TOGGENBURG: Lage nicht als bedrohlich beurteilt

Der Sommer war bisher überwiegend warm und trocken. Das begünstigt die Vermehrung der Borkenkäfer. Auch wegen Stresserscheinungen der Bäume wäre aus Sicht der Förster Regen ein Segen.

Martin Knoepfel
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Ein Borkenkäfer der Art Buchdrucker arbeitet sich durch die Rinde einer Fichte. (Bild: KY/Winfried Rothermel)

Ein Borkenkäfer der Art Buchdrucker arbeitet sich durch die Rinde einer Fichte. (Bild: KY/Winfried Rothermel)

Der warme Sommer erfreut nicht nur die Besucher und Betreiber von Freibädern und Garten­restaurants. Den Borkenkäfern, genauer der Art Buchdrucker, ist es bei diesem Wetter tierisch wohl. Das zeigt sich in den Wäldern im Norden des Kantons ­Zürich, wie vor kurzem die «Neue Zürcher Zeitung» schrieb.

Wie ist nun die Lage im Toggenburg? Es gebe Käfernester, aber der Befall sei nicht extrem viel stärker als in anderen Jahren, und er sei auf jeden Fall weniger stark als im Kanton Zürich. Das sagt Heinz Engler, Geschäfts­führer von Holzmarkt Ostschweiz, Brunnadern. Im Fürstenland und in der Region Wil sei das Problem grösser als im Toggenburg. Allerdings erwartet Heinz Engler nach den Ferien weitere Meldungen über von Borkenkäfern befallene Bäume.
 

Toggenburg profitiert von lehmigen Böden

Christof Gantner, Regionalförster der Waldregion 5, schätzt die ­Situation ähnlich ein wie Heinz Engler. Die Waldregion 5 umfasst den Grossteil des Toggenburgs. Christof Gantner spricht von einer leichten Zunahme des Käferbefalls im Vergleich zu 2016. «Entscheidend ist jetzt, wie das Wetter im Spätsommer wird», sagt er. «Der Vorteil des Toggenburgs besteht darin, dass es niederschlagsreich ist und viele lehmige Böden hat, die Wasser gut speichern», sagt er. Christof Gantner erinnert aber auch daran, dass der Frühling 2016 trocken war und dass vom Sommer 2016 bis in den Winter 2016/2017 hinein fast keine ­Niederschläge gefallen sind. Die Trockenheit sei Stress für die Bäume und habe deren Abwehrkräfte geschwächt. Dieses Jahr sei es früh warm geworden, und Wärme beschleunige die Vermehrung von Insekten, sagt er. An und für sich können sich Fichten gegen Borkenkäfer wehren. Wenn diese einen Baum befallen, sondert dieser Harz ab, um die Käfer, die sich unter der Rinde einnisten, zu ertränken.

Nicht zur Waldregion 5 gehören die Forstreviere Kirchberg und Magdenau. «Aus Förstersicht sollte es drei Wochen am Stück regnen», sagt Marco Signer, Revierförster von Kirchberg. «Dem Wald sieht man die Trockenheit an, etwa an Kronenverlichtungen bei Weisstannen, die zeigen, dass die Bäume leiden. Der Borken­käferbefall ist etwa gleich stark wie 2016. Wir sind daran, das ­Käferholz zu rüsten», sagt Marco Signer. Auch er verweist auf die Gefahr, dass sich die Borkenkäfer massiv vermehren, wenn der Herbst warm wird. Zugleich hofft er auf eine Entspannung, da die Tage jahreszeitlich bedingt kürzer werden. Nach den Sommerferien habe man einzelne Käfernester in Einzelbäumen oder Baumgruppen festgestellt, sagt Ralph Haas, Revierförster von Magdenau. Das Forstrevier umfasst nicht nur die Wälder des Klosters Magdenau, sondern auch diejenigen auf dem Gebiet von Lütisburg. Die Situation sei nicht dramatisch, und gegenüber 2016 sei kein höherer Käferbefall festzustellen. Käferholz werde möglichst rasch gerüstet. «Von einer Invasion kann man nicht sprechen. Wir haben die Situation im Griff», sagt Ralph Haas. Er erwartet allerdings, dass noch einige Käfernester bemerkt werden. Positiv für den Wald sei es, wenn es noch etwas Regen gebe.

Die Wälder am Abhang von Wildhaus in Richtung Rheintal sind laut Heinz Engler vor allem Laubwälder und haben fast nie Probleme mit dem Borkenkäfer. Solche Probleme gebe es vor allem auf relativ trockenen Böden, etwa Nagelfluh- oder Kiesböden.

Käferholz bringt weniger Geld

Damit sich die Borkenkäfer nicht zu sehr vermehren, muss man ­befallene Bäume rasch schlagen und aus dem Wald hinaustransportieren. Waldbesitzer freut das nicht, denn für «Käferholz» gibt es weniger Geld als für das Holz nicht befallener Bäume. Die ­Borkenkäfer trügen einen Pilz auf sich, der relativ rasch zur Blau­färbung des befallenen Holzes führe, sagt Heinz Engler. Er beziffert die Preiseinbusse bei Käferholz auf ungefähr einen Drittel. Das ist mehr als die Gewinnmarge der Waldbewirtschaftung im Toggenburg. «Man kann nichts machen, das Holz muss weg», sagt Heinz Engler. Er bestätigt, dass die meisten Forstbetriebe im Toggenburg gerade kostendeckend oder mit Defizit arbeiten.

Man müsse die Situation beobachten, ohne in Panik zu verfallen, sagt Heinz Engler. Jetzt sei die zweite Generation der Käfer da. Wenn der August und der September sehr trocken seien, könne es eine dritte Generation geben, was eine starke Zunahme des Käferbefalls bedeuten würde. Das komme aber selten vor.