er nach etwas Speziellem, manchmal aber streife er durch die Wälder ohne sich vorher zu überlegen, was er entdecken will. Im Toggenburg hatte Rolf Mürner Finderglück. «Auf einer Wiese in der Gemeinde Lütisburg habe ich den Rosa Saftling gefunden», erzählt er stolz.

Dies sei einer von zwölf in der Schweiz geschützten Pilze. Rolf Mürner hat den raren Fund mit Hilfe von Fotos bestimmt. Einen solchen Pilz zu finden, erweitere den Horizont, sagt er und fügt stolz hinzu, dass es ein spezielles Gefühl sei.

Finderglück hatte auch ein anderer Teilnehmer dieser Weiterbildungswoche. Er stiess in der Gemeinde Lommis auf ein Eselsohr.

Eine finnische Studie habe sich vor kurzem erstmals mit dieser Pilzart auseinander gesetzt, erklärt Beatrice Senn. Mittels dieser Unterlagen ist es den Pilzkennern gelungen, dieses Exemplar genau zu bestimmen. Und sie haben herausgefunden, dass noch nie ein solcher Pilz in der Schweiz gefunden wurde.

Gute Region für Pilze

Die Forschungswoche für die wissenschaftliche Kommission vom Verband schweizerischer Vereine für Pilzkunde findet zum erstenmal im Toggenburg statt.

Beatrice Senn findet, dass hier eine gute Region für ihre Arbeit ist. In den Wäldern gebe es an verschiedenen Orten Totholz und auf diesem wachsen Pilze, für die sie sich interessiert. Einzig mit dem Wetter sind die Pilzkenner nicht ganz zufrieden. «Im Sommer sind viele Pilze gewachsen. Die letzten zwei Wochen waren aber zu trocken», urteilt Beatrice Senn.

Nichtsdestotrotz finden die Teilnehmer der Weiterbildungswoche genügend Studienmaterial und erweitern damit nicht nur ihr persönliches Wissen, sondern auch die Datenbank über besondere Pilze.

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