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TOGGENBURG: Nur Lichtensteig ist medial sozial

Social Media wie Facebook und Twitter sind aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Die Toggenburger Gemeinden halten sich bisher aber zurück, diese neuen Kanäle zu bespielen. Einzige Ausnahme ist Lichtensteig.
Ruben Schönenberger
Eine Facebook-Nutzerin besucht die Seite der Gemeinde Lichtensteig. (Bild: Ruben Schönenberger)

Eine Facebook-Nutzerin besucht die Seite der Gemeinde Lichtensteig. (Bild: Ruben Schönenberger)

TOGGENBURG. «Mit Social Media kann man die Bürger dort erreichen, wo sie sowieso sind.» Hans-Dieter Zimmermann, Dozent für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule St. Gallen, ist vom Nutzen von Social Media wie Facebook überzeugt. «Die Kultur der direkten Demokratie erfordert es, den Puls der Bevölkerung zu spüren.» Das werde schwierig, wenn man nicht die Medien nutze, die von den Bürgern genutzt würden.

Nur Lichtensteig auf Facebook

Bei den Toggenburger Gemeinden teilt man diese Ansicht bisher nicht vollständig. Einzig Lichtensteig ist auf Facebook vertreten. Den Account betreut Mirjam Hadorn, die Kulturvernetzerin der Gemeinde, zusammen mit dem Stadtpräsidenten Mathias Müller. «Der Entscheid, uns auf Facebook zu präsentieren, war eine Folge der Strategieentwicklung vor einigen Jahren», sagt Hadorn. «Wir haben beurteilt, wie wir einzelne Zielgruppen am besten erreichen können, und uns zum Ziel gesetzt, die Online-Präsenz massiv zu erhöhen.» Inhaltlich setzt die Gemeinde vor allem auf eher kurzfristige Informationen und auf Unterhaltendes. «Für die grundsätzlichen, langfristig gültigen Informationen zur Gemeinde ist die Webseite nach wie vor geeigneter», erklärt Hadorn.

Viele Heimweh-Lichtensteiger

Aktuell weist die Facebook-Seite der Gemeinde Lichtensteig rund 600 Likes auf. «Wir haben aber festgestellt, dass darunter auch einige Heimweh-Lichtensteiger sind, die so den Bezug zur Heimat erhalten möchten», gibt Hadorn einen Einblick in die Nutzer der Seite. Organisatorisch sei die Webseite schon ein zusätzlicher Aufwand. Mit einem Redaktionsplan sei das aber gut zu machen. Natürlich müsse man im Notfall schnell reagieren können, dafür sei die Handy-App sehr praktisch. Zu einem kritischen Vorfall sei es bisher noch nicht gekommen. Weitere Kanäle sind vorerst nicht geplant.

Zehn Stellenprozente nötig

Bei allen anderen Gemeinden lässt sich kein Facebook-Auftritt finden. Doris Gmür-Hinterberger, Ratsschreiberin der Gemeinde Nesslau, sagt, dass die Frage in ihrer Gemeinde noch gar nie aufgekommen sei. Zurzeit sei sogar der Zugriff auf Facebook auf den Rechnern der Verwaltung gesperrt. Auch in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann habe man sich noch gar nicht überlegt, ob man auf diesen Kanälen auftreten wolle, erklärt Ratsschreiberin Sabrina Koller. Stärker damit auseinandergesetzt hat sich die Gemeinde Kirchberg. Ratsschreiber Magnus Brändle sagt: «Wir sind hin- und hergerissen.» Vor allem die nötigen Ressourcen bereiten Brändle Sorgen. «Wenn wir mit Facebook beginnen, wollen wir das richtig machen.» Er verweist auf eine Aussage von Tanja Huber, Autorin des «Leitfaden Social Media Kommunikation für Gemeinde- und Stadtverwaltungen», die in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift «Schweizer Gemeinde» erwähnt wird. Untersuchungen hätten gezeigt, dass etwa zehn Stellenprozente nötig sind, um einen Social-Media-Auftritt zu betreuen. In der Gemeinde Kirchberg käme zudem hinzu, dass auf den 1. Januar ein eigenes Gemeindeblatt lanciert wurde, das ebenfalls Ressourcen binde. «Wir bewerkstelligen das schon ohne zusätzliches Personal. Deshalb möchten wir erst mal schauen, wie sich das Gemeindeblatt etabliert, bevor wir eventuell mit Social Media starten.»

Facebook nur mit Interaktion

Auch Zimmermann betont, dass man es ernsthaft machen muss: «Facebook zum Beispiel bietet Möglichkeiten, sofort zu reagieren und unmittelbares Feedback zu erhalten. Daran muss man sich erst gewöhnen. Facebook lediglich als Informationskanal zu nutzen, ohne die Interaktion zu suchen, macht wenig Sinn.» Wegen des Aufwands sieht er denn auch eher einen Auftritt auf Facebook als auf Twitter. «Auf Facebook sind mehr Leute zu finden und es ist weniger komplex als Twitter.»

Huber geht im erwähnten Artikel weiter. Die Kommunikation auf Plattformen wie Facebook oder Twitter hätte das Potenzial, die schwindende Partizipation der Bürger zu mindern. Die Bürger würden auch erwarten, dass man sie dort informiere, wo sie sich aufhielten. Dem stimmt auch Zimmermann zu. In der Gemeinde Grabs begleitet er deshalb aktuell ein Projekt, das Kinder und Jugendliche in die politische Gemeindearbeit aktiv einbeziehen will. «Das Projekt basiert auf elektronischen Medien.» Zimmermann ist überzeugt, dass sich solche Projekte durchsetzen werden.

Hans-Dieter Zimmermann Fachhochschule St. Gallen, Dozent für Wirtschaftsinformatik (Bild: Michel Canonica)

Hans-Dieter Zimmermann Fachhochschule St. Gallen, Dozent für Wirtschaftsinformatik (Bild: Michel Canonica)

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