Töne, die sich gut vertragen

NEU ST.JOHANN. «Ich suche Töne, die sich gut vertragen», sagte der fünfjährige Mozart. Was aus diesen Worten geworden ist, haben 40 Musiker des Toggenburger Orchesters im Johanneum vorgespielt.

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Das Toggenburger Orchester begeisterte im Johanneum mit Mozart. (Bild: pd)

Das Toggenburger Orchester begeisterte im Johanneum mit Mozart. (Bild: pd)

Die Idee von Josef Rütsche, Präsident des Orchesters, fand sofort Anklang im Johanneum: ein wunderbares Konzert, ein genussvoller Abend nach einem alltäglichen Arbeitstag. Das wissen gerade auch Menschen mit geistiger Behinderung zu schätzen. Am vergangenen Mittwochabend durfte denn Peter Röösli, der Pädagogische und Therapeutische Leiter des Johanneums, das Toggenburger Orchester im Wohnheim Domino begrüssen und die zahlreichen Besucherinnen und Besucher willkommen heissen. Der Saal füllte sich bis auf den letzten Platz.

Ein grossartiges Konzert

Auf launige Art führte der Dirigent Ernst Hüberli durch das Programm und erklärte zuerst die verschiedenen Instrumente – Geige, Querflöte, Klarinette, Cello, Pauke; dann «die Stimme des Grossvaters», das Fagott. Schliesslich – zur Erheiterung der Besucher – ein Bild und eine Anekdote über das Wunderkind Mozart.

Als dann das Konzert begann, blieben selbst die jugendlichen Zuhörer still und lauschten den zuweilen sanften, dann wieder mitreissenden Klängen.

Die wundervollen Mozart-Werke boten dem Orchester Gelegenheit zur meisterhaften klanglichen Entfaltung. Unter der Leitung des Dirigenten eroberten die Musiker die Herzen der Zuhörer.

Auch der junge, begabte Pianist Matthias Hüberli verstand es virtuos, das Klavierkonzert KV 482 zu einem Vergnügen für Ohr und Auge zu machen.

Ein Abend voller Heiterkeit

«Wer von euch hat ganz viel Mut?» Auf die verschmitzte Frage des Dirigenten schnellte blitzschnell ein Arm in die Höhe. Der sich so bemerkbar machte – Kurt Keller, ein langjähriger Johanneum-Bewohner mit geistiger Behinderung – durfte für einmal den Takt angeben, den Stock

in die Hand nehmen und zur Freude des Publikums vortreten und das ganze vierzigköpfige Orchester dirigieren. Und er tat dies mit Eifer und höchster Hingabe. Dass sich dann unversehens noch ein Dutzend andere als Dirigent berufen fühlten, brachte Ernst Hüberli nicht in Verlegenheit; alle bekamen sie einen eigenen Taktstock geschenkt.

In lockerer, fröhlicher Stimmung, mit begeistertem Beifall und herzlichen Dankesworten des Pädagogischen und Therapeutischen Leiters ging ein wunderbarer Abend zu Ende. So wie sich einst Mozart inspirieren liess auf der Suche nach «Tönen, die sich gut vertragen», so haben sich auch das Toggenburger Orchester und das Johanneum gefunden – zwei Seiten, die sich gut vertragen. Anita Scherrer

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