Toggenburger Hausorgel in Gonten

GONTEN. Das Roothuus in Gonten erschliesst sich ein neues Gebiet: Die (Haus-)Orgelmusik des 18. und 19. Jahrhunderts hält Einzug in die Nebenstube im Zentrum für Appenzellische Volksmusik.

Guido Berlinger-Bolt
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Orgelbauer Markus Meier (l.) diskutiert mit Peter Roth über den Aufbau der Toggenburger Hausorgel. (Bild: gbe)

Orgelbauer Markus Meier (l.) diskutiert mit Peter Roth über den Aufbau der Toggenburger Hausorgel. (Bild: gbe)

Es ist, als ob sich mit den Flügeln der Hausorgel eine neue Zeit im Roothuus auftäte, eine Zeit, in der die evangelischen Dorfkirchen in Ausserrhoden und im Toggenburg die Musik aus dem Kirchenraum verbannt hatten. Eine Zeit auch, in der viele einen persönlichen Zugang zum Glauben suchten und einen solchen in pietistischen Zusammenkünften im privaten Raum, oft in Firstkammern, dem Himmel so nahe wie möglich, fanden.

«Es war die obere Mittelschicht, die im 18. und 19. Jahrhundert solche Hausorgeln in Auftrag gaben und besassen», sagt Markus Meier. «Ärzte, Lehrer, Amtmänner, Pfarrer.» Markus Meier ist Orgelbauer – und Musiker. In der Hand hält er ein Brett, das er in die Orgel einsetzt. Von dieser sind schon die Umrisse erkennbar. Am Morgen baute er in Wallisellen beim letzten Besitzer, einem greisen Zürcher, die Hausorgel ab. «Ein gewöhnliches Wohnzimmer in einem gewöhnlichen Haus aus den 1960er-Jahren», erzählt er.

Jetzt setzt er die Teile, Kasten, Blasbalg, Tastatur, Pfeifen, Verzierungselemente wieder zusammen – in der Nebenstube des Roothuus in Gonten. Ein prächtiger Ort, an den die Orgel zweifellos sehr gut passt. – Das gilt für ihren Stil, für die barocke Bemalung und die Schnitzereien. Das gilt aber auch für die Grösse: Zwischen zwei Balken ragt ihr mittlerer Aufbau bis vier Zentimeter unter die Decke – da bleibt nicht viel «spatzig».

Die Toggenburger Hausorgel stammt aus dem Jahr 1773; gebaut hatte sie der legendäre Orgelbauer Wendelin Looser aus dem Blomberg bei Ebnat-Kappel. Über den Kaufpreis spricht der Geschäftsführer des Roothuus Gonten, Joe Manser, nicht gerne; er räumt aber ein, dass der Wert der erworbenen Hausorgel bei über 100 000 Franken liegt.

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