TOGGENBURG: Drei Hühner pro Einwohner

Weniger Betriebe, grössere Nutzflächen, mehr Biohöfe, weniger Beschäftigte und etwas mehr Ackerbau. Die landwirtschaftliche Strukturerhebung erlaubt neuerdings ein detailliertes Bild der Agrarregion Toggenburg.

Serge Hediger
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Die Zahl der Hühner im Toggenburg – im Bild ein Stall in Lütisburg – ist in den vergangenen fünf Jahren stark angestiegen. (Bild: Mareycke Frehner)

Die Zahl der Hühner im Toggenburg – im Bild ein Stall in Lütisburg – ist in den vergangenen fünf Jahren stark angestiegen. (Bild: Mareycke Frehner)

TOGGENBURG. Wie viele Höfe? Wie viele Bauern? Wie viele Kühe? Seit jeher legt die Schweiz jährlich Zahlen zu ihren Landwirtschaftsbetrieben vor. Lieferte die sogenannte landwirtschaftliche Strukturerhebung über Jahrzehnte hinweg nationale und kantonale Daten, so erhebt sie das Bundesamt für Statistik seit 2010 auch für die Bezirke oder Wahlkreise unseres Landes. Erstmals lässt sich nun also mit Zahlen über einen fünfjährigen Zeitraum hinweg die Frage beantworten: Wie viel Bauerntum steckt eigentlich noch im Toggenburg? Die Antwort muss differenziert ausfallen: Während die traditionelle Landwirtschaft auf dem Rückzug ist, zieht die biologische an. Während die Zahl der Kleinbetriebe abnimmt, nimmt jene der Grossbetriebe zu. Während Rindvieh und Schweine zahlenmässig zurückgehen, steigt die Zahl der Hühner.

Seit 2010 ist jeder zehnte Bauernhof verschwunden

Kantonsweit wurden vergangenes Jahr 4112 Landwirtschaftsbetriebe gezählt; fünf Jahre zuvor waren es noch 4592 (-10,5 %). Im vergleichbaren Rahmen gesunken ist die Zahl der Betriebe denn auch im Toggenburg – von 1345 auf 1221. Diese verschwundenen 124 Betriebe machen 9,2 Prozent aller Bauernhöfe aus. Der Rückgang trifft vor allem die Kleinbetriebe mit weniger als 10 Hektaren Nutzfläche. Ihre Zahl sank von 354 auf 291 (-17,8 Prozent). Auch die Zahl der mittelgrossen Bauernhöfe mit 10 bis 30 Hektaren Nutzungsfläche – also die weitaus meisten im Thur- und Neckertal – ist rückläufig: 2015 wurden 787 Betriebe gezählt, 2010 waren es 886 (-11,2 Prozent). Die Grossbetriebe mit mehr als 30 Hektaren Nutzungsfläche dagegen legten von 105 auf 143 Bauernhöfe zu (+36,2 Prozent). Dementsprechend stieg die durchschnittliche Nutzfläche pro Betrieb um 1,6 auf 17,5 Hektaren.

Jeder zwölfte Beschäftigte gab die Arbeit auf

Entsprechend der wachsenden Nachfrage nach Bioprodukten, wie sie beispielsweise die Grossverteiler schweizweit spüren, hat auch im Thur- und Neckertal der Anteil Biofläche an der landwirtschaftlichen Nutzfläche zugenommen. Zählte das Bundesamt für Statistik im Jahr 2010 noch 188 Betriebe mit 15,5 Prozent Biofläche, so verzeichnete es fünf Jahre später 206 Betriebe (+9,6 Prozent) mit 17,5 Prozent Bioflächenanteil (+12,9 Prozent).

Über den gleichen Zeitraum hinweg hat dagegen die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten um 8,9 Prozent von 3111 auf 2834 abgenommen. Im Toggenburg sind vier von fünf Bauernhöfe auf Weideviehbetrieb spezialisiert. Hier nahm die Zahl der Beschäftigten noch stärker ab: um 9,4 Prozent von 2705 auf 2452 Arbeitnehmende. Dass das Toggenburg Weideviehland ist, lässt sich noch an weiteren Zahlen ablesen – an der geringen Ackerbaufläche: Gerade mal 27 Hektaren Land sind aktuell mit Getreide (Mais, Weizen, Gerste) bepflanzt, 2010 waren es 17 Hektaren. Auch die Anbaufläche für sogenannte Hackfrüchte wie Futter- und Zuckerrüben oder Kartoffeln hat sich auf tiefem Niveau auf 4 Hektaren verdoppelt.

Gegenwärtig halten die Bauern im Toggenburg 38 161 Stück Rindvieh, 17 694 sind Kühe. 2010 waren es 39 209 Stück (17 476). Auch die Zahl der Schweine ist mit 35 025 (2010: 36 786) leicht rückläufig. Einzig das Federvieh legt zu: 2010 wurden im Toggenburg 93 674 Nutzhühner gezählt, fünf Jahre später sind es fast 50 Prozent mehr (139 481).

Das macht ziemlich genau drei Hühner pro Einwohner.