TOGGENBURG: Kritik an Zeitpunkt für den ersten Schnitt

Eine Interpellation im Kantonsrat möchte mehr Freiheit für die Bauern beim Mähen von Streuflächen und ökologischen Wiesen. Das Toggenburg ist davon stark betroffen.

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Dieses Jahr seien die vorgeschriebenen Schnittzeitpunkte für die ökologischen Wiesen und Streuflächen zu spät gewesen. Dies wegen der schon weit fortgeschrittenen Entwicklung der Vegetation. Das heisst es in einer Interpellation, die am Dienstag letzter Woche im Kantonsrat eingereicht wurde. Erstunterzeichner sind Walter Freund (SVP, Eichberg), Rolf Huber (FDP, Oberriet), Seline Heim (CVP, Gossau) und Silvia Kündig (Grüne, Rapperswil-Jona).

Die Bauern hätten das schöne Wetter nicht ausnutzen können. Die Qualität des Schnittguts habe stark gelitten, schreiben die Interpellanten. Sie betonen, dass die Bauern immer weniger Verständnis für starre Zeitfenster für den Schnitt auf den ökologischen Wiesen und Streuflächen hätten. Die Interpellanten erkundigen sich sodann nach dem Spielraum, den der Kanton hat, um unterschiedliche Zeitpunkte für den Schnitt in den einzelnen Regionen festzulegen. Sie regen an, die Bauern in die Wahl der Schnittzeit einzubeziehen. Davon versprechen sich die Interpellanten eine qualitativ besseres Schnittgut. Das Toggenburg sei dieses Jahr speziell benachteiligt, schrieb Walter Freund der Redaktion dieser Zeitung.

«Es geht vor allem um die Streuflächen»

Andreas Widmer ist Geschäftsführer des kantonalen Bauernverbandes und CVP-Kantonsrat. Er betont, dass es im Vorstoss vor allem um Streuflächen gehe. Man dürfe sie frühestens am 1. September schneiden. Das Toggenburg habe überdurchschnittlich viele Streuflächen. Bis Ende August sei das Wetter hochsommerlich gewesen. Dann sei die Wetterwende gekommen. Das Problem liegt laut Andreas Widmer darin, dass die Bearbeitung von Streuflächen nach starkem Regen erschwert ist und Schäden an den Böden entstehen können.

Ökologische Wiesen, die nicht gedüngt werden dürfen, darf der Bauer im Talgebiet frühestens am 15. Juni schneiden. In den Bergzonen 1 und 2 respektive 3 und 4 ist der früheste Schnittzeitpunkt der 1. Juli beziehungsweise der 15. Juli. Der Bund legt das Datum des Grundschnittes fest, wobei der Kanton dieses in Einzelfällen vorverlegen kann.

Zwölf Prozent ökologische Ausgleichsflächen

In einem warmen Frühling sei es aus Ertrags- und ökologischen Gründen vertretbar, die Wiesen früher zu schneiden. Das Gras werde nach dem Schnitt getrocknet. Altes Heu habe weniger Nährwert als junges. Zudem sei die Artenvielfalt auf Flächen, die später geschnitten würden, kleiner, sagt Andreas Widmer. Seiner Ansicht nach wäre es wünschenswert, dass die Öffentlichkeit den Bauern in dieser Frage mehr Entscheidungsfreiheit gibt.

Jeder Bauernbetrieb muss laut Andreas Widmer mindestens sieben Prozent der Fläche als ökologische Ausgleichsfläche bewirtschaften. Im Kanton St. Gallen seien es effektiv über zwölf Prozent. Bei Flächen in Schutzzonen und bei Flächen, die dem Gesetz zur Abgeltung ökologischer Leistungen unterstehen, kann man das früheste Datum des Schnitts vertraglich festlegen. Es sei für Bauern nicht einfach, sich in diesen Regeln zurechtzufinden, sagt Andreas Widmer.

Martin Knoepfel

martin.knoepfel@toggenburgmedien.ch