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TOGGENBURG: Mysteriöses Fischesterben in der Thur: Kanton reduziert die Fangzahlen

Die drei Fälle von Fischsterben, die sich in den Jahren 2015 bis 2017 jeweils im August in der Thur ereigneten, haben Konsequenzen für die Fischer. Sie dürfen nicht mehr gleich viele Fische aus dem Fluss holen wie früher.
Martin Knoepfel
Das Fischsterben in der Thur im August 2015, 2016 und 2017 traf nur Bachforellen unterhalb der Staumauer beim Soorpark. (Bild: Martin Knöpfel)

Das Fischsterben in der Thur im August 2015, 2016 und 2017 traf nur Bachforellen unterhalb der Staumauer beim Soorpark. (Bild: Martin Knöpfel)

Unterhalb des Soor-Parks in Bütschwil wurden in den Jahren 2015, 2016 und 2017 jeweils ein Fischsterben in der Thur festgestellt. Das Fischsterben trat in all den drei Jahren immer im August auf, wobei es sich von 2015 auf 2016 verschlimmerte (Bericht in dieser Zeitung).
Die Opfer waren die Bachforellen, während die an und für sich empfindlicheren Äschen und andere ebenfalls in der Thur lebenden Fischarten von diesem Verhängnis verschont blieben. Auffällig an diesen drei Ereignissen war zudem, dass im Necker, in den Seitenbächen der Thur und auch in den Pachtstrecken 1 und 2 in der Thur kein Massensterben von Forellen festgestellt wurde.

Jungfische erholten sich in Steinach

Vom Fischsterben betroffen waren ebenfalls Jungtiere der Bachforellen in der Hälteranlage des Fischereivereins Thur. Es gelang aber auch, geschädigte Jungtiere aus der Hälteranlage nach Steinach zu bringen, wo sie sich erholten. Zudem wurden in der Hälteranlage versuchsweise Regenbogenforellen gehalten. Diese erlitten ebenfalls Organschäden, überlebten aber.
In der Hälteranlage werden Jungfische gehalten, damit man später den Laich gewinnen kann. Der befruchtete Laich wird hingegen nicht in der Hälteranlage grossgezogen, sondern in der kantonalen Fischzuchtanlage. Die Hälteranlage befindet sich in beim Kleinkraftwerk Mühlau zwischen Lütisburg und Bazenheid. Sie wird von der Thur aus mit Wasser versorgt. Wegen des hohen Wasserbedarfs sei keine andere Versorgung möglich, sagt Markus Brunner. Der Zuzwiler ist Präsident des Fischereivereins Thur (FVT). Der Verein hat vom Kanton das Fischereirecht in der Thur im Abschnitt zwischen Ulisbach und der Kantonsgrenze bei Bischofszell gepachtet.

Man tappt immer noch im Dunkeln

Bei der Suche nach den Ursachen des Fischsterbens tappt man offenbar immer noch im Dunkeln. Bei Forellen, die im August tot aufgefunden und von Fachleuten untersucht wurden, stellte man massive Veränderungen an Leber und Herzen fest. Bei Tieren, die man im Juli gefangen hatte, fand man dagegen noch keine solchen Organveränderungen. Das heisst es in der Einladung zur ordentlichen Hauptversammlung des Fischereivereins Thur von morgen Samstag. Man geht davon aus, dass die toten Fische zu wenig rote Blutkörperchen im Blut hatten – man spricht in diesem Fall von Blutarmut – und deshalb erstickten. Die Bachforellen hätten zudem versucht, in kühlere Seitenbäche aufzusteigen.

Das Fischsterben in der Thur im August 2015, 2016 und 2017 traf nur Bachforellen unterhalb der Staumauer beim Soorpark. (Bild: Martin Knöpfel)

Das Fischsterben in der Thur im August 2015, 2016 und 2017 traf nur Bachforellen unterhalb der Staumauer beim Soorpark. (Bild: Martin Knöpfel)

Dass das Fischsterben nur im August und nur in der Thur aufgetreten ist, spricht gemäss dem Text in der Einladung zur Hauptversammlung gegen eine Krankheit und für einen Giftstoff als Ursache für das Verhängnis. Das grosse Einzugsgebiet, in welchem die Forellen betroffen seien, widerspreche hingegen dem klassischen Bild einer Vergiftung, heisst es an gleicher Stelle.

Markus Brunner bestätigt, dass man in Bezug auf die Ursache des Fischsterbens noch im Dunkeln tappt. An Spekulationen will er sich nicht beteiligen. «Vor einigen Jahren hat es in Bayern ein ähnliches Ereignis gegeben. Man hat umfangreiche Untersuchungen gemacht, keine Ursache für das Fischsterben gefunden – und plötzlich hat dieses aufgehört», erinnert sich Markus Brunner. Unterhalb von Bütschwil sei eine stationäre Messanlage für die Überwachung der Wasserqualität der Thur geplant, sagt er. Die Anlage könne rund 10 000 Stoffe identifizieren. Die Anlage wird vom Kanton, dem die Thur gehört, aufgestellt.

Kanton reagiert auf Ereignisse

Das Fischsterben in den vergangenen drei Sommern in der Thur hat Folgen für die Fischer. Das kantonale Amt für Natur, Jagd und Fischerei will die Zahl der Forellen herabsetzen, die in der Thur gefangen werden dürfen. Konkret dürfen die Fischer ab diesem Jahr nur noch Forellen von mindestens 32 Zentimetern Länge entnehmen. Die Beschränkung tritt mit dem Saisonbeginn vom 16. März in Kraft.

Der Vorstand des Fischereivereins Thur will darüber hinaus die Zahl der Edelfische, die die Mitglieder jährlich fangen dürfen, auf 40 halbieren. Als weitere Einschränkung kommt dazu, dass maximal drei Fische pro Tag gefangen werden dürfen. Der Vorstand begründet seinen Antrag an die Vereinsmitglieder mit dem Bachforellensterben.
Edelfische bedeutet in der Statistik weitgehend Bachforellen. Die Beschränkung auf 40 Edelfische pro Jahr betreffe in der Praxis aber nur wenige Vereinsmitglieder, ist Markus Brunner überzeugt.
Halbierung der Zahl der Bachforellen zu erwarten

In der Fischfangstatistik des FVT ist von 2014 auf 2015 ein deutlicher Rückgang bei den Bachforellen festzustellen. (Die Bachforellen machen den Löwenanteil der Fänge aus. Für Äschen ist seit 2012 ein Fangmoratorium in Kraft.) In der Statistik fürs Jahr 2014 waren noch 3596 Bachforellen verzeichnet. Die Zahl ging 2015 auf 1551 Tiere zurück und erholte sich 2016 mit 2358 Tieren wieder, ohne aber das Niveau vor dem ersten der drei Fischsterben zu erreichen. 2017 sank die Zahl der Bachforellen erneut deutlich, auf 1632 Exemplare. Markus Brunner geht davon aus, dass das höhere Mindestmass dieses Jahr zur Halbierung der Zahl der entnommenen Forellen führen wird. Er weist darauf hin, dass man 1976 noch rund 22 000 Forellen auf dieser Strecke gefangen habe.

Rückgang um 90 bis 95 Prozent

Die Pachtstrecken 1 und 2 liegen oberhalb der Staumauer Soor, Bütschwil. Die Pachtstrecken 3 bis 6 reichen von der Staumauer aus flussabwärts. Die Fischfangstatistik der Strecken 1 und 2 weist von 2014 auf 2015 ebenfalls Rückgänge auf. Seither haben sich die Fangzahlen aber wieder erholt und erreichten im Jahr 2017 fast das Niveau von 2014. In den Strecken 3 bis 6 ist das nicht der Fall. Die Zahlen von 2017 betragen bei den Abschnitten 4 und 5 nur noch rund einen Zwanzigstel der Werte von 2014. In den Strecken 3 und 6 ist der Rückgang rund 90 Prozent etwas geringer.

Die Bachforellen sind besonders vom Fischsterben bedroht. (Bild: Matthias Giger)

Die Bachforellen sind besonders vom Fischsterben bedroht. (Bild: Matthias Giger)

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