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TOGGENBURG: Wenn es immer weniger werden

Vor 100 Jahren ging es für die Sennen ums Überleben, und ein Verband wurde gegründet. Eine Struktur, die heute bedeutungslos ist und aufgelöst wird. Auch wenn der Schüblig zur Vesper nicht daran schuld ist.
Adi Lippuner
Aktuar Niklaus Scherrer, Präsident Georg Bösch und Kassier Ernst Brunner bilden den Vorstand des Sennenverbands Toggenburg (von links). (Bilder: Adi Lippuner)

Aktuar Niklaus Scherrer, Präsident Georg Bösch und Kassier Ernst Brunner bilden den Vorstand des Sennenverbands Toggenburg (von links). (Bilder: Adi Lippuner)

Adi Lippuner

redaktion@toggenburgmedien.ch

Die Bundespolitik beeinflusste schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Existenz der Bauern und Sennen, dies ist in den alten Protokollbüchern des Sennenverbands festgehalten. Doch im Vergleich zur heutigen Zeit hatten die Menschen damals noch mit anderen Herausforderungen zu kämpfen. Es gab keine strukturierte Abnahme der Milch, die heute selbstverständlich gewordene Mobilität fehlte und Geld war knapp.

Einschneidend, und damit Anlass für die Verbandsgründung war der Druck aus Bern, respektive eine Vorschrift, welche den Sennen und Käsern einen happigen Abzug auf ihren Produkten beschert hätte. Ab Frühjahr 1918 wurde der Käse «der direkten Verfügungsmacht der Schweizerischen Käseunion unterstellt», so der Chronist. Er hielt auch fest: «Die organisierenden Schweizer Milchproduzentenverbände hatten, unter Berufung auf ihre Verpflichtungen und Leistungen an der Milchversorgung der Läden durchgesetzt, dass den nicht organisierten Milchproduzenten ein Rappen pro abgelieferte Vollmilch bzw. zwölf Rappen pro Kilo Käse vom festgesetzten Höchstpreis abgezogen wurde.»

Gemeinsamer Verband in Urnäsch gegründet

Die Weichen für eine Verbandsgründung waren gestellt und diese konnte am 29. September 1918 in Urnäsch, vollzogen werden. Erster Präsident war Franz Manser, Gonten. Bereits im Dezember des gleichen Jahres wurde der Sennen und Käserverband der Appenzeller Käser als Sektion in die St. Galler Käsereigenossenschaft aufgenommen. Gegen Ende des Gründungsjahrs durften bereits 240 Mitglieder verzeichnet werden, im März 1919 waren es schon 300. 1921 stand die Aufteilung in zwei Sektionen, Appenzell und Toggenburg zur Diskussion. An der Hauptversammlung im Mai wurde informiert, dass beide Appenzell einen Mitgliederbestand von 150, das Toggenburg 170 hat. Die Trennung wurde beschlossen, allerdings mit Hilfe eines Zentralvorstands, der die Zusammenarbeit der beiden Sektionen geregelt hat. Auf der Achterbahn der Preise ging es im Jahr 1926 wieder nach unten: Zwei Rappen weniger für die Bauern in der Schweiz, verbunden mit dem Hinweis, dass in den Nachbarstaaten zwischen 14 und 16 Rappen für Milch und bis 23 Rappen für Käsereimilch bezahlt werde.

Protokollierter Ruf nach Freiheit

Diskussionen rund um Preise und Menge prägten die Sitzungen der folgenden Jahre und immer wieder wehrte sich der Verband für seine Mitglieder. 1940 wurde dann die Rationierung ein Thema, plötzlich war der Bauernstand – und damit die von ihm produzierten Lebensmittel – wieder wichtig. 1944 ruft der Vorstand die Bauernschaft zu Geschlossenheit und Zusammenhalt auf. 1947 geht es um die Qualität der Produkte und deren Absatz. Ein Thema ist die Aufhebung der Rationierung und die Verhandlungen, wie es mit der Vermarktung der Butter weiter gehen soll. In einem Protokoll von 1948 taucht «der Ruf nach Freiheit» auf. Es könne nicht sein, dass von Bern aus alles vorgeschrieben werde. Die Themen Absatz, Qualität und Konkurrenz aus dem Ausland, begleiten die Verbandsverantwortlichen durch die Fünfziger und hinein in die Sechzigerjahre.

1967 wird das Zentralkomitee, welches nach der Teilung der beiden Verbände in Appenzell und Toggenburg (1921) gegründet wurde, aufgehoben. Ein Jahr später wurde das 50-jährige Bestehen des Verbands gefeiert. 1970 wird der Empörung, dass die Butterpreise gesenkt wurden, Ausdruck verliehen. «Einmal mehr trifft es die abgelegenen Landwirte, die eine Reduktion von 40 Rappen pro Kilo verkraften müssen.»

Einer stimmte gegen die Auflösung

Ab den Siebzigerjahren ist von Diskussionen zum Zusammenschluss mit dem Alpwirtschaftlichen Verein Toggenburg zu lesen. Weniger Mitglieder, solche, die ihren Beitrag nicht bezahlen und damit verbunden eine Abnahme des Verbandsvermögens führen zu regen Diskussionen.

1993 kann der Sennenverband, zusammen mit Gästen und Jodeldarbietungen, das 75-jährige Bestehen feiern. Sparrunden des Bundes betreffen auch die Bergbauern: Ab 1996 werden die Transportkosten für den Alprahm nicht mehr übernommen. An der Hauptversammlung im gleichen Jahr nehmen noch 35 Mitglieder teil. Immer mehr Mitglieder, die über 80 Jahre alt sind und zu Ehrenmitgliedern ernannt werden, ist eines der Diskussionsthemen an der Hauptversammlung 2003. Als Folge der sinkenden Mitgliederzahl ist immer weniger Vereinsvermögen vorhanden. Eine Fusion mit dem Alpwirtschaftlichen Verein Toggenburg oder die Auslösung des Vereins wird erneut diskutiert. 2011 wird beraten, wie es mit dem Verband weiter gehen soll. Allenfalls auf den Schüblig nach der Versammlung verzichten oder den Jahresbeitrag erhöhen. Es wird beschossen, den Vesper beizubehalten und den Jahresbeitrag auf 15 Franken zu erhöhen. An der Hauptversammlung 2013 sind 15 Mitglieder anwesend, das Verbandsvermögen beträgt 800 Franken. 2015 ist von der Auflösung des Verbands beim 100-jährigen Bestehen im Jahr 2018 die Rede: «Der Sennenverband hat heute keine grosse Bedeutung mehr, und wenn wir über das Jahr 2018 hinaus bestehen bleiben, müssen neue Vorstandsmitglieder gewählt werden,» hält Aktuar Niklaus Scherrer die Aussage von Präsident Georg Bösch fest. Und ein Jahr später: «Der Sennenverband ist nicht mehr nötig».

Die Bauern, die melken, bringen die Milch in die Käserei oder liefern Industriemilch ab. Nur vereinzelt wird auf den Alpen noch Käse hergestellt. Die Mitgliederzahl sinkt, Neueintritte gibt es keine mehr. Kassier und Aktuar sind schon 33 Jahre im Amt.» Die Abstimmung an der Hauptversammlung ergibt, dass 16 Anwesende für die Auflösung sind, einer stimmt dagegen. Am kommenden 28. April, an der 100. Hauptversammlung soll nun, sofern die Mitglieder zustimmen, der Verband aufgehoben werden.

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