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TOGGENBURG: Er sieht sich als Querdenker

Markus Näf ist seit dem 1. Januar stellvertretender Kommandant der Territorialdivision 4. Das war verbunden mit der Beförderung zum Brigadier. Markus Näf ist gegenwärtig der dritte Toggenburger, der den Rang des Brigadiers bekleidet.
Martin Knoepfel
Markus Näf ist seit dem 1. Januar Brigadier und stellvertretender Kommandant der Territorialdivision 4. (Bild: PD)

Markus Näf ist seit dem 1. Januar Brigadier und stellvertretender Kommandant der Territorialdivision 4. (Bild: PD)

Auf dieses Hobby kommt man auch mit viel Raten nicht. Also lassen wir das Rätseln sein. Markus Näf ist Präsident der Vereinigung der Freunde des Balletts des Opernhauses Zürich. «Man kann so einen Blick hinter die Kulissen des Kunstbetriebs werfen. Das ist faszinierend.» Und scherzend merkt er an: «Die Tänzerinnen und Tänzer können besser in Reih und Glied marschieren als viele Soldaten». Der aus dem Toggenburg stammende Rechtsanwalt Markus Näf ist seit dem 1. Januar stellvertretender Kommandant der Territorialdivison 4 (Ter Div 4, siehe Zusatzartikel) im Rang eines Brigadiers.

«Geniebataillone sind grosse Bauunternehmen»

Den Einwand, Berufssoldaten seien Profis, lässt er nicht gelten und nutzt die Gelegenheit für einen Werbespot in Sachen Milizarmee: «Milizsoldaten und Milizoffiziere können genau so professionell sein wie Berufsmilitärs» sagt er und weist auf die Ter Div hin. «Die Genie-Bataillone, die zu den Ter Div gehören, sind grosse Bauunternehmen. Die Soldaten und Offiziere sind fast alle in der Baubranche tätig. Auch die Stäbe bestehen mehrheitlich aus Milizoffizieren. Die Armee profitiert auf allen Stufen von den beruflichen Fähigkeiten der Wehrmänner. Milizler bringen zudem eine konstruktive und kritische Sicht von aussen in die Welt der Berufsmilitärs.»

Ob er das auch auf sich bezieht? «Ich wurde vom Bundesrat ernannt und kann nur vom Bundesrat wieder abberufen werden», sagt er. Er sieht sich als Querdenker, der die zivile Sicht einbringt in ein Umfeld, das von der Verwaltungen und von Berufsmilitärs geprägt ist.

Die drei Brigadiers aus dem Toggenburg: Peter Baumgartner, Markus Näf und Willy Brülisauer (von links). (Bild: Martin Knoepfel)

Die drei Brigadiers aus dem Toggenburg: Peter Baumgartner, Markus Näf und Willy Brülisauer (von links). (Bild: Martin Knoepfel)

Die Ernennung zum stellvertretenden Kommandanten der Ter Div 4 ist mit der Beförderung zum Brigadier, also zum Ein-Stern-General, verbunden. Mit Markus Näf bekleiden gegenwärtig drei Toggenburger diesen Rang. Mit dem 20-Prozent-Pensum ist er Teilzeit-Berufsoffizier. Dem gewinnt er allerdings nur Vorteile ab. «Das setzt Grenzen, und man muss sich auf das Wesentliche beschränken. Zudem will das Parlament auf dieser Führungsebene nicht nur Berufsoffiziere». Die Kombination von Jurisprudenz, Unterricht an der Fachhochschule und Militär sei abgesehen davon viel spannender als eine Vollzeit-Tätigkeit in der Armee, sagt Markus Näf. Kommandant der Ter Div 4 zu werden, sei deshalb nicht sein Ziel. Das bestätigt er auf die Frage des «Toggenburger Tagblatts».

«Die Armee kann eine Brücke von 150 Metern in 24 Stunden erstellen»

Als stellvertretender Kommandant der Ter Div 4 wird sich Markus Näf auf die Ausbildung der Stäbe und der Truppe sowie auf die Zusammenarbeit mit den zivilen Behörden fokussieren. Welches Szenario er «seiner» ersten Übung zu Grunde legen wird, weiss er aber noch nicht. «Eine Naturkatastrophe kann rasch passieren. Dann braucht es Mittel und Manpower, die in kurzer Zeit verfügbar sind. Die Armee kann zum Beispiel eine Brücke von 150 Metern in 24 Stunden erstellen. Die Armee hat schweres Gerät zur Räumung von Trümmern. Es lohnt sich nicht, wenn jeder Kanton für sich solches Material beschafft». Man müsse aber auch weniger naheliegende Szenarien durchspielen, findet Markus Näf, zum Beispiel eine Pandemie, ein Erdbeben, einen Black-Out oder die Notwendigkeit, die Landesgrenze stärker zu schützen. Markus Näf war stellvertretender Projektleiter einer Übung, die Letzteres zum Thema hatte. «Übungen zeigen, wo die Schwächen liegen», sagt er. «Man will diese Schwächen aber nicht immer wahrhaben», räumt er ein.

«Den Kasernenhofton habe ich seit 20 Jahren nicht mehr gehört»

Seinen Führungsstil bezeichnet Markus Näf als konsensorientiert. «Ich beziehe die Mitarbeiter ein, aber es ist klar, wer entscheidet und die Verantwortung trägt. In Krisen wird erwartet, dass rasch entschieden wird. In der Armee wird wesentlich menschen- und konsensorientierter geführt als in vielen Grossunternehmen. Den Kasernenhofton habe ich seit 20 Jahren nicht mehr gehört», betont er. «Es ist bei Katastrophen sehr wichtig, dass die Führungsorgane geübt sind und gelernt haben, miteinander zusammenzuarbeiten», stellt Markus Näf klar. Er war von 2009 bis 2014 Stabschef der Territorialregion 2 und hat dort einen Stab von rund 150 Offizieren, mehrheitlich Milizoffiziere, geleitet. «Die Führung eines solchen Stabes ist dem Management eines grossen Projekts sehr ähnlich».

Zu denken gibt Markus Näf, dass für viele Menschen in der Schweiz die Sicherheit nicht mehr im Vordergrund steht. «Sie ist einfach da». Seit Beginn dieses Jahrzehnts explodierten global die Rüstungsausgaben, aber das werde nicht zur Kenntnis genommen. «Es ist auch wieder salonfähig geworden, militärische Macht einzusetzen, die Balkankriege in den neunziger Jahren, die Krim und die Ostukraine sind Beispiele. Und den Krieg in Syrien bekommt man nicht in den Griff», sagt Markus Näf.

KOG-Vorstand als Sprungbrett für die Militärkarriere?

Die Offiziersgesellschaft (OG) Toggenburg feierte ihr Mitglied Markus Näf am Freitagabend in Lichtensteig. Die OG Toggenburg sei ungeheuer stolz darauf, dass Markus Näf zum Brigadier ernannt worden sei, sagte OG-Präsident Christian Hildebrand. «Die Beförderungsfeier ist ein unglaublich guter Anlass, denn sie wird schon zum dritten Mal durchgeführt», sagte Kantonsratspräsident Ivan Louis. Jürg Gygax, früherer Präsident der kantonalen Offiziersgesellschaft (KOG), hielt die Laudatio und wies darauf hin, dass aus dem KOG-Vorstand der Jahre 2001 bis 2004 drei Brigadiers hervorgegangen seien. Markus Näf stehe für eine Sache ein, die er als richtig ansehe, betonte Jürg Gygax.

Ein sichtlich gerührter Markus Näf wies auf die Bedeutung der Kameradschaft im Militär hin. Zentral seien die Menschen, die einem begleiteten und die Vorbilder seien. Wenn man sage, dass verantwortungsvolle Positionen auch Milizoffizieren offen stehen sollten, könne man nicht Nein sagen, wenn es eine konkrete Anfrage gebe, betonte der frischgebackene Brigadier.

Anwalt und Spezialist für Informatikrecht

Der Neckertaler Markus Näf hat Jahrgang 1967. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre in Mogelsberg und arbeitete später für die Schweizerische Bankgesellschaft – heute UBS –, wo er bis 1994 das Privatkundengeschäft im Toggenburg verantwortete. Später gründete er eine Beratungsfirma, studierte daneben Rechtswissenschaften und erwarb das Patent als Rechtsanwalt. Markus Näf ist heute in einer der grössten Anwaltskanzleien tätig und auf Informatikrecht spe-zialisiert. Das sowie Projektmanagement unterrichtet er auch an der Fachhochschule St. Gallen. Mehrere Jahre präsidierte Markus Näf das Organisationskomitee des Toggenburger Waffenlaufs. In die Region kommt er immer wieder. Seine Eltern und Brüder leben in Brunnadern und Hemberg. Er selber wohnt in der Nähe von Zürich. Für weitere Hobbies neben dem Präsidium der Freunde des Balletts Zürich, dem Beruf, dem Militär und dem Unterricht hat Markus Näf keine Zeit. Die Rekrutenschule (RS) absolvierte er als Infanterist in Liestal. Wegen der grossen Jahrgänge konnten damals nicht alle Ostschweizer in der Region in die RS. Er machte weiter und absolvierte nach der Unteroffiziers- und der Offiziersschule auch die Generalstabsausbildung und führte das St. Galler Bataillon 134. 2006 wurde er Unterstabchef der Territorial-Region 2, die Zentral- und die Nordwestschweiz umfasst. 2009 wurde Markus Näf zum Stabchef der Teritorialregion 2 ernannt und führte damit rund 150 Offiziere. 2017 wurde er angefragt, ob er stellvertretender Kommandant der Ter Div 4 werden wolle. Er wollte. (mkn)

Ostschweiz ist Einsatzraum

Es gibt vier Territorialdivisionen (Ter Div). Bis Ende 2017 hiessen sie Territorial-Regionen. Die Ter Div unterstützen die zivilen Behörden bei der Bewältigung von Natur- oder Technikkatastrophen und bei Grossanlässen wie internationalen Konferenzen. Zudem können die Wehrmänner der Ter Div Sicherungsaufgaben übernehmen oder in Krisenfällen wich-tige Infrastrukturen schützen. Schliesslich kann die Ter Div truppenleere Räume überwachen, wichtige Positionen einnehmen und halten sowie die Beweglichkeit mechanisierter Verbände sicherstellen. Der Einsatzraum der Ter Div 4 umfasst die Kantone St. Gallen, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Glarus, Schaffhausen, Thurgau und Zürich. Das Kommando ist in der Stadt St. Gallen angesiedelt. Die Ter Div 4 umfasst neben den Stäben sieben Bataillone mit zusammen knapp 6000 Wehrmännern. Eine grosse Stärke der Ter Div ist die Verbundenheit der Soldaten und Offiziere mit ihrem Einsatzraum. (mkn)

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