TOGGENBURG: Tiefe Maturitätsquote im Toggenburg

Wenig Maturanden, unterdurchschnittlich viele Hochschulabgänger: Das Toggenburg steht im landesweiten Vergleich schlecht da – so wie der ganze Kanton St. Gallen.

Carmina Wälti
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St. Gallen hat nur wenig Hochschulabsolventen. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

St. Gallen hat nur wenig Hochschulabsolventen. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

Carmina Wälti

carmina.waelti

@toggenburgmedien.ch

Schweizweit hat sich die Abschlussquote der obersten Bildungsstufe in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt. Diese Quote misst den Anteil der Personen mit einem Lizenziat, Diplom oder Bachelor-Abschluss einer Hochschule. Hauptgrund ist nebst der wachsenden Zahl der Studierenden auch die Einführung der Fachhochschulen im Jahr 1997. Die Fachhochschulen und pädagogischen Hochschulen machten vergangenes Jahr zusammen 16 Prozent, die universitären Hochschulen nur 14 Prozent aus. Während Appenzell ­Innerrhoden am meisten erfolgreiche Hochschulabsolventen hat, liegt St. Gallen mit 22,4 Prozent unter den drei letzten ­Plätzen.

Zurückzuführen ist dies unter anderem auf die tiefe gymnasiale Maturitätsquote im Kanton. Landesweit erlangt jeder fünfte die Maturität, im Kanton St. Gallen sind es nur 14 Prozent. Der Kanton hat gemäss einem Bericht des Parlaments die aktuelle Situation der Schulen und Perspektiven zu Kenntnis genommen und ist sich dessen bewusst, beeinflussen will er die Quote jedoch nicht. Die Bekanntheit der verschiedenen Maturitätstypen soll aber mittels einer Informationskampagne erhöht werden.

Die Ostschweiz als KMU-Gebiet

Gemäss Matthias Unseld, Rektor des Berufs- und Weiterbildungszentrums Toggenburg, spielen die Berufsmöglichkeiten in der Ostschweiz eine wichtige Rolle: «Die Ostschweiz ist geprägt von KMU, welche eine hohe Ausbildungsbereitschaft aufweisen.» Viele Jugendliche würden deswegen den Weg über die berufliche Grundbildung einschlagen, also eine Lehre machen. «Ausserdem führen – und das zeichnet das Schweizer Bildungssystem aus – verschiedene Wege zum Ziel. Entscheidend ist, dass sich die jungen Leute eine Lernkompetenz aneignen, um sich für ein lebenslanges Lernen zu rüsten», so Unseld.

«Viel ungenutztes Potenzial vorhanden»

Die Region Toggenburg hat gemäss der Fachstelle für Statistik des Kantons St. Gallen mit 10,7 Prozent am wenigsten gymnasiale Maturitätsabschlüsse im Kanton St. Gallen. In Mosnang machen nur 5,9 Prozent die Matura; die tiefste Quote im Toggenburg und kantonsweit. Überdurchschnittlich viele gymnasiale Maturanden hat Hemberg mit ­ 15,6 Prozent, gefolgt von Lichtensteig mit 15,5 und Oberhelfenschwil mit 13,6.

Die Berufsmatura-Quote des Kantons St. Gallen liegt im schweizerischen Durchschnitt, im Toggenburg ist sie ebenfalls unterdurchschnittlich. Auch wenn man die Gesamtheit der Maturitätsabschlüsse (gymnasiale Maturität, Berufsmaturität und Fachmaturität) vergleicht, steht das Toggenburg hinten an: Mit 22,7 Prozent liegt die Quote fast 40 Prozentpunkte unter dem nationalen Durchschnitt. «St. Gallen verfügt über eine ausgezeichnete Volksschule sowie auch über ein grosses Angebot an erstklassigen Hochschulen und Fachhochschulen, praktisch in Pendeldistanz. Es ist gerade auch deswegen schade, dass die Maturaquoten so tief sind», so Martin Gauer, Rektor der Kantonsschule Wattwil. «Bei den St. Galler Schülerinnen und Schülern ist noch viel Potenzial vorhanden, das zu wenig genutzt wird», sagt Gauer. Akademiker zu sein, sei kein Nachteil, wie Statistiken zur Arbeitslosigkeit zeigen würden. Die im September publizierte Längsschnittuntersuchung des Bundesamtes für Statistik zum Einkommen und zur Erwerbslosenquote von Hochschulabsolventen widerlegt das Klischee einer verbreiteten Akademikerarbeitslosigkeit. Bei universitären Hochschulabsolventen mit Master-Abschluss liegt die Erwerbslosenquote in der Ostschweiz ein Jahr nach dem Studium mit 2,6 fast 30 Prozent unter dem Ostschweizer Mittel, fünf Jahre nach Abschluss mit 1,8 sogar über ­ 50 Prozent darunter.