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TOGGENBURG: Mit der Nummer 95 talaufwärts

Ein Gewässer und eine Route, die so heisst wie der Fluss. Wer mit dem Velo losfährt, entdeckt viel Schönes und schaut über weniger Gutes hinweg.
Liska Meier
Kurz nach Ganterschwil führt die Route auf die Sonnenseite. Bütschwil umfährt man bis ins Ausserfeld in einem grossen Bogen.

Kurz nach Ganterschwil führt die Route auf die Sonnenseite. Bütschwil umfährt man bis ins Ausserfeld in einem grossen Bogen.

Liska Meier

liska.meier

@toggenburgmedien.ch

«Der heute gefahrenen Etappe gebe ich mit über 90 Prozent Zufriedenheit eine sehr gute Note», sagte Kollege Mitvelofahrer nach getaner gemeinsamer Tour. «Es hatte ein paar wirklich sehr schöne Sequenzen, und nur ein paar Kleinigkeiten empfand ich als störend», erklärte er weiter. Er setzte sich vor Alt St. Johann neben der Thur auf ein Bänkli und fasste die bis anhin gefahrenen rund 50 Kilometer zusammen. Was war denn bis jetzt schön am Wegstück auf der Route 95 durchs Toggenburg, wovon der Abschnitt von Oberrindal nach Wildhaus unter die Räder genommen wurde?

Durch die Hintertüre nach Wattwil

Zwischen Lichtensteig und Nesslau war es berauschend. Rauschend, weil die Thur immer irgendwie in der Nähe war und viel Wasser führte. Berauschend, weil die Sonne schien. Weil die Churfirsten und die Bergketten mit dem Speer vor allem im unteren Teil des Tales immer vor Augen und zielführend waren. Weil die Wälder im Frühlingskleid hellgrün leuchteten und die Wiesen vor der ersten Heuet noch gelb blühten. Schön war es, der Thur entlang von Lichtensteig nach Wattwil zu fahren und die Toggenburger Zentrumsmetropole quasi durch die Hintertüre und durch die Wohnquartiere wie die Schomatten zu erkunden. Spannend waren die Einblicke entlang des Veloweges an der Thur in die Vorgärten und Hinterhöfe der Wohnblöcke. Sich vorzustellen, wer wohl dort wohnt. Wem das Dreirad am Wegrand gehört und wann wohl auf dem gestylten Cheminée zur nächsten Grillparty geladen wird, machte einen Teil des guten Gefühls aus und befriedigte ein Stückchen des ureigenen Voyeurismus. Fährt man von Wattwil aus weiter, führt die Route vorbei an den Hochhäusern zur Scheftenau und via Mettlen nach Ebnat-Kappel. Schmuck sind die Häuser am Wegrand. Weiter geht es über den Blomberg in leichter, stetiger Steigung nach Trempel bei Krummenau. Wieder leicht ansteigend nimmt einen die Nummer 95 mit über Krümmenswil, Schwand und Thurrain. Und nach einer kurzen Schussfahrt fährt man in Nesslau ein. Passiert hat man auf dieser Strecke mit wenig Verkehr unzählige Wohnhäuser im typischen Toggenburger Stil. Schöne und weniger schöne. In Betrieb stehende Bauernhäuser, aber auch Höfe, die schon längst aufgegeben wurden und vor sich hin lottern. Gärten, wo der Salat grad frisch gepflanzt wurde, und solche, wo bereits die Radieschen geerntet wurden. Vorbei kam man an Weiden, Kühen, Kälbern, Pferden, Geissen, Schafen, Enten, Spaziergängern und Gaststätten. An Wohnwagen im Unterstand, bereit für den nächsten Urlaub. An alten Traktoren, auf Hochglanz poliert. Und an modernen Geräten für die Graslandwirtschaft. Kehrte man sich um, war der Blick zurück über das bereits Gefahrene mit Ebnat-Kappel im Bildmittelpunkt schöner als der Blick vorwärts in die Enge und auf den Knick im Tal bei Starkenbach.

Daran war aber auch das Wetter schuld. Lachte rund um Wattwil die Sonne vom Himmel und leuchteten die Churfirsten weiss im Frühlingsschnee, so ballten sich die Wolken bei Stein rund um den Goggeien schwarz und dräuend zusammen. Die Churfirsten versteckten sich hinter einer Ladung Donnerwetter. Weil man näher kam, wurden die Hänge steiler, und dies verunmöglichte einem zusätzlich die Sicht auf die erhabenen Zacken.

Schutzweste und murmelnde Thur

Jetzt war es auch an der Zeit, auf der Velotour die «lärmresistente Schutzweste» anzuziehen, das Gehör auf Durchzug zu stellen und die Konzentration auf den Strassenverkehr und auf den eigenen Abstand zum Randstein zu richten. Denn die Veloroute führte von Nesslau aus entlang der Kantonsstrasse ohne gelben Velostreifen über Germen und Stein bis nach Starkenbach. Motorrad um Motorrad überholte einen dröhnend, und ganze Reihen von Sonntagsausflüglern fahren mit ihren Karren in zu geringem Abstand an einem vorbei. Man atmete auf, als man bei Burg beim Steinbruch in Starkenbach die Kantonsstrasse verlassen durfte und auf der 95 entlang der murmelnden Thur, die immer noch viel Wasser führte, mit geringem Höhenunterschied nach Alt St. Johann fahren konnte. Jetzt dominierten der Wildhauser Schafberg, der Säntis und der schneebedeckte Rotsteinpass das Blickfeld.

Also, wo sind sie geblieben, die störenden Kleinigkeiten der Route 95 durchs Toggenburg? Die finden sich unter anderem auch in den unteren Abschnitten des Tals. Zum Beispiel bei Bütschwil, Dietfurt und dem Nadelöhr Dietfurter-Brücke. Welche man mit Vorteil an einem Sonntag passiert, wenn noch keine Sattelschlepper das Tal aufwärts schnaufen. Eine separate Fahrradführung gibt es nicht. Auch das Stück von Jonschwil bis nach Lütisburg und Ganterschwil führte entlang der Hauptstrasse und teils ohne Velostreifen. Der Abschnitt ist dementsprechend mit Vorsicht und ohne Schwenker zu befahren. Balsam für die Konzentration war der folgende Abschnitt von Ganterschwil über Ötschwil nach Bütschwil. Übrigens konnte man auch nach Alt St. Johann die «Schutzweste» noch nicht verstauen. Bis zum Abzweiger Munzenriet in Wildhaus fuhr man die Strecke entlang der Kantonsstrasse, und erst später ging die Route wieder abseits der Hauptstrasse weiter.

Schluss mit Schuss ins Rheintal

«90 ist doch fast 100», sagte der Kollege. Stimmt. Wer will denn da auf den restlichen zehn Prozent herumreiten. Sollen die Töffs fräsen und lärmen und die Sonntagsfahrer ihre Tour geniessen. Wer übrigens auf dem 95gi weiterfährt, trifft in Buchs ein. Und wird vorher auf der Schlussschussfahrt belohnt mit einem genussvollen und grandiosen Blick übers Rheinthal.

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