Tödliche Gefahren im Alpstein

APPENZELLERLAND. In diesem Frühling sind im Alpstein bereits zwei Berggänger ums Leben gekommen. Appenzellerland Tourismus rät von Winterwanderungen in höheren Lagen ab. Rettungschef Hans Fitzi sieht dies differenzierter.

Jesko Calderara
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Zurzeit liegt in höheren Lagen noch Schnee, während es unten bereits frühlingshaft ist. Wanderungen im Alpstein sind deshalb nicht ungefährlich. (Die Aufnahme stammt von 2013.) (Bild: Urs Bucher)

Zurzeit liegt in höheren Lagen noch Schnee, während es unten bereits frühlingshaft ist. Wanderungen im Alpstein sind deshalb nicht ungefährlich. (Die Aufnahme stammt von 2013.) (Bild: Urs Bucher)

Am Mittwoch rutschte ein Schneeschuhläufer beim Überqueren eines Schneefeldes im Gebiet Stauberen-Hoher Kasten aus und zog sich beim Absturz tödliche Verletzungen zu. Damit sind im Alpstein in diesem Frühjahr bei Bergunfällen bereits zwei Menschen gestorben. «Unten herrscht frühlingshaftes Wetter, in höheren Lagen dagegen sind die Bedingungen noch winterlich», sagt Paul Broger, Mediensprecher der Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden. Deshalb seien Bergwanderungen im Augenblick viel zu gefährlich.

Ausrüstung und Erfahrung

Differenziert beurteilt Hans Fitzi die Situation. Er ist Rettungschef der SAC Station Schwägalp der Alpinen Rettung Schweiz. Wanderungen in den Voralpen seien zurzeit durchaus machbar. Als Beispiel nennt Fitzi die Hundwiler Höhe, den Kronberg und die Hochalp. «Wandern ist grundsätzlich während den Wintermonaten auch in höher gelegenen Gebieten möglich.» Dazu brauche es aber eine gewisse Ausbildung, Erfahrung und eine entsprechende Ausrüstung, sagt Fitzi. «Man sollte mit Steigeisen und Pickel umgehen können.» Das gelte zudem für Skitouren, die den ganzen Winter über gemacht werden könnten. Eine Gefahr sieht der Rettungschef zurzeit bei den Witterungsverhältnissen. «In der Nacht gefriert es, so dass die Schneefelder am Morgen sehr hart und schwierig zu begehen sind.» Vereinzelt weisen Warntafeln die Berggänger auf solche Risiken hin. So etwa beim Hohen Kasten und auf dem Weg von der Schwägalp zur Tierwis. Laut Fitzi gibt es im Alpstein nicht mehr Unfälle als früher. «Allerdings sind Schneeschuhläufer eher im Jahr unterwegs und unterschätzen die alpinen Gefahren.»

Wandersaison beginnt im Mai

Eine eindeutige Empfehlung zum Thema Bergwandern im Winter gibt Appenzellerland Tourismus AI ab. «Wir raten, zurzeit den Alpstein ganz zu meiden», sagt Geschäftsführer Guido Buob. Die gelben Wanderwegweiser würden nur in schneefreien Zeiten gelten. Ab einer gewissen Höhe liege darüber hinaus im Augenblick noch viel Schnee, sagt Buob. «Ein Teil der Berggänger sehen solche Risiken nicht.» Diese Selbstüberschätzung hält Buob für ein Problem. Er appelliert an die Selbstverantwortung des Einzelnen.

Die Wandersaison im Alpstein beginnt erst zwischen Mitte und Ende Mai. «Ein Zeichen dafür sind die Berggasthäuser, die in dieser Zeit jeweils öffnen», gibt Buob zu bedenken. Dennoch hat Appenzellerland Tourismus AI Winterwanderungen auf dem Programm. Diese führen jedoch nur durch Hügelgebiete in unteren Lagen. Höher als das Plattenbödeli gingen sie jeweils nicht, sagt Buob.